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"Trainer muss an meine Qualitäten glauben"

Was machen Star-Stürmer üblicherweise, wenn sie soeben einen Doppelpack zu einem 4:1-Erfolg ihrer Mannschaft beigetragen haben?

Sie starten selten unmittelbar nach der einleitenden Floskel bezüglich der „Freude wegen des Sieges“ ungefragt mit der Fehleranalyse. Nicht so Marc Janko.

„Ich finde, um etwas Kritisches zu sagen“, setzte der ÖFB-Kapitän an, „dass wir es mit einem Mann mehr nicht verstanden haben, den Ball richtig laufen zu lassen und ein gutes Positionsspiel auszuführen. Wir haben uns teilweise das Leben selbst schwer gemacht. Aber Kompliment an die Mannschaft. Wir haben 4:1 gewonnen, deswegen darf man nicht meckern.“

Ohne Frage gab es im Auftreten der ÖFB-Elf in Baku noch zu viel Leerlauf. Janko selbst musste indes wenigstens nicht wegen anhaltender Flaute vor dem gegnerischen Tor meckern.

„Habe mich bei Twente trösten können“

Am 14. Oktober wären es zwei Jahre gewesen, dass der Twente-Legionär im ÖFB-Dress nicht gescort hätte. Es bleibt beim Konjunktiv. Denn mit seinem Doppelpack gegen die Elf von Berti Vogts hat Janko seinen Negativlauf eindrucksvoll beendet.

Der 28-Jährige, der es unter Didi Constantini nicht immer leicht hatte, führte es auch auf das Vertrauen von Willi Ruttensteiner zurück, dass ihm plötzlich wieder der Knopf aufging.

„Natürlich hat jeder Stürmer einmal solche Durststrecken. Ich habe mich dafür immer in der Liga bei Twente ein bisschen trösten können. Deswegen war es jetzt nicht so schlimm, als wenn ich zwei Jahre gar nicht getroffen hätte. Aber natürlich wurmt einen so etwas, das ist keine Frage. Ich habe jedoch immer an meine Stärken geglaubt, und der Trainer jetzt auch“, betonte Janko.

Constantini rückte zuletzt zunehmend von seinem Spielführer ab. Vor dem Gastspiel in Deutschland, für das Janko verletzungsbedingt w.o. geben musste, kritisierte der inzwischen verabschiedete Coach die seiner Meinung nach fehlende Laufbereitschaft des Angreifers.

Kein „System Janko“

Anders als bei seinem Arbeitgeber aus Enschede gelang es im ÖFB-Team nicht, die Stärken des Goalgetters zu forcieren. Für Twente hat Janko alleine in dieser Saison in acht Liga-Begegnungen schon sieben Mal genetzt. Insgesamt hält er in 15 Pflichtspielen bei 13 Toren.

Eine Quote, mit der er im Nationalteam noch nicht aufwarten konnte. Zuletzt bremsten ihn immer wieder kleinere Verletzungen, Einsätze im angeschlagenen Zustand oder die Ersatzbank: „Das war irgendwo eine unrunde Geschichte. Aber jetzt ist ein Neuanfang, und ich freue mich darauf.“

Eine These, mit welcher Janko wenig anfangen kann, ist jene, dass er nicht richtig ins ÖFB-Spiel eingebunden wurde:

„Ich finde es immer ein bisschen komisch, wenn die Leute sagen, man braucht ein spezielles System für den Janko. Ich habe bei Karel Brückner, wo wir mit elf Mann verteidigt haben, genauso meine Tore geschossen. Ich denke, ich habe oft genug bewiesen, dass man mit mir mehr als nur ein System spielen kann. Der Trainer muss an meine Qualitäten glauben. Das macht dieser Trainer, deswegen habe ich ihm das zurückbezahlt.“

„Unfair zu sagen, die Mannschaft blüht auf, weil Constantini weg ist“

Immer wieder der Hinweis auf das Vertrauen von Ruttensteiner, der den Niederösterreicher auch als Kapitän bestätigt hat. Janko ruft seine Stärken seit jeher dann am besten ab, wenn sein Coach voll hinter ihm steht. Wie aktuell bei Twente Co Adriaanse, während dessen einjähriger Amtszeit in Salzburg er 39 Liga-Treffer erzielte.

Einen Blick zurück im Bösen wagt der 1,97-Meter-Riese dennoch nicht. Im Gegenteil: Über Constantini kommt ihm kein schlechtes Wort über die Lippen: „Das ist auch nicht meine Art.“

„Es wäre unfair zu sagen, die Mannschaft blüht auf, weil Didi Constantini weg ist. Man muss Constantini auch Dank für seine Arbeit und seinen Enthusiasmus aussprechen, er hat für sich immer das Beste versucht. Natürlich ist jetzt ein anderer Trainer am Werk, der andere Vorstellungen hat, der irgendwo auch anders trainiert.“

Nun hebt der ÖFB-Tross in Richtung Kasachstan ab. Dafür, vor dem Match in Astana aufgrund der Leistung in Baku abzuheben, gibt es jedoch keinerlei Grund, wie auch Janko betont:

„Ich möchte in Erinnerung rufen, dass es nur Aserbaidschan war, gegen die wir gewonnen haben und keine große Nation. Deswegen müssen wir die Kirche im Dorf lassen.“

Peter Altmann

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