Nicht nur Bale bereitet ÖFB-Team Probleme

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Neues Jahr, altbekanntes Problem.

Wie schon gegen die Elfenbeinküste (0:3) und auswärts gegen Kasachstan (1:1) tat sich das ÖFB-Team auch beim 1:2 in Wales mit dem aggressiven Forechecking des Gegners schwer.

Dies machte sich vor allem in der ersten Hälfte bemerkbar. Nur selten gelang es der Elf von Marcel Koller den Ball sicher herauszuspielen.

Dabei waren sich die Spielanlagen beider Mannschaften eigentlich recht ähnlich.

Hohe Defensive + kein Druck auf Passgeber = Tor

Denn wie Wales ging auch das ÖFB-Team aggressiv ans Werk und presste vor allem in der Anfangsphase recht früh. Marcel Koller hatte seine Elf wie gewohnt in einem 4-2-3-1 (offensiv) bzw. 4-4-2 (defensiv) auf das Feld geschickt. Dem 4-3-3/4-1-4-1 der Waliser ähnelte die Spielweise insofern, als dass sich die Außenverteidiger mit Vorstößen zurückhielten.

In der Feinabstimmung bewiesen die Waliser jedoch mehr Zug zum Tor. Immer wieder entblößten Gareth Bale und Co. die hohe Verteidigungslinie der Österreicher nach gezielten Steilpässen. Am besten funktionierte jene Strategie natürlich dann, wenn der Passgeber genügend Zeit am Ball hatte. Bestes Beispiel dafür war das 1:0 (21.). Nach Joe Allens Zuspiel über die Abwehr konnte Bale durchstarten. Ist der Tottenham-Star einmal auf der Reise, hält ihn so schnell niemand mehr auf. Dementsprechend schwierig hatte es Markus Suttner.

Das beste Mittel gegen Bale wäre es gewesen, ihn von seinen Mitspielern zu isolieren. Doch Allen sowie die beiden Achter Joe Ledley und David Vaughan hatten die Zentrale recht gut im Griff, wie auch Andreas Ivanschitz auffiel: „Wir haben zwar vorne zu pressen versucht, aber die Abstände waren zu weit. Je länger das Spiel gedauert hat, desto mehr Raum hatte der Gegner zum Spielen. Das war nicht so gut.“

Die österreichischen Probleme

Die Löcher im Pressing gingen teilweise einher mit laschem Verhalten in der Rückwärtsbewegung, wie das 2:0 durch Vokes (52.) exemplarisch zeigte.

Zu diesem Problem gesellte sich die bereits angesprochene Schwierigkeit mit dem Spielaufbau. Natürlich konnte Österreich einige gute Chancen herausspielen, doch aus der technischen Überlegenheit hätte man mehr Kapital schlagen können. Viele Angriffe blieben schon frühzeitig hängen. Einerseits aufgrund der fehlenden Breite im Spiel wegen der defensiven Außenverteidiger. Andererseits auch weil sich Sechser und Innenverteidiger gegen das Waliser Pressing zu statisch verhielten.

Ein probates Mittel dagegen wäre beispielsweise das „Abkippen“ eines defensiven Mittelfeldspielers gewesen. Dabei lässt sich ein Sechser in die Verteidigung zurückfallen. Diese Bewegung verschafft ihm Platz und die eigenen Außenverteidiger können höher aufrücken. Sowohl Veli Kavlak als auch David Alaba verzichteten jedoch auf einen solchen taktischen Kniff.

Zweite Hälfte: Arnautovic treibt an

Nach der Auswechslung von Bale (60.) und mit der 2:0-Führung im Rücken verteidigten die Waliser tiefer in der eigenen Hälfte. Dies brachte dem ÖFB-Team noch mehr Ballbesitz ein. Sinnvoll genutzt wurde dieser aber nur von Marko Arnautovic. Über den Bremen-Legionär liefen fast alle gefährlichen Angriffe (siehe auch LAOLA1-Einzelkritik). Seine Bemühungen reichten aber nur noch zum Anschlusstreffer, den er mit einer Maßflanke vorbereitete.

Fazit: Wann kommt der nächste Schritt?

Dass sich das ÖFB-Team unter Koller taktisch weiterentwickelt hat, steht außer Zweifel. Doch seit einigen Spielen stagniert die Elf des Schweizers. Defensiv scheinen die Österreicher anfällig, weil das Pressing nicht mehr so gut funktioniert, wie beispielsweise noch gegen Deutschland. Offensiv hat die Mannschaft weiterhin Probleme mit kompakt stehenden Gegnern, wie die Niederlage gegen Wales beweist. Insgesamt fehlt es an einstudierten Spielzügen und koordiniertem Zusammenspiel.

Solche Fähigkeiten sind jedoch innerhalb der geringen Vorbereitungszeit vor Freundschaftsspielen kaum erlernbar. Deswegen kommt dem Trainingslager vor den Spielen gegen die Färöer und Irland umso mehr Bedeutung zu. Langsam sollte Koller das ÖFB-Team auf die nächste taktische Stufe heben.

 

Jakob Faber

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