"Da ist jeder in der Pflicht"

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Mit einem 1:2 im Gepäck kehrte das ÖFB-Team aus Wales zurück.

Ein nicht gelungener Auftakt ins Länderspieljahr, der aber helfen soll, dass die nächsten drei WM-Quali-Spiele gegen die Färöer (22.3.), Irland (26.3.) und Schweden (7.6.) gelingen.

Für die Heimspiele gegen die Färinger und Schweden sind 20.000 Abos abgesetzt, ab 15. Februar gibt es nur noch Einzeltickets.

Nicht weniger als 2.500 Fans, das österreichische Kontingent ist damit aufgebraucht, wollen in Dublin das schöne rot-weiß-rote Gesicht sehen.

In Swansea war das am Mittwochabend nicht zu finden, im März muss das anders sein, das weiß auch der ÖFB-Präsident Leo Windtner:  „Das ist jetzt kein Beinbruch, auch wenn wir uns das anders vorgestellt haben. Aber im März sind die Spieler gefordert, das ist ganz klar.“

Wie sah der Teamchef die Niederlage? Was war besser, was war schlechter als zuletzt?

LAOLA1 war dabei, als der 52-jährige Schweizer vor dem Rückflug nach Österreich ausführlich die Erkenntnisse des 1:2 gegen Wales zum Besten gab.

ÖFB-TEAMCHEF MARCEL KOLLER ÜBER...

...DIE 1:2-NIEDERLAGE IN WALES

Es war besser als gegen die Elfenbeinküste. Was aber auch schon Vorgänger gesagt haben, ist, dass es sich schwieriger gestaltet, solche Spiele zu gewinnen. Weil der Gegner selbst natürlich motiviert ist, zu Hause zu gewinnen und dementsprechend Gas gibt. Deswegen war es auch ein guter Test, um zu sehen, dass wir noch zulegen müssen. Wir haben das gegenüber dem letzten Spiel getan, jetzt müssen wir es weiter tun. Es gibt solche Spiele, die individuell nicht so gut laufen, wie man das gerne hätte. Gestern haben wir natürlich Fehler drinnen gehabt, die sich auf der anderen Seite in Tore ausgewirkt haben. Das sind dann Kleinigkeiten, aber auf so einem Level wird das dann ausgenützt. Wales hat mit Bale einen offensiven Topspieler, der ein Tor gemacht und das andere vorbereitet hat.

...DIE VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT DER GEGNER ELFENBEINKÜSTE UND WALES

Es geht immer darum, was man da hernimmt. Die Steigerung war darauf bezogen, was wir spielen wollten. Gegen die Ivorer sind wir mitgelaufen, haben ein bisschen gespielt und das war gestern anders. Also das bezieht sich nicht auf das Ergebnis oder den Gegner, sondern alleine auf unsere Spielweise und die Grundeinstellung.

...DEN INNEREN SCHWEINEHUND, DER AUSWÄRTS WIEDER NICHT BESIEGT WURDE

Das ist jetzt ein wenig einfach zu sagen, wir haben verloren, deswegen wurde der innere Schweinehund nicht besiegt. So ist es nicht. Wir haben gefightet, es lag an Kleinigkeiten. Sicherlich waren Unsicherheiten dabei, die haben den Unterschied ausgemacht, genauso wie die Tatsache, dass wir die Gegentore bekommen und vorne die Chancen ausgelassen haben.

…DIE FEHLENDE KALTSCHNÄUZIGKEIT VOR DEM TOR

Das ist eben nicht neu, das ist mir schon bei meinem Amtsantritt aufgefallen, dass in Österreich – angefangen von den Nachwuchsteams – zwar viele Chancen herausgespielt, diese aber nicht genützt werden. Wir haben noch nicht die Abgebrühtheit, um solche Chancen zu verwerten und davon zu profitieren. Wir haben schon Torgefahr, aber wir machen zu wenig Tore. Wenn man eines bekommt, dann wird es schwieriger. Das haben wir gestern in der zweiten Hälfte gesehen, als wir sicherlich dominant waren, nach vorne gespielt haben, aber der Gegner mit neun Mann am Sechzehner stand. Da ist es dann schwierig das Loch und die Lücken zu finden.

...FÄRÖER ALS IDEALER GEGNER, GEGEN DEN DER KNOTEN HINSICHTLICH TORE PLATZT

Das ist der falsche Ansatz. Deutschland hat 3:0 gewonnen, Schweden auf den Färöer 2:1 gewonnen. Also können wir nicht davon ausgehen, dass wir 4:0 oder 5:0 gewinnen. Normalerweise würde ein Tor reichen, wenn wir keines bekommen. Das ist der Ansatz. Wenn es dann anders rauskommt, nehmen wir das natürlich gerne mit. Wir können jetzt nicht hochtrabend auf Tore aus sein. Das Wichtigste wird sein, die Partie zu gewinnen.

...DIE FEHLENDE SPIELPRAXIS, SPEZIELL IN DER VIERERKETTE

Das hat man sicher gesehen. Es sind zwar nur Kleinigkeiten, aber die sind nicht unwesentlich. Das hat man in der einen oder anderen Situation gesehen. Da muss man schauen, dass sie so schnell wie möglich zum Spielen kommen. Es ist speziell für die Feldspieler wichtig, beim Tormann wäre es natürlich auch gut, aber bei den Feldspielern ist wegen des Rhythmuses und der Spielintensität wichtig und sicher vom Vorteil. (Es gab nicht die Überlegung, David Alaba als Linksverteidiger auflaufen zu lassen, Anm.)

…MÖGLICHE BERÜCKSICHTIGUNG FEHLENDER SPIELPRAXIS BEI NÄCHSTER EINBERUFUNG

Ich habe das schon ein paar Mal erklärt, nämlich, dass wir Österreich sind und wir nicht davon ausgehen können, dass immer und überall gespielt wird, gerade auch in den ausländischen Ligen. Wir können auch nicht hergehen und Fünf nehmen, die spielen, aber unsere Philosophie nicht kennen und von vorne beginnen. Der Weg wird weitergegangen.

...DIE GRÜNDE, WARUM DEN TEAMSPIELERN DIE KONSTANZ FEHLT

Das ist sicherlich auch Erfahrungssache, vor allem wenn man den einen oder anderen jüngeren Spieler nimmt. Da geht es ums Bewusstsein und sich immer mal wieder selber Gedanken zu machen und sich auch weiterzuentwickeln. Es gibt eben im Laufe eines Jahres auch mal bessere und mal schlechtere Spiele. Einige sind ja zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht so in einem Rhythmus, das ändert sich sicherlich im Laufe der nächsten Wochen und wird dann auch wieder besser sein. Das hoffen wir zumindest.

...DIE NICHT-EINWECHSLUNG VON PHILPP HOSINER UND DESSEN ZUKUNFT

Es wäre eine Möglichkeit gewesen, ihn einzuwechseln. Aber Marc Janko hat vorne eine gute Partie gemacht. Von daher haben wir nicht gesehen, dass wir da wechseln müssen. Für die Zukunft bedeutet das, dass er auch weiterhin in den Überlegungen eine Rolle spielt. Er hat ja keinen Fehler gemacht (lacht). In Österreich hat er im Herbst gezeigt, dass er weiß, wie man Tore schießt. International ist es eben noch ein wenig anders, da geht es bei den Duellen zwischen Janko und Williams (Ashley, Wales-Kapitän) mit Haken und Ösen zu.

...DAS PRESSING VON ÖSTERREICHS

Das kann natürlich aggressiver sein, so wie in den Länderspielen gegen die Türkei und Deutschland, wo wir richtig aggressiv waren. So muss es sein. Da müssen wir hinkommen, daran müssen wir immer wieder arbeiten, da ist jeder in der Pflicht. Zum Wales-Spiel: Wenn der Gegner in der Abwehr im Ballbesitz ist und wir keinen Druck ausüben, dann können wir in der Verteidigung nicht hoch stehen, weil der den langen Ball spielen kann. Da geht es um Wahrnehmung. Wenn ich eng dran bin, dann kann er keinen langen Ball spielen. Das sind taktische Dinge, die man immer wieder üben muss. Das braucht Zeit, das zeigt man aber auch her.  Und die Spieler sind ja selbstkritisch, sie wissen das selbst, die wollen ja auch nicht verlieren. Es muss einfach ins Bewusstsein, dass wir das gemeinsam abrufen und jeder seine eigene Leistung auf einem Toplevel bringt.

...DIE OFFENSIVE UND DEFENSIVE LEISTUNG VON MARKO ARNAUTOVIC

Er hat aus meiner Sicht ein gutes Spiel gemacht, hat nach vorne viel versucht und war gefährlich. Er kann natürlich in der Defensive auch das eine oder andere verbessern, sich noch mehr einbringen. Das ist aber auch ein Prozess. Das geht nicht von heute auf morgen. Zudem hat er bei Werder auch noch nicht so viele Spiele absolviert im Frühjahr.

…DIE DINGE, DIE ER DEN SPIELERN MITGIBT

Ich möchte den Spielern schon auch mitgeben, dass jeder vor seiner eigenen Türe kehrt, sein Spiel analysiert. Denn so kann man weiterkommen, wenn man vielleicht sein Spiel noch mal anschaut und dementsprechend kritisch mit sich umgeht.

…DAS ÜBERWIEGEN VON SKEPSIS ODER ZUVERSICHT NACH DEM SPIEL

Als Trainer musst du immer zuversichtlich sein, du musst natürlich analysieren, es dir anschauen und besprechen. Aber man muss nach vorne schauen, es bringt nichts, nach hinten zu schauen und pessimistisch zu sein. Man muss antreiben und unterstützen. Ich bin nicht erst seit einem Jahr sondern seit 15 Jahren Trainer und das ist einfach der Job, immer wieder zu wiederholen und durchzugeben, was man sehen möchte.

 

Bernhard Kastler

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