Die Besinnung auf die eigenen Stärken

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Fokussiert und konzentriert.

Das sind die zwei Schlagworte von Teamchef Marcel Koller im Vorfeld der EM-Qualifikations-Partie Österreichs in Liechtenstein am Freitag (20:45 Uhr).

Unterschätzen wird man den vermeintlichen „Fußballzwerg“ auf jeden Fall nicht, wenngleich man sich der klaren Favoritenrolle bewusst ist.

Von der taktischen und personellen Ausrichtung im ÖFB-Team wird man dennoch nicht großartig abweichen.

Beim ersten Wiedersehen des Teams nach langer Länderspielpause steht ohnehin zunächst Teambuilding am Programm.

„Es ist immer wichtig, nach vier Monaten wieder untereinander Kontakt aufzunehmen. Die Stimmung ist überragend und alle freuen sich, wieder dabei zu sein“, erzählt Koller nach dem ersten Training.

Schwieriger Gegner

Gegen Liechtenstein steht das ÖFB-Team in der Pflicht, das weiß auch der Teamchef: „Wir müssen und werden das Spiel machen. Es geht darum, dass wir unser gewohntes Spiel spielen und uns darauf besinnen, was wir gut können.“

Der kommende Gegner wird wohl mit einem Neun-Mann-Abwehrbollwerk auf Alaba und Co. warten, ohne dabei auf Offensiv-Arbeit zu vergessen.

„Lichtenstein ist defensiv gut organisiert, spielt einen frechen Fußball und versucht, wenn sich Räume eröffnen, zu kontern. Auch nach Standards können sie zu Toren kommen“, analysiert Koller das Team von Trainer Rene Pauritsch.

Obwohl die Mannschaft aus einer Vielzahl von Amateuren besteht, fordert Marcel Koller volle Konzentration und will keine Überheblichkeit sehen: „Wenn du denkst, du gehst in ein leichtes Spiel, ist das der erste Fehler, den man machen kann.“

Lindenberger-Lob für Almer

Eine Systemänderung gegen Liechtenstein, beispielsweise mit einer Doppelspitze zu spielen, hat der Teamchef nicht geplant, auch weil die Zeit fehlt. Nur wenige Trainingstage stehen den ÖFB-Kickern vor dem Match zur Verfügung. „Schuster bleib‘ bei deinen Leisten“, bedient sich Koller bei einem alten Sprichwort.

In der Torwartfrage wurde zwar noch nichts festgelegt, es deutet aber viel auf einen Verbleib von Robert Almer zwischen den Pfosten hin, obwohl sein letztes Spiel vier Monate in der Vergangenheit liegt. „Es zeigt von Klasse, dass er zum richtigen Zeitpunkt voll da ist“, lobt Neo-Tormanntrainer Klaus Lindenberger seinen Schützling.

Lindenberger ist von Österreichs Tormann-Landschaft begeistert

Doch auch die beiden anderen Tormänner, Ramazan Özcan und Heinz Lindner, dürfen sich über positive Worte Lindenbergers freuen: „Alle haben einen hervorragenden Eindruck gemacht und wirken top motiviert.“

Ein Problem auf der Torhüter-Position ortet er ohnehin nicht: „Es gibt sehr viele gute Tormänner in Österreich.“

Ein Luxusproblem

Nicht nur bezüglich der hintersten Position gibt es Diskussionen, auch beim Freistoßschützen hat Koller die Qual der Wahl. David Alaba und Zlatko Junuzovic lehren momentan in Deutschland den Tormännern das Fürchten. Auch Christian Fuchs strahlt bei einem ruhenden Ball Gefahr aus.

Von einem Problem will der Teamchef natürlich nicht sprechen, vielmehr unterstreicht er diese luxuriöse Situation: „Wir haben den Vorteil, dass wir einen Rechtsfuß und zwei Linksfüße haben.“ Damit kann man Gefahr von beiden Seiten ausstrahlen.

„Alaba und Junuzovic setzen das momentan sehr gut um und sind eigentlich bestimmt, auszuführen. Es ist aber nicht meine Aufgabe von der Seitenlinie hineinzurufen. Das müssen sie selber untereinander ausmachen“, erklärt Koller die Aufteilung.

Fuchs im neuen System

Linksverteidiger Fuchs musste sich im vergangenen Jahr immer wieder Kritik anhören, sowohl im Team als auch bei seinem Verein Schalke 04 wusste er auf seiner Stammformation nicht immer zu überzeugen.

Es läuft wieder bei Fuchs

Seit Roberto di Matteo die „Knappen“ übernommen hat, spielt Fuchs auf der offensiveren Position im 3-5-2-System. Dass er deshalb Schwierigkeiten haben könnte, wieder in einer Viererkette zu agieren, glaubt Marcel Koller nicht, außerdem will er ihn ohnehin nicht hinten anbinden: „Wenn er die Power und den Platz hat, soll er mit nach vorne.“

„Ich freue mich, dass er wieder häufig spielt und vor allem, dass sein Knie keine Probleme macht“, spricht Koller auch die vergangenen gesundheitlichen Probleme von Christian Fuchs an.

Keine Löw-Kopie

Der deutsche Teamchef Jogi Löw meinte unlängst, er wolle sein Spielsystem flexibler gestalten. So will der Weltmeister-Trainer unter anderem eine Dreierkette einstudieren. Eine Überlegung, die Koller zwar im Falle von Löw verstehen kann, er selbst will in der Qualifikation dieses Risiko allerdings nicht eingehen.

„Jogi Löw ist seit über zehn Jahren dabei, nun muss er einige Abgänge wichtiger Spieler hinnehmen. Daher kommen neue hinzu, diese bringen neue Fähigkeiten mit, auf denen man sein Spielsystem auslegen muss“, so Koller.

Mit dem ÖFB-Team arbeitet er speziell auf Konstanz hin: „Wir müssen die Qualifikation schaffen und permanent gut spielen.“

Kollers Karma

An den kommenden Gegner aus Liechtenstein hat Marcel Koller eine ganz spezielle Erinnerung, wie er erzählt: „Die einzige Rote Karte meiner Karriere sah ich in der Nationalmannschaft. Ich hätte im darauffolgenden Quali-Match nicht spielen dürfen. Daher hat man ein Freundschaftsspiel gegen Liechtenstein eingeschoben, in dem ich meine Sperre abgesessen habe. Ich war in der Quali also wieder dabei, doch kurz vor dem Spiel bekam ich Nierensteine und konnte am Ende doch nicht mitspielen.“

Es wird also höchste Zeit, die Erinnerungen an Liechtenstein aufzubessern.

Julian Saxer

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