"In der Lage, mehr Tore aus Standards zu erzielen"

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Beobachtet man ein von Marcel Koller geleitetes Training von Standard-Situationen, sieht man in den letzten Jahren auf diese Art und Weise nicht allzu oft Erlebtes.

Detailverliebt studiert der Schweizer die jeweiligen Laufwege bei Eckbällen ein, dabei verschiebt der Teamchef seine Schützlinge höchstpersönlich genau dorthin, wo er die „Kopfball-Ungeheuer“ stehen haben möchte.

Und davon gibt es im ÖFB-Team einige: Ob Marc Janko, Sebastian Prödl, Emanuel Pogatetz oder Franz Schiemer – sie alle haben ihre Gefährlichkeit bei ruhenden Bällen schon oft genug unter Beweis gestellt.

„In der Vergangenheit zu wenig aus Standards gemacht“

Letzterer steuerte etwa beim denkwürdigen 4:4 in Belgien zwei Treffer nach Cornern von Zlatko Junuzovic bei. Prödl wiederum hat für Werders Sportdirektor Klaus Allofs das Potenzial, einer der besten Offensiv-Kopfballspieler der ganzen deutschen Bundesliga zu sein.

„Ich denke, dass gerade bei Standard-Situationen Spieler da sind, die extrem gefährlich sein können“, weist Assistenztrainer Thomas Janeschitz auf den Vorteil hin, dass der ÖFB-Elf zahlreiche groß gewachsene Spieler angehören.

Von Spieler-Seite wird festgestellt, dass diesbezüglich noch Luft nach oben besteht. „Wir haben in der Vergangenheit aus Standardsituationen vielleicht ein bisschen zu wenig gemacht. Da ist auf jeden Fall Entwicklungspotenzial vorhanden“, betont Kapitän Marc Janko.

„Gegner sollten zittern, weil wir viele kopfballstarke Spieler haben“

Pogatetz findet: „Wir sollten eigentlich schon in der Lage sein, mehr Tore aus Standards zu erzielen. Wenn die Gegner auf unsere Mannschaft schauen, sollten sie schon ein wenig zittern, weil wir wirklich sehr viele kopfballstarke Spieler in unseren Reihen haben, die für Tore sorgen können. Marcel Koller hat dies sicher auch erkannt und versucht, das zu optimieren.“

Schiemer ergänzt: "Im mordernen Fußball werden 40 Prozent aller Tore nach Standardsituationen erzielt. Das muss auch bei uns eine Waffe sein."

Es liegt auf der Hand, dass der neu installierte Betreuerstab versucht, aus diesem vorhandenen Potenzial mehr Lufthoheit herauszuholen. Denn dass Standards im Fußball eine immer wichtigere Rolle zukommt, ist selbstverständlich kein Geheimnis.

„Es ist natürlich gerade für Mannschaften, die das Spiel vielleicht nicht so dominieren können, eine Waffe. Es ist bekannt, dass Standard-Situationen dann hilfreich sein können“, verdeutlicht Janeschitz, für den es ob der zahlreichen groß gewachsenen Spieler logisch ist, diesem Punkt verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen: „Es ist klar, dass man die Taktik an die Stärken und Schwächen der Mannschaft anpassen muss.“

Vorteil für Schiemer?

Nimmt man das Beispiel Schiemer her, spricht seine Stärke bei ruhenden Bällen – offensiv wie defensiv – nicht gerade gegen eine Nominierung des Salzburg-Kickers.

Da die Innenverteidigung mit Prödl und Pogatetz sowie das zentrale Mittelfeld mit David Alaba und Julian Baumgartlinger besetzt werden dürfte, erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass der Allrounder auf die rechte Abwehrseite ausweicht.

Weshalb man auf dieser Position vielleicht eine Spur weniger Offensivkraft im Vergleich zu Alternativkandidat Florian Klein in Kauf nehmen würde.

„Genau das sind die Aufgaben, die ein Trainer-Team zu erfüllen hat: Was spricht dafür? Was spricht dagegen?“, meint Janeschitz zur Thematik, welche Rolle die Torgefährlichkeit eines Spielers wie Schiemer bei der Aufstellung spielen würde.

„Koller hat das Spiel auch nicht neu erfunden“

Auch wenn den Standards eine verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet wird, ist natürlich nichts grundlegend Revolutionäres zu erwarten, wie auch Janko einschränkt:

„Wir sind alle schon lange genug in diesem Geschäft, wir kennen diese Kniffe schon von Vereinsseite her. Marcel Koller hat das Spiel auch nicht neu erfunden.“

Aber zumindest bemüht sich der Schweizer, längst Erfundenes im Detail ein wenig zu verbessern.

Peter Altmann

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