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"Bei Sieg nicht in Jubel-Trubel-Heiterkeit verfallen"

Lviv gleicht derzeit ohne jede Übertreibung einer riesigen Baustelle. Klar, die westeuropäische Stadt will sich für die EURO im kommenden Jahr so gut wie möglich herausputzen.

Beim ÖFB-Team von einer Baustelle zu sprechen, trifft längst nicht mehr zu. Das Grundgerüst steht, mit Marcel Koller übernimmt nun ein neuer „Baumeister“ die Fertigstellung.

Der Teamchef macht vor seinem Einstand, bei dem gleichzeitig mit der „Lviv Arena“ eines der vier ukrainischen EM-Stadien eingeweiht wird, aus der Aufstellung ein großes Geheimnis.

„Ich habe sie schon im Kopf, aber es ist wichtig, dass man sie zuerst mit den Spielern bespricht“, ließ er sich auch vor dem Abflug in die 750.000-Einwohner-Stadt nichts entlocken.

Besetzung des Tormanns größtes Rätsel

Es sei denn, der 51-Jährige setzt auf den Überraschungseffekt, dürfte das Lineup wiefolgt aussehen: Franz Schiemer, Sebastian Prödl, Emanuel Pogatetz und Christian Fuchs bilden die Viererkette. Dass David Alaba im zentralen Mittelfeld getestet wird, hat der Schweizer bereits angekündigt. An seiner Seite dürfte Julian Baumgartlinger nominiert werden.

Andreas Ivanschitz (links) und Martin Harnik (rechts) werden die beiden Sturmspitzen Marc Janko und Marko Arnautovic unterstützen.

Das größte Rätsel ist, welchen Goalie Koller und sein Trainerstab für diese Partie zur Nummer eins küren – Robert Almer, Pascal Gründwald oder den allgemein als Favorit geltenden Heinz Lindner.

Koller wollte auch nicht verraten, wann genau er der Mannschaft die Aufstellung mitteilen wird. Einzelne Spieler dürften schon im Vorfeld eingeweiht werden. „Spätestens Dienstagnachmittag bei der letzten Teambesprechung werden es dann alle wissen.“

„Nicht abwarten, bis der Gegner Fehler macht“

Der Eidgenosse möchte probieren, jenen Akteuren, die diesmal nicht zum Zug kommen, ein Feedback zu geben:

„Es ist schon mein Ziel, dass ich denen, die nicht dabei sind, kurz mitteile, aus welchem Grund. Das werde ich mal so, mal so handhaben. Aber grundsätzlich finde ich es gut, wenn man eine kurze Rückmeldung gibt, bevor die Spieler nach Hause gehen.“

Bevor die Spieler nach dem ersten Camp unter der Anleitung Kollers die Heimreise antreten, steht naturgemäß noch der Höhepunkt bevor. Der Teamchef hat klare Vorstellungen, welche Ideen er gegen die Ukraine umgesetzt haben will:

  • „Auf der einen Seite müssen wir in der Defensive versuchen, gut zu stehen. Und zwar soll nicht nur der Einzelne versuchen, gut zu stehen, sondern dass wir einander unterstützen, in den Linien gut stehen und es dem Gegner schwer machen. Wir wollen versuchen, den Gegner zu attackieren. Wir wollen nicht abwarten, bis der Gegner Fehler macht, sondern diese Fehler provozieren.“
  • „Nach vorne hin wollen wir Präsenz im Sechzehner zeigen. Wenn man Punkte mitnehmen will, muss man auch nach vorne kommen. Da ist jeder aufgefordert, sich auch in der Offensivzone um den Strafraum zu üräsentieren.“

„Wenn wir gewinnen, müssten wir das richtig einschätzen“

Zum widerholten Male legt Koller jedoch auf die Feststellung wert, dass beim ersten Mal noch nicht alles klappen können: „Das wird die Vorgabe sein. Ob wir das schon umgesetzt bekommen, ist eine andere Sache.“

Der richtige Umgang mit Ergebnissen ist in Österreich bisweilen nicht einfach. Das dürfte auch der Schweizer schon bemerkt haben, weshalb er schon im Vorfeld betont:

„Wichtig wird sein, dass man nicht nur auf das Ergebnis achtet. Vielleicht gibt es ein Unentschieden, es kann aber auch sein, dass wir verlieren. Das weiß jetzt noch keiner. Aber auch dann wird es entscheidend sein, dass wir unseren Weg weiter verfolgen und nicht ergebnisabhängig sagen: „‘Okay, jetzt haben wir verloren, jetzt ist die ganze Stimmung wieder schlecht.‘ Das ist nicht so. Es soll so sein, dass man etwas aufbaut, eine Idee hat und diese verfolgt. Da wird es auch Tiefschläge geben, die muss man verarbeiten. Aber wir wollen das Ziel verfolgen und nicht aus den Augen verlieren.“

Den richtigen Umgang mit dem Ergebnis fordert Koller wohlgemerkt auch im Falle eines Sieges ein: „Wenn wir gewinnen, wäre das wichtig uns schön. Wir müssten das aber richtig einschätzen und nicht in Jubel-Trubel-Heiterkeit verfallen. Auch das würde nichts daran ändern, dass wir noch weit von dem Punkt entfernt sind, wo wir hinwollen.“

„Maximum an Schlauheit und Taktik“

Auch wenn die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit zuletzt gestiegen ist, warnt der ÖFB-Coach daher. „Nur weil die Stimmung jetzt positiv ist, kann man nicht sagen, wir gewinnen gegen den Weltmeister.“

Bis zum Beweis des Gegenteils ist Österreich gegen viele Nationen ohnehin Außenseiter. Das wird wohl auch in der kommenden WM-Qualifikation gegen die EM-Teilnahmer Deutschland, Schweden und Irland (vorausgesetzt die Trapattoni-Elf verteidigt in der Barrage den 4:0-Vorsprung im Rückspiel gegen Estland…) der Fall sein.

„Wenn man diese Gruppe angeht, werden wir die so genannten Kleinen sein. Da müssen wir versuchen, das Maximum an Schlauheit und Taktik herauszuholen“, betont Koller.

Der Ukraine-Test sollte erste Aufschlüsse darüber geben, wie sich der Constantini-Nachfolger dies vorstellt.

Peter Altmann

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