"Taktische Arbeit momentan größte Neuerung"

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Marc Janko führt Österreich gegen die Ukraine als Kapitän aufs Feld.

Ob der Goalgetter dies im Länderspiel-Jahr 2012 auch tun wird, steht noch nicht fest. „Das wird beim nächsten Lehrgang entschieden. Ich brauche dieses Amt auf jeden Fall nicht für mein Ego“, erklärt der 28-Jährige.

Wesentlich wichtiger für das Ego des Twente-Legionärs wäre wohl eine erfolgreichere Ära mit dem ÖFB-Team – ob mit oder ohne Schleife am Arm. Garantieren soll diese Neo-Teamchef Marcel Koller, der in Lviv seine Premiere feiert.

Im LAOLA1-Interview spricht Janko über die ersten Eindrücke der Zusammenarbeit, wundert sich nicht, dass Koller die Erwartungshaltung bremsen muss und streicht die Vorteile der Arbeit des Schweizers abseits der Länderspiel-Termine hervor.

LAOLA1: Es wird dieser Tage viel von Neustart gesprochen. Dieser Neustart fällt diesmal aber insofern anders aus, als dass Neo-Teamchef Marcel Koller auf das bestehende Spielermaterial zurückgreifen kann. Ein Vorteil?

Marc Janko: Bezüglich der Trainer ist es natürlich ein kompletter Neustart. Wir haben viele neue Betreuer dazubekommen. Jeder Neustart, jeder Trainer bringt eine neue Philosophie mit sich. Es gibt neue Regeln, die es einzuhalten gilt – auf dem Platz, aber auch außerhalb davon. Deswegen ist es natürlich dahingehend schon eine kleine Veränderung. Aber es stimmt schon: Wir spielen alle schon ziemlich lange zusammen. Von den personellen Strukturen innerhalb der Mannschaft gibt es keine Neuerungen.

LAOLA1: Auf welche Bereiche kann man sich konzentrieren, wenn man die Spielerfindungs-Phase auslassen kann?

Janko: Wie kann man die Automatismen besser einspielen? Wie kann man besser im Kollektiv arbeiten - sowohl offensiv, als auch defensiv? Daran gilt es zu arbeiten.

LAOLA1: Es wird viel darüber gesprochen, was Marcel Koller neu einbringt. Welche Punkte vermittelt er mit besonderem Nachdruck?

Janko: Er arbeitet taktisch sehr intensiv. Das ist momentan einmal die größte Neuerung, die wir am Feld wahrnehmen. Er lässt das Spiel im Training zwar schon auch laufen, probiert jedoch auch sehr oft, das Spiel anzuhalten und genau die Situation zu diskutieren, wo Fehler passiert sind. Er erklärt, was man vielleicht besser machen könnte, um eben den Spielern visuell vorzuhalten, was sie falsch gemacht haben oder besser machen könnten.

LAOLA1: Koller sagt selbst, dass er intensives Coaching betreibt. Nimmt man dieses Feedback positiv wahr oder ist es manchmal unangenehm, wenn man vor allen kritisiert wird?

Janko: Nein, denn es handelt sich ja um eine positive Kritik. Es ist kein Spieler so verschlossen, dass er für diese Art der Kritik nicht offen ist. Es ist ja eine Art der Kritik, die einen weiterbringen soll und nie etwas Persönliches. Deswegen hat da kein Spieler ein Problem damit.

LAOLA1: Man hat den Eindruck, dass Koller selbst die Aufbruchstimmung im Land schon ein wenig bremsen will. Wie ordnest du das ein? Ist die Erwartungshaltung eine Spur zu groß?

Janko: Er hat schnell gemerkt, dass es in Österreich in beide Richtungen sehr schnell gehen kann. Das merkt man auch jetzt wieder.  Bei der Teamchef-Bestellung war die Stimmung ziemlich negativ. Jetzt auf einmal habe ich das Gefühl, dass wir kurz vor dem Europameister-Titel stehen. Das ist einfach so bei uns. Das hat er inzwischen auch schon kennengelernt. Ich kenne es schon lange Zeit, deswegen überrascht mich das nicht.

LAOLA1: Was wäre die richtige Herangehensweise?

Janko: Ein richtiger Mittelweg. Vielleicht ist es nicht so gut, wie es aussieht, aber auch nicht so schlecht, wie es davor ausgesehen hat. Ich denke, man muss ein bisschen realitätsnäher beurteilen.

LAOLA1: Koller versucht dies, indem er sagt: Er möchte das und das sehen, aber er geht nicht davon aus, dass alles auf Anhieb klappt. Gibt euch Spielern das die Sicherheit, nicht alles von Anfang an zerreißen zu müssen?

Janko: Natürlich macht er das irgendwo clever, weil er sich dadurch auch ein bisschen Zeit verschafft. Wobei es natürlich auch vollkommen offensichtlich ist, dass man nicht von heute auf morgen alles zum Positiven verändern kann. Das versteht auch jeder in Österreich, dass man nicht binnen einer Woche alles umkrempeln kann. Die erste Reaktion der Leute zeigt mir, dass sie das verstanden haben.

LAOLA1: Welche Hinweise hast du, dass die Spielanlage insofern zum Positiven verändert wird, dass du mehr Bälle kriegst?

Janko: Nach dem Spiel sind wir alle schlauer. Dann wird sich auch zeigen, ob ich zur Geltung komme oder nicht. Fakt ist, dass ich ein Spieler bin, der seine Stärken im Strafraum hat, der zwar nicht nur dort Akzente setzen kann, aber überwiegend dort. Das weiß mittlerweile auch jeder, ich habe das schon oft genug bewiesen. Wenn man diese Stärken nutzen möchte, muss man auch in den Strafraum kommen, und sich etwas einfallen lassen.

LAOLA1: Abseits dieser Zusammenkunft: Koller ist am besten Weg zu einem Vielflieger-Bonus. Wie wichtig ist eigentlich die Arbeit zwischen den Camps?

Janko: Ich denke, das ist etwas, was den Spielern ein gutes Gefühl gibt, ihnen irgendwo auch Vertrauen signalisiert. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Teamchef innerhalb kürzester Zeit so viele Reisen auf sich nimmt und jeden Legionär bei seinem Klub besucht. Das ist logistisch mit einem großen Aufwand verbunden. Deswegen weiß jeder Spieler zu schätzen, was da passiert. Das ist sehr professionell.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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