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"Es gibt auf der Welt auch andere Themen als Fußball"

In den 90er-Jahren machte sich Thomas Janeschitz als Stürmer einen Namen.

Schritt für Schritt arbeitete er sich nach oben, schnürte für Krems, den Wiener Sportklub, den FC Tirol und die Austria die Fußball-Schuhe. 1993 absolvierte er gegen Schweden sogar ein Länderspiel.

Auf den ersten Blick eine gewöhnliche Bundesliga-Karriere. Außergewöhnlich machte sie der Umstand, dass der Goalgetter parallel zu seinen fußballerischen Weihen auch akademische erlangte, und das Studium der Sportwissenschaften und Mathematik mit dem Magister-Titel abschloss.

Dass er schon während der aktiven Laufbahn über den Tellerrand des Fußballs hinausblickte, war für die Karriere nach der Karriere kein Nachteil.

Neben seiner Tätigkeit als Leiter der Trainerausbildung im ÖFB gehört der 45-Jährige nun dem Betreuerstab von Teamchef Marcel Koller an. Zusätzlich zur Arbeit am Platz wird er vor allem bei der Gegner- und Spieler-Beobachtung die Fäden in der Hand halten.

Im LAOLA1-Interview spricht Janeschitz über die neu strukturierte Betreuung des A-Teams und den Vorteil dessen, sich auch mit Themen abseits des Fußballs zu beschäftigen.

LAOLA1: Aufgrund der Arbeitsweise von Marcel Koller herrscht eine gewisse Aufbruchstimmung im Fußball-Land. Spüren Sie diese auch?

Thomas Janeschitz: Die ist absolut spürbar. Es ist vor allem Marcel Koller zuzurechnen, dass er von Anfang an diese Aufbruchstimmung verbreitet hat. Ich glaube, man hat es auch in den ersten Trainings gemerkt – auch für die Spieler bedeuten neue Trainer natürlich neue Motivation und auch die Erkenntnis, dass wirklich etwas im Entstehen ist, wo alle an einem Strang ziehen. Das ist für mich sehr gut und erfreulich.

LAOLA1: Es wird immer wieder betont, dass der Betreuerstab internationalem Level angepasst wurde. Erstens: War er das vorher nicht? Zweitens hat man das Gefühl, dass viele überrascht darauf reagieren. Man könnte ja auch sagen, dass dieser Zustand der Normalität entspricht…

Janeschitz: Es war sicher auch in den Zeiten davor professionell organisiert und von den Aufgaben gut verteilt. Man hat sich jedoch bei der Neubestellung sicher noch einmal Gedanken gemacht, was man verbessern kann. Es ist doch legitim, dass man auch gute Sachen immer weiter zu verbessern versucht. Ich denke, dass wieder ein kleiner Schritt getan wurde. Aber wie Sie richtig sagen: Die Größe des Betreuerteams ist eigentlich internationaler Standard. Wenn man zu internationalen Spitzenvereinen schaut, ist das dort auch so vertreten, und vielleicht sogar noch mehr.

LAOLA1: Was fehlt, ist ein Mentalbetreuer…

Janeschitz: Ein Sportpsychologe ist natürlich ein Thema. Jetzt ist noch keiner dabei, aber ich bin überzeugt, dass da noch nachjustiert wird.

LAOLA1: Provokant gefragt: Kann man sagen, dass der praktische Zugang vom theoretischen abgelöst wurde?

Janeschitz: Ich würde es nicht so trennen. Die Praxis ist natürlich etwas ganz Entscheidendes. Die Theorie und die Wissenschaft sind Zulieferer für den Praktiker, für den Teamchef. Darum geht’s.

LAOLA1: Sie haben parallel zu ihrer Spielerkarriere den Magister gemacht. Ist diese Leistung ein Zeichen für Ihre Herangehensweise, wie Sie ticken? Das tut sich nämlich nicht jeder an…

Janeschitz: Das ist richtig. Ich kann nur sagen, dass es bei mir auch möglich war. Als ich studiert habe, habe ich noch bei kleineren Vereinen – dem Wiener Sportklub und Krems – gespielt. Da war es wirklich gut vereinbar. Es war für mich auch nötig. Ich habe die Zeit genutzt, das zu machen und habe es auch ziemlich strikt durchgezogen. Darüber bin ich heute sehr froh, denn ich denke, dass auch das ein Mitgrund dafür ist, dass ich jetzt dort bin, wo ich stehe.

LAOLA1: Kann man dadurch den Spielern vermitteln, dass es wichtig ist, sich abseits des Fußballs auch mit anderen Dingen zu beschäftigen?

Janeschitz: Natürlich. Es gehört auch zur Persönlichkeitsbildung dazu, dass man nicht nur auf ein Thema fixiert ist. Fußball soll natürlich das Wichtigste sein, sie sollen sich mit Fußball beschäftigen, aber es gibt auf der Welt auch andere Themen, die durchaus interessant erscheinen, und mit denen man sich beschäftigen kann.

Das Gespräch führte Peter Altmann

LAOLA1: Sie sind für Spielbeobachtung und -analyse zuständig. Willi Ruttensteiner hat angekündigt, dass er diesbezüglich einiges ändern will. Was meint er konkret? Welche Anforderungen werden nun gestellt?

Janeschitz: Ich war ja schon in der letzten Qualifikationsphase in der Spielbeobachtung dabei. Ich denke, dass wir da auch schon vieles richtig und gut gemacht haben. Aber das ist genauso ein Prozess. Wir haben jetzt viele Erkenntnisse und setzen uns zusammen, was man vielleicht ein wenig verändern kann. Das wird auch in Richtung Spielbeobachtung passieren.

LAOLA1: Geht es mehr in Richtung Datenerfassung? Sprich, dass man Gegner über einen längeren Zeitraum beobachtet…

Janeschitz: Ja, und das dann auch in einer Datenbank zusammenfasst. Bisher waren es schriftliche Berichte. Es geht darum, einfach für die Zukunft die Möglichkeit zu schaffen, dass man diese Daten immer wieder abrufbereit parat hat, also auch die Entwicklung einer Mannschaft verfolgen kann.

LAOLA1: Dies gilt vermutlich nicht nur für die Spielbeobachtung, sondern auch für die Spielerbeobachtung, dass man die Entwicklung eines Spielers kontinuierlicher verfolgen kann, oder?

Janeschitz: Genau. Das ist ganz richtig erkannt. Es geht auch in der Spielerbeobachtung darum, dass man schriftliche Berichte verfasst, diese dokumentiert, zusammengefasst in eine Datenbank bringt und dadurch Entwicklungsverläufe leichter rekapitulieren kann.

LAOLA1: Sie haben als aktiver Spieler ein Länderspiel absolviert. Nun als Trainer Einfluss auf das A-Team zu haben, ist schon ein Meilenstein in ihrer Karriere, oder?

Janeschitz: Absolut. Mein Karriereverlauf war bisher immer so, dass ich schrittweise nach oben gekommen bin. Ich denke auch, dass, was ich bisher angegriffen habe, von Erfolg gekrönt war. Ich hoffe wirklich, dass das auch auf die A-Nationalmannschaft zutreffen wird, und wir die entsprechenden Erfolge einfahren können.

LAOLA1: Bleiben Sie Leiter der Trainerausbildung?

Janeschitz: Das bleibe ich. Die Kombination Leiter der Trainerausbildung plus Mitarbeit im A-Team ist eine sehr gute. Es ist eine Riesen-Aufwertung für die Trainerausbildung. Ich denke, dass das auch gut vereinbar ist. Die Trainerausbildung wird sicher nicht leiden.

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