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"Koller ist ein Trainer-Typ wie Tuchel"

Im Fußball gibt es viele ungeschriebene Regeln. Eine davon betrifft die stets positiven öffentlichen Äußerungen über einen neuen Trainer.

Oder hat schon jemand einmal einen Spieler über einen neuen Coach klagen gehört?

Der Fall von Neo-Teamchef Marcel Koller unterscheidet sich so gesehen nicht von den unzähligen Trainerbestellungen vor ihm im Fußball-Sport.

Aufschlussreicher sind so gesehen die ersten Eindrücke über die Arbeitsweise, welche beim Premieren-Training am Mittwoch beziehungsweise in der bisherigen Amtszeit des Schweizers zu beobachten waren.

„Koller gibt viele taktische Anweisungen“

Eine Auffälligkeit: Der 50-Jährige gehört nicht zur Zunft der stillen Übungsleiter, die das Trainings-Geschehen in Ruhe beobachten, sondern tendiert dazu, sehr aktiv einzugreifen. Dies ist auch den ÖFB-Kickern aufgefallen.

„Vor und auch während des Trainings gab es viele Infos, er spricht sehr viel, coacht sehr viel, versucht Tipps zu geben und uns in den verschiedensten Situationen Lösungsmöglichkeiten anzubieten. Er hat immer wieder unterbrochen und gesagt: ‚In dieser Situation kannst du so stehen, so spielen, das kannst du besser machen‘“, erklärt Andreas Ivanschitz.

Nun verfügt der frühere ÖFB-Kapitän bekanntlich über keinerlei Vergleichsmöglichkeiten zur Ära von Didi Constantini. Da jeder Coach über unterschiedliche Herangehensweisen verfügt, wäre ein Vergleich wohl auch nur bedingt fair.

Ein Trainer-Typ, dessen Bestellung in Fußball-Österreich teilweise für heftige Kritik gesorgt hatte. Nach den ersten Wochen im Amt ist jedoch mehr Aufbruchstimmung als Skepsis zu orten.

„Positiv, dass er jetzt akzeptiert wird“

Die kommunikative und rastlose Art und Weise des Schweizers kommt an. Ob die Erwartungshaltung beziehungsweise Euphorie dadurch nicht schon zu groß werde?

„Warum sollten wir da etwas bremsen? Ich finde es sehr positiv, dass er jetzt akzeptiert wird und man sagt: Das kann wirklich der Richtige sein! Da gab es ja viele Diskussionen.“

Gerade die transparente Art, zu zeigen, wie viel Aufwand hinter der Arbeit eines Teamchefs steckt, wenn man viel Energie in diese steckt, hinterlässt Eindruck. Das findet auch Ivanschitz:

„Wenn man sieht, wie viele Kilometer er abgespult hat, um Spieler im In- und Ausland zu besuchen, ist das in der Öffentlichkeit gut angekommen – auch bei uns Spielern, da es von Vorteil ist, sich unter vier Augen kennenzulernen. Das zeigt, dass er alles tut für den Erfolg und voll bei der Sache ist.“

Respekt wichtig

Auch abseits des Platzes hat Koller klare Regeln formuliert. Das wichtigste Schlagwort lautet diesbezüglich wohl „Respekt“.

„Ihm sind Disziplin und der Umgang miteinander in der Gruppe sehr wichtig, dass sich jeder Spieler respektiert. Genauso wichtig ist ihm der Respekt auf dem Platz. Dort will er aufmerksame Spieler haben“, so Ivanschitz, der die arbeitsaufwändige Art Kollers auf den Punkt bringt: „Er nützt die Tage sehr intensiv.“

Im Idealfall gibt es auch im ÖFB-Spiel in Zukunft kaum Leerlauf…

Peter Altmann

Ivanschitz fiel jedenfalls auf: „Koller gibt viele taktische Anweisungen. Er hat uns gleich in der ersten Trainingseinheit gezeigt, was er auf dem Platz von uns erwartet.“

Koller ein Trainer-Typ wie Tuchel

Konkret nannte der 28-Jährige eine Passübung, bei der gezielt in die Tiefe gespielt werden sollte: „Das schnelle Umschalten ist ihm sicherlich wichtig. In gewissen Phasen muss man im Ballbesitz ruhig sein, aber dann gilt es, diese Laufwege aus dem Mittelfeld in die Spitze rein zu gehen, torgefährlich zu werden. Diese Übung, wo wir in die Tiefe in die Schnittstelle spielen und zum Torabschluss kommen sollen, war sehr gut.“

Für den Mainz-Legionär ist die kommunikative Art Kollers keine allzu große Umstellung im Vergleich zum Klub. Im Gegenteil, Ivanschitz sieht sogar viele Parallelen zu Thomas Tuchel:

„Ich kenne es seit zweieinhalb Jahren aus dem Verein so, dass ständig gecoacht wird – in jeder Phase des Trainings, in jeder Phase des Spiels -, ständig versucht wird, Gas zu geben und das Niveau hoch zu halten. Deswegen finde ich es gut, dass Marcel Koller auch so ein Trainer-Typ ist.“

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