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Enger ÖFB-Terminplan bringt Veränderungen mit sich

Ausgepowert und mit starrem Blick betraten Christian Fuchs und Martin Harnik das Pressezentrum, um sich der wartenden Meute zu stellen.

Die Intensität der vergangenen zwei Tage hat ihre Spuren hinterlassen, auch wenn viele Spieler betonten, dass bei ihren Klubs ähnlich gearbeitet wird.

Eine Neuerung brachte bei einigen Teamspielern jedoch den Tagesrhythmus durcheinander. Das Frühstück wurde gemeinsam eingenommen, und das schon um 8.15 Uhr.

„Ich lerne jetzt den Tag um einiges früher kennen, als ich es gewohnt bin“, scherzte Stuttgart-Legionär Harnik und auch sein Deutschland-Kolllege wischte sich den Schlaf aus den Augen.

Ein Termin reiht sich an den anderen

„Der Tag fängt jetzt bereits um 7:45 Uhr an“, muss sich auch Fuchs erst an die neuen Rahmenbedingungen unter Neo-Teamchef Marcel Koller gewöhnen, obwohl er diesen noch aus seiner Zeit beim VfL Bochum kennt.

Der Tagesablauf lässt den Akteuren kaum Zeit zum Verschnaufen, ein Termin reiht sich an den anderen.

Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen, davor und danach werden zwei Trainingseinheiten abgehalten und zwischendurch werden noch Meetings eingestreut, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu steigern und sich besser kennenzulernen.

„Unser Programm ist wirklich sehr dicht. Es wird an allen Ecken – angefangen bei den Ärzten bis hin zum Teamchef – professionell gearbeitet“, ist Fuchs beeindruckt.

Harnik sehnt sich nach Schönheitsschlaf

Für ein Mittagsschläfchen bleibt da keine Zeit. „Ich habe bis jetzt kein Auge zugedrückt. Vielleicht finde ich später wenigstens ein bisschen Zeit.“

Auch Stürmer Harnik sehnt sich nach der Vormittagseinheit nach dem Matratzenhorchen: „Ich wäre auch lieber im Bett und würde meinen Schönheitsschlaf halten.“

Die Aufbruchstimmung innerhalb des Kaders macht die Strapazen jedoch erträglich, auch wenn man von früher andere Umgangsformen gewöhnt war.

In der Vergangenheit wollen die zwei Deutschland-Legionäre aber nicht mehr länger wühlen, geschweige denn Vergleiche anstellen. „Ich will sicherlich keine dreckige Wäsche waschen, deshalb braucht ihr mich gar nicht dazu fragen“, warnte Harnik.

Fuchs: „Ich sehe keine Euphorie“

Über die Gegenwart spricht der 24-Jährige aber gerne. Vor allem über die ersten Eindrücke und das Engagement des neuen Schweizer Chefbetreuers.

„Ein frischer Wind ist immer positiv, das war noch bei jedem Trainer so. Er versucht, dem ÖFB-Team seinen Stempel aufzudrücken. Es ist sehr intensiv, aber die meisten kennen das bereits von ihren Vereinen.“

Auch die Öffentlichkeit ist in den vergangenen Tagen und Wochen auf den Geschmack gekommen und traut dem ÖFB-Nationalteam einiges zu. In diesem Zusammenhang kann man beinahe von einer Euphorie sprechen.

Doch Ersatz-Kapitän Fuchs bremst: „Also ich sehe keine Euphorie. Wir haben noch nicht einmal ein Spiel gespielt und sind erst zwei Tage zusammen.“

Koller ganz der Alte

Dass positive Stimmung zum Start in eine neue Ära jedoch förderlich sein kann, unterstreicht der Schalke-Verteidiger.

„Das ist wichtig. Wenn alles gleich wieder schlecht gesehen wird, sitzen wir in einem halben Jahr wieder mit einem neuen Teamchef da. Wir müssen einen Mittelweg finden.“

Für Fuchs, dessen Weg schon einmal jenen Kollers gekreuzt hat, gibt sich der neue Mann genauso, wie er ihn 2008 in Bochum kennengelernt hat.

„Er hat sich überhaupt nicht verändert. Er greift ins Training ein, dirigiert viel, er hat schon vieles zum Positiven verändert und bringt andere Ideen mit.“

„Kasernierung“ zum Kennenlernen

Besonderes Augenmerk legt der Schweizer Übungsleiter auf das Miteinander. Während er Fuchs bisher am besten kennt und dieser dadurch auch einer seiner verlängerten Arme auf dem Platz ist, bemüht er sich tagtäglich die Spieler besser kennenzulernen.

„Es hat bereits drei Treffen gegeben, in denen wir uns besser kennenlernen sollen. Er legt darauf sehr viel Wert“, hat auch Harnik den Eindruck.

Aufgrund der „Kasernierung“ im Teamcamp stehen die Spieler nur vor einem Problem: Ein Geburtstagsgeschenk zu Kollers 51. Geburtstag am Freitag wird sich nicht so leicht auftreiben lassen.

Vielleicht ist der Schweizer aber an diesem Tag besonders gnädig und gönnt seinen Spielern mehr Schlaf. Wenn nicht, heißt es auch weiterhin: „Schlaflos im Teamcamp.“


Alexander Karper

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