Arnautovic: "Koller ist ein sehr guter Trainer für mich"

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Was wurde nicht schon alles über Marko Arnautovic geschrieben? Wahres und Unwahres. Spaßiges und eigentlich gar nicht Lustiges. Eskapaden standen ebenso im Blickpunkt wie seine Geniestreiche im Rampenlicht.

Sei es bei seinem jeweiligen Arbeitgeber oder im Nationalteam: Ein verlässlicher Garant für Schlagzeilen war der 22-Jährige stets. Bekanntlich nicht immer zu seinem Vorteil.

Zumindest während Länderspiel-Terminen hat sich der Bremen-Legionär in den letzten Monaten nach seiner zwischenzeitlichen Nichtberücksichtigung durch Ex-Teamchef Didi Constantini rar gemacht.

„Ich habe mir vorgenommen, weniger mit euch zu reden“, begründete Arnautovic nun bei einem seiner seltenen Medientermine in Richtung Journalisten.

„Schönes Gefühl, wenn weniger über mich zu lesen ist“

Der Overkill an Arnautovic-Headlines zeigte seine Wirkung: „Es ist ein schönes Gefühl, wenn weniger über mich zu lesen ist, und das ist natürlich auch besser. Denn es tut weh, wenn schlechte Sachen über mich in der Zeitung stehen. Auf der anderen Seite tut es mir natürlich gut, wenn gute Sachen über mich zu lesen sind. Trotzdem gebe ich jetzt weniger Interviews.“

Vermutlich keine unkluge Entscheidung. Obwohl es mit der Offensivkraft genügend zu besprechen gäbe. Zum Beispiel das spürbare Bemühen von Neo-Teamchef Marcel Koller um seine Person. Beim ersten Kennenlernen in Bremen wurde der Schweizer bekanntlich mit einer acht Minuten langen DVD vorstellig.

„Er hat mir eine DVD mit ein paar guten Aktionen von mir gezeigt und gesagt, dass er mich so spielen sehen will“, erinnert sich der Wiener, der Vertrauen und Toleranz eines Coaches möglicherweise noch eine Spur mehr als andere Kicker benötigt. Denn auf Ablehnung stieß er in seiner noch jungen Karriere ohnehin schon genügend:

„Koller ist ein Trainer, der weiß, wann man Spaß machen kann und wann man keinen Spaß machen kann, wann höchste Konzentration gefordert ist. Ich denke, er ist ein sehr guter Trainer für mich. Denn es gibt ein paar Trainer, die zu mir gesagt haben, sie können nicht mit mir. Dieser Trainer gibt mir jedoch viel Selbstvertrauen, dass er sehr gut mit mir arbeiten kann. Das macht mich natürlich stolz.“

Koller: „Marko hat einen richtigen Body“

Der Schweizer sei für ihn eine Respektsperson: „Ich denke, der Trainer passt einfach zu uns. Der ÖFB hat eine sehr gute Arbeit geleistet, dass er geholt wurde.“

Wie immer im Leben wird auch die Kooperation von Koller und Arnautovic von einem Geben und Nehmen geprägt sein. Denn das Vertrauen, das der seit Freitag 51-jährige Eidgenosse in den Deutschland-Legionär investiert, möchte er natürlich zurückbezahlt bekommen. Und zwar in der wichtigsten Währung im Fußball: Leistung.

„Marko ist einer, der Tore schießen kann, der einen richtigen Body hat – das ist wichtig, weil die Verteidiger normalerweise richtige Kanten sind. Für mich ist wichtig, dass er seine Fähigkeiten im Zentrum im und um den Sechzehner einsetzt. Wenn er das zu 100 Prozent macht, ist er ein sehr wertvoller Spieler.“

Die Zeiten, in denen Arnautovic im ÖFB-Dress am Flügel agierte, scheinen also der Vergangenheit anzugehören. Wie zuletzt unter Interims-Teamchef Willi Ruttensteiner in Aserbaidschan und Kasachstan dürfte er in der Ukraine gemeinsam mit Marc Janko an vorderster Front agieren.

„Wenn einer aus dem Kreis tanzt, kann das nicht klappen“

Während offensive Genieblitze natürlich mehr als erwünscht sind, ist grenzenlose Freiheit tabu. Die Frage, wie gekonnt der frühere Inter- und Twente-Enschede-Spieler den Rückwärtsgang einlegt, ist eine immer wieder gestellte. Der 22-Jährige selbst will sich mannschaftsdienlich präsentieren:

„Natürlich muss ich defensiv arbeiten. Ich will und muss meiner Mannschaft helfen. Das ist ganz normal, denn die Mannschaft braucht mich nicht nur in der Offensive, sondern auch in der Defensive. Wir sind ein Team, und wenn einer aus diesem Kreis raustanzt, kann das nicht klappen.“

Gewöhnungsbedürftig ist lediglich der neue Tagesablauf, der vorsieht, dass die Spieler um 8 Uhr aufstehen und um 8:30 Uhr gemeinsam frühstücken müssen. „Ich stehe schwer auf. Ich bringe meine Augen fast gar nicht auf, aber nach dem Frühstück geht es“, outet sich Arnautovic, nicht unbedingt ein Frühaufsteher zu sein, versteht aber die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme:

„Der Trainer hat Recht, wenn er uns eineinhalb Stunden vor dem Training frühstücken lässt, denn mit leerem Magen kannst du nicht ins Training starten, und mit vollem auch nicht, wenn du erst um 9:30 Uhr isst. So hast du genügend Zeit, um dich hundertprozentig auf die Einheit vorzubereiten.“

„Wir sind verantwortlich für dieses Land“

Wie viele Inputs auch immer von Koller kommen, der Werderaner vertritt die Meinung, dass letztlich immer noch die Spieler für das Geschehen auf dem Feld verantwortlich sind und hält es für einen Vorteil, dass die Mannschaft bereits gut eingespielt sei.

„Der Trainer stellt auf und macht die Taktik, aber wir stehen am Platz, da kann der Trainer nicht eingreifen. Wir müssen es am Platz richten. Wir sind verantwortlich für dieses Land“, nimmt er beinahe staatstragend die ÖFB-Elf und damit auch sich selbst in die Pflicht.

Klappt es am Platz nach Wunsch, darf sich Arnautovic wohl über vorwiegend positive Schlagzeilen freuen. Wie die Spieler genießen auch die Medien unter Koller eine Spur weniger Freiräume. Kein Nachteil für den ÖFB-Star bezüglich seines Vorhabens, den Mikrofonen gezielter aus dem Weg zu gehen, auch wenn er versöhnlich grinsend feststellt:

„Ich habe schon gehört, dass ihr nicht mehr so viel mit der Kamera dabei sein dürft. Dennoch: Ihr seid zwar Journalisten, aber ihr gehört auch zu uns.“

Peter Altmann

Einsichtige Worte. Überhaupt präsentiert sich Arnautovic reifer. Ob sich bei ihm ein Schalter umgelegt habe?

„Ich fühle mich erwachsener. Ich weiß nicht wieso, es hat vielleicht klick gemacht. Es läuft alles besser. Wie gesagt: Ich muss einfach wissen, wann man Spaß machen kann, und wann man höchste Konzentration an den Tag legen muss. Das weiß ich, das mache ich jetzt bei Werder und will ich auch hier einbringen.“

Kein Frühaufsteher

Hält der Charismatiker dieses Versprechen, tat Koller sehr gut daran, sich von Anfang an derart um ihn zu bemühen. In einem Klima, in dem man sich wohl fühlt, lässt sich auch das fordernde Trainingspensum leichter ertragen. Auch wenn Arnautovic selbst dies gar nicht so strapaziös empfindet.

„Von mir aus könnten wir sechs Mal am Tag trainieren“, scherzt der 14-fache Internationale und meint: „Ich finde es nicht zu intensiv. Er schaut auch, dass es nicht zu intensiv wird und stoppt mehrere Male, um uns die Taktik zu erklären, deswegen wirkt es nicht so intensiv.“

Augenzwinkernder Nachsatz: „Wobei das Drei gegen Drei am Donnerstag schon intensiv war. Wenn du das fünf Minuten durchgehend machst, kann es schon sein, dass du eine Sauerstoffmaske brauchst.“

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