"Wir stehen uns immer selbst im Weg"

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Didi Constantinis jüngste Erkenntnis: „Auch Belgien und die Türkei schwächeln.“ Soll heißen: In dieser EM-Qualifikation wäre wesentlich mehr drinnen gewesen.

Nun lebt die theoretische Chance auf eine EURO-Teilnahme bekanntlich trotz nur sieben Punkten aus sieben Qualifikations-Matches immer noch.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, das von Polen und der Ukraine veranstaltete Turnier vor dem Fernseher mitverfolgen zu müssen, ungleich höher ist. Als erster Schritt zum ganz großen Turnaround müsste am Dienstagabend im Idealfall ein Sieg mit drei Toren Differenz gegen die Türkei her.

Wie auch immer: Die Gewissheit, dass ob diverser Ausrutscher der direkten Konkurrenz in dieser Gruppe mehr drinnen gewesen wäre, schmerzt.

„Ich bin absolut überzeugt vom Spielermaterial“

„Ich bin mir sicher, dass mehr drinnen gewesen wäre! Es ist auch in Zukunft viel mehr drinnen“, betont Christian Fuchs, der zugibt, dass es deswegen in ihm brodeln würde.

„Es ist halt sehr schade, dass wir uns immer wieder selbst im Weg stehen, dass wir uns durch gewisse Aktionen oder Undiszipliniertheiten die Butter vom Brot nehmen lassen“, moniert der Schalke-Legionär, der wohl auch gegen die Türkei die Kapitänsschleife tragen wird, da Marc Jankos Einsatz nicht nur wegen eben erst überstandener Adduktorenverletzung fraglich ist.

Der rot-weiß-rote Kollaps im Länderspiel-Jahr 2011 schmerzt den 25-Jährigen umso mehr, da es seiner Meinung nach nicht mehr an der Qualität des Kaders scheitern dürfe:

„Ich bin absolut überzeugt vom Spielermaterial. Aber es ist eben so, dass wir es nicht auf den Platz bringen. Wenn wir es auf den Platz bringen, dann bin ich überzeugt, dass du mit dieser Mannschaft eine Qualifikation schaffst.“

Im Verein hui, im Nationalteam pfui?

Fuchs selbst lieferte beim 2:6-Debakel in Gelsenkirchen eine schwache Leistung ab, was nicht zum ersten Mal die Frage aufbrachte, warum manche Akteure im Verein konstant ihren Mann stehen, dies unter Anleitung von Didi Constantini jedoch nicht gelingt.

Der Lösungsansatz des ÖFB-Teamchefs ist ein überschaubar zufriedenstellender. Seiner Meinung nach seien diesbezüglich größere Nationen im Vorteil, weil diese alle zwei Jahre vor Turnieren längere Zeit die Gelegenheit hätten, sich einzuspielen:

Es liegt auf der Hand, dass die wichtigsten Erkenntnisse aus dem taktischen Fehlerverhalten in Gelsenkirchen schon gegen die Türkei besser gemacht werden sollen.

Fuchs: „Wir müssen viel disziplinierter unsere Räume halten, ganz einfach kompakter stehen und uns gegenseitig unterstützen. In Deutschland sind wir im Prinzip herumgerannt wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Weil wir unsere Positionen nicht gut genug gehalten haben, haben wir auch keine Unterstützung in den Zweikämpfen gehabt.“

„Kann versprechen, dass wir laufen ohne Ende“

Was den Linksverteidiger ärgert, ist der mancherorts geäußerte Vorwurf, dass sich die ÖFB-Elf zu wenig reinhauen würde. Schon am Freitag seien die rot-weiß-roten Kicker um fünf Kilometer mehr gelaufen als ihre deutschen Kontrahenten.

„Also am Einsatz scheitert es nicht. Ich kann versprechen, dass wir auch gegen die Türkei ohne Ende laufen werden.“

Kopflos nach vorne rennen werde Österreich jedoch nicht. Auch wenn im Prinzip aufgrund der 0:2-Niederlage in Istanbul ein Sieg mit drei Toren Unterschied her muss, um das direkte Duell gegen die Türkei für sich zu entscheiden, sieht Fuchs keinen Anlass für ein Offensiv-Feuerwerk von der 1. Minute weg:

„Wir dürfen auf keinen Fall Hauruck nach vorne spielen, das wäre fatal. Die Türken sind eine technisch sehr starke Mannschaft. Ich glaube, es ist wichtig, dass man zuerst einmal hinten gut steht und sich dann nach vorne traut und wenn möglich auch die Tore macht.“

Peter Altmann

„Das ist eine Basis, wo etwas weitergeht. Außerdem ist es so, dass die Spieler in Deutschland jeden Tag beim Verein sind, und dass man sich da besser kennt als beim Nationalteam, ist ja keine Überraschung.“

Von dieser Theorie ausgehend, müssten sich wohl immer die gleichen Nationen für Turniere qualifizieren und könnten gute Spieler kleinerer Nationen in ihrem jeweiligen A-Team kaum ihre Leistung abrufen.

„Ruttensteiner bringt vielleicht frischen Wind rein“

Fuchs wiederum setzt lieber darauf, aus den Fehlern der noch laufenden Qualifikations-Kampagne die richtigen Schlüsse zu ziehen: „Wir müssen möglichst schnell daraus lernen und überhaupt schauen, dass wir in Zukunft eine gewisse Kontinuität reinbringen und nicht immer gleich einen Schnitt machen, wenn irgendetwas einmal nicht so läuft.“

Sollte es gegen die Türkei schief gehen, dürfte zumindest auf einer personellen Ebene dennoch ein Schnitt gemacht werden. Dass Constantini dann seines Amtes enthoben wird, erscheint nach aktuellem Stand der Dinge wahrscheinlich.

Fuchs betont, dass sich das Klima zwischen Mannschaft und Coach „überhaupt nicht“ verschlechtert habe, streicht jedoch gleichzeitig lobend hervor, dass gegen die Türkei Sportdirektor Willi Ruttensteiner (er ersetzt den erkrankten Manfred Zsak) dem Betreuerstab angehört:

„Man kann nach wie vor gut mit dem Teamchef kommunizieren, er erreicht uns nach wie vor. Und ich finde es auch gut, dass jetzt Willi Ruttensteiner da ist, weil das vielleicht frischen Wind reinbringt.“

„Herumgerannt wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen“

Der als Taktik-Guru bekannte Ruttensteiner, der am Freitag Gegner Türkei beim 2:1-Zittersieg gegen Kasachstan beobachtete, analysierte auch mithilfe des System „Amisco Pro“ das Deutschland-Spiel.

Zudem fielen mannschaftsintern klare Worte, wie Fuchs positiv hervorhebt: „Wir haben eine sehr gute Analyse gehabt, wo wir uns wirklich sehr gut ausgesprochen haben. Ich finde es gut, dass sich einige zu Wort gemeldet haben. Aus unserer Situation kannst du dich nur gemeinsam als Team rausziehen.“

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