Junuzovic: "Ganz ehrlich: Schweden spielt mit Angst!"

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Die ÖFB-Nationalmannschaft hat wieder einmal ein Zeichen gesetzt.

Bereits unter der Woche ließ man mit der Aktion „Respect Refugees“ in der Flüchtlingsproblematik aufhorchen, am Samstag machte man dann mit dem 1:0-Heimsieg gegen Moldawien sportlich einen weiteren wichtigen Schritt - in Richtung EURO 2016.

Mit Zlatko Junuzovic wurde ausgerechnet jener Akteur mit seinem Goldtor zum Matchwinner, dessen Familie das Leid eines Flüchtlings am eigenen Leib erleben musste, und meinte danach: „Das passt zusammen.“

Zufall oder nicht – der Bremen-Legionär wollte ohnehin nicht mehr intensiv auf das Geduldsspiel gegen den moldawischen Abwehrblock eingehen.

Pure Erleichterung statt Freudenschrei

„Jetzt ist ein bisschen Erleichterung zu spüren, auch in der Kabine. Es ist kein Freudenschrei, sondern einfach pure Erleichterung“, meinte der Mittelfeld-Stratege danach.

Sein Tor in Abstauber-Manier passte laut eigenen Aussagen zum mühevollen Spiel, in dem der gegnerische Keeper schon ab der ersten Sekunde mit Zeitschinden die Nerven der ÖFB-Spieler strapazierte.

Dann hätte man endlich nicht mehr um den heißen Brei herumreden müssen. So fehlt genau noch ein Punkt aus den verbleibenden drei Spielen um das EM-Ticket zu lösen.

Geht es nach Junuzovic, soll aber bereits am Dienstag in Stockholm alles klar gemacht werden. Die Stimmung vor dem vermeintlichen Endspiel gegen die Schweden anzuheizen, reizte ihn ohnehin mehr, als über den mühsamen, aber wichtigen Sieg gegen Moldawien zu sprechen.

Junuzovic heizt Stimmung vor Schweden-Spiel an

Die Ausgangsposition spricht ganz klar für Österreich. Als Tabellenführer hat man mit 19 Punkten alles selbst in der Hand, während Schweden (12) und Russland (11) hinterhinken und ums Überleben im Aufstiegskampf kämpfen.

„Wir wissen jetzt schon, dass wir noch näher an unser Ziel herangerückt sind und wirklich nicht mehr viel fehlt. Natürlich fliegen wir jetzt hin, um den nötigen Punkt zu holen, in Wirklichkeit wollen wir aber drei Punkte“, gab der Deutschland-Legionär die Marschroute vor.

Ein früherer Treffer blieb den Hausherren vor ausverkauftem Haus verwehrt, somit wurde es das erwartete Geduldsspiel. Auch, weil Junuzovic seine Chancen vorerst nicht nutzte, wie er schmunzelnd zugab:

„Ich hätte ja in der ersten Halbzeit schon mit meiner altbekannten Kopfballstärke zwei Tore machen können. Aber sicher freue ich mich, dass dann das Entscheidende geklappt hat.“

Komisches Gefühl auf dem Weg zum Ziel

Es hätte in Wien eine rauschende Party werden sollen. Das ÖFB-Team erledigte seine Aufgabe mit Bravour, nur die Schweden wollten mit ihrer 0:1-Niederlage in Russland nicht mitspielen.

„Es fühlt sich ein bisschen komisch an. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir gehofft haben, dass die andere Partie anders ausgeht.“

Den enttäuschenden Auftritt der Skandinavier beim schärfsten Konkurrenten Russland verfolgte er zusammen mit seinen Kollegen noch vor dem Aufwärmen im Happel-Stadion.

Daraus zog man im rot-weiß-roten Lager seine Schlüsse. Schlüsse, die Österreich bei der Revanche in Solna in die Karten spielen sollen.

„Da sind sie selber schuld“

Junuzovic geht bei der Einschätzung des Gegners sogar weiter:

„Ganz ehrlich: Die spielen mit Angst! Das müssen wir ausnützen. Wir haben die besseren Möglichkeiten, außerdem wird uns das Spiel mehr entgegenkommen. Das wird ein Fußballspiel und kein Zerstören werden.“

So ganz konnte er den lustlosen, destruktiven Auftritt des kommenden ÖFB-Gegners nicht nachvollziehen. „Zladdi“ verglich die passive Art und Weise sogar ansatzweise mit jener Moldawiens.

Österreich Moldawien
Ballbesitz 67,7% 32,3%
Zweikämpfe 51,5% 48,5%
Torschüsse 22 2
Torschüsse außerhalb Strafraum 11 1
Torschüsse innerhalb Strafraum 11 1
Kopfballchancen 4 0
Flanken 27 6
Fouls 12 12

 

Nach dem 1:0 gegen Moldawien ist auch uns ein bisserl Stimmung im Bus erlaubt...

Posted by Das Nationalteam on Samstag, 5. September 2015

Da macht es für Junuzovic auch keinen großen Unterschied, ob der angeschlagene Ibrahimovic rechtzeitig fit wird oder passen muss.

„Keine Ahnung, was er hat. Ob er spielt, ist aber eigentlich auch egal. Ich habe vollstes Vertrauen in meine Hinterleute, dass sie ihn ausschalten können.“

Folgt in Schweden die süße Rache?

Und trotzdem wird die hoffentlich erfolgreiche Auswärtsreise nach Schweden eine ganz besondere. Denn ausgerechnet an jenem Ort, wo in der WM-Qualifikation im Oktober 2013 der Traum von Brasilien platzte, soll diesmal Schweden im Tal der Tränen versinken.

„Vor zwei Jahren hatten wir so eine ähnliche Situation, aber jetzt stehen wir an der Tabellenspitze. Ich glaube schon, dass sie Respekt vor uns haben. Wir wollen unsere Stärken auf dem Platz zeigen, sie ärgern, sie fordern. Dass wir die Qualität dazu haben, wissen wir. Wir werden unseren Teil dazu beitragen, dass wir die Punkte holen.“

Sollte dies gelingen, steht einer ausgelassenen Party auf dem Rückflug und bei der Ankunft in Wien nichts mehr im Wege.

Doch noch fehlen 90 Minuten zum Glück. Da Junuzovic das Warten auf die endgültige Fixierung des EM-Starts satt hat, wird er diesen Moment dann in vollen Zügen genießen.


Alexander Karper

„Das verstehe ich nicht. Die Schweden hätten heute schon bissig sein können. Wenn du die Chance hast, im direkten Duell gegen Russland Punkte zu machen und den Vorsprung auf den dritten Platz auszubauen, darfst du nicht so ängstlich spielen. Da sind sie selber schuld, aber das kann uns nur zu Gute kommen.“

„Egal, ob Ibrahimovic spielt“

Durch das verhaute Ergebnis steigt der Druck bei Zlatan Ibrahimovic und Co. Statt der Vorentscheidung geht es in den kommenden drei Spielen um alles oder nichts.

An der Zielsetzung Österreichs beim Gastspiel im hohen Norden soll der „angeschlagene Boxer“ allerdings nichts ändern.

„Schweden muss unbedingt siegen. Wir kommen mit Selbstvertrauen, das Spiel kommt uns in dieser Phase entgegen. Die Schweden sind unter Druck. Wir fliegen schon als sehr stabiler Gruppenerster hin. Eine sehr gute Ausgangsposition für uns.“

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