Der erste Matchball

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Reifeprüfung? "Man kann nur einmal maturieren"

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„Es kribbelt schon gehörig!“

Marc Janko bringt auf den Punkt, was vermutlich ein ganzes Fußball-Land vor dem Duell mit Schweden fühlt.

Heute, ab 20:45 Uhr im LAOLA1-Ticker mit Live-Spieler-Statistiken, kann sich Österreich mit einem Punktgewinn in Schweden erstmals aus eigener Kraft für eine Fußball-Europameisterschaft qualifizieren.

Ibrahimovic spielt

Die Schweden haben ihre Startelf bereits bekanntgegeben. Der bis zuletzt wegen einer Rippenverletzung fragliche Zlatan Ibrahimovic steht in der Startelf.

Die gesamte Elf der Schweden: Isaksson - Larsson, Antonsson, Granqvist, Olsson - Zengin, Källström, Ekdal, Forsberg - Berg, Ibrahimovic.

Der ÖFB wird wie gewohnt rund eine Stunde vor Spielbeginn seine Mannschaftsaufstellung verkünden.

Der erste Matchball für ein Stück rot-weiß-roter Fußball-Geschichte. LAOLA1 mit den wichtigsten Brennpunkten vor dieser womöglich denkwürdigen Partie:

(K)EINE REIFEPRÜFUNG:

Der Kreis würde sich bekanntlich schließen. Vor zwei Jahren platzte in der Friends Arena in Solna der WM-Traum des ÖFB-Teams. Nun kann ausgerechnet in diesem Schmuckkästchen das Ticket für die EM 2016 gelöst werden. Die Ausgangsposition ist zwar eine komplett andere, dennoch kann einem der Gedanken kommen, diesen letzten Schritt als eine Reifeprüfung zu titulieren. Janko kann mit dieser Bezeichnung jedoch nichts anfangen. „Meines Erachtens kann man nur einmal maturieren“, betont der Goalgetter, „es ist schon so oft von einer Reifeprüfung dieser Mannschaft gesprochen worden. Die haben wir hinter uns. In dieser Quali wurden so viele Partien als Entscheidungsspiel oder richtungsweisendes Spiel bezeichnet, und wir haben in fast jedem Spiel bestanden.“ Wo sich das ÖFB-Team laut Meinung des 32-Jährigen dabei besonders Bestnoten verdient hätte?

  • Konsequenz gegen Außenseiter: „Wenn man Moldawien als Beispiel hernimmt, spielen wir solche Spiele nach Hause. Wir haben nicht die Konzentration und Geduld verloren, sind nicht hektisch geworden. Früher war es so, dass, je näher es zum Spielende hingegangen ist, nur mehr lange Bälle geschlagen worden sind und auf gut Glück gehofft wurde. Mittlerweile ziehen wir ‚unseren Stiefel‘ durch, glauben an unsere Stärken. Das ist auf jeden Fall ein großer Punkt.“
  • Die Bilanz in der Fremde: „Die viel zitierte Auswärtsschwäche ist ein weiterer Punkt. Irgendwo hat das Pendel jetzt in die andere Richtung ausgeschlagen. Wir haben auswärts ganz, ganz wichtige Zähler geholt, was noch vor ein paar Jahren nicht so der Fall war.
  • Die spielerische Komponente: „Natürlich ist auch der Ballbesitz ein Punkt. Wir sind mittlerweile in der Lage, über längere Zeit Ballbesitz zu haben, den Ball gut laufen zu lassen – gegen vermeintlich schwäche Gegner, aber auch gegen mindestens gleichwertige Gegner können wir das Spiel dominieren und auch einmal das Zepter in die Hand nehmen.“

In diesen Bereichen sind in den vergangenen Jahren definitiv große Schritte vorwärts gelungen. Ein weiterer Erfolgsgarant war tendenziell auch der folgende Punkt.

AUF REMIS SPIELEN?

Es ist oft eine gefährliche Ausgangslage, wenn nur noch ein Punkt von Nöten ist, um ein großes Ziel zu erreichen. Im ÖFB-Lager verspricht man hoch und heilig, dass man nicht in diese Falle tappen und das gewohnte Spiel durchziehen möchte. „Auf einen Punkt haben wir eigentlich noch nie spielen können, das war in der Vergangenheit auch immer so“, betont Fuchs, „wir probieren ganz einfach auf Sieg zu spielen, wollen unsere Stärken einbringen, ein gutes Spiel machen. Ich denke, dass wir durchaus die Qualitäten dafür haben.“

Auch Prödl betrachtet es als „schwierig“, von vornherein nur einen Punkt anzustreben. Außerdem habe man genügend Selbstvertrauen, sei jedoch mit der Drucksituation des Gegners konfrontiert: „Die Schweden stehen mit dem Rücken zur Wand, wittern ihre letzte Chance und wissen, dass sie uns hier vor zwei Jahren geschlagen haben.“

Für Janko sind gerade die Skandinavier ein warnendes Beispiel für diese Thematik: „Das hat man bei den Schweden in Russland gesehen. Ich denke, sie haben auf einen Punkt gespielt, so wie sie in den ersten 60, 70 Minuten agiert haben. Dieser Schuss ist nach hinten losgegangen. Also gehen wir natürlich in dieses Spiel, um zu gewinnen.“

DIE DEFENSIVSTÄRKE:

Der Rekord von Robert Almer war in den vergangenen Tagen in aller Munde. Auch bis nach Stockholm hat sich herumgesprochen, dass der ÖFB-Keeper inzwischen seit 513 Pflichtspiel-Minuten ohne Gegentor ist. Schweden wird für diese Bestmarke tendenziell eine größere Gefahr als am Samstag Moldawien. Ob denn Almer im Training die österreichischen Spieler zur Verzweiflung bringe, wollte eine schwedische Journalistin bei der Abschluss-PK von Christian Fuchs wissen – vermutlich nicht ahnend, dass sie es mit Almers Trauzeugen zu tun hat. „Im Training hält er ja gar nichts“, konnte er sich einen Scherz auf Kosten des Torhüters nicht verkneifen.

Almer hatte schon vor dem Russland-Match vorgerechnet, dass man mit einem Gegentor-Schnitt von unter eins im Normalfall zur EM kommen müsste. Mit lediglich zwei Verlusttreffern nach sieben Begegnungen ist man diesbezüglich bekanntlich bestens auf Kurs. Im ÖFB-Team wird man jedoch nicht müde, diese Bilanz nicht alleine dem Schlussmann oder der Abwehr zuzuschreiben. „Die vielen Zu-null-Partien sprechen für die Abwehr, das fängt aber schon vorne bei Marc Janko an, der sehr viel nach hinten arbeitet, immer wieder Bälle vom Gegner stiehlt. Wir sind in der Defensive eine sehr kompakte Mannschaft, in der jeder weiß, was er zu machen hat“, verdeutlicht Fuchs. Als Sinnbild für die Steigerung in der Rückwärtsbewegung wird immer wieder Marko Arnautovic genannt, der wesentlich mehr in die Defensivarbeit investiert als zu seinen Anfangszeiten im Nationalteam. Hört man dem 26-Jährigen diesbezüglich zu, klingt es, als sei es für ihn mittlerweile das Normalste der Welt: „Das gehört zu unserer Spielweise dazu. Als Außenbahnspieler musst du gucken, dass du dem Außenverteidiger hilfst. Zwischen ‚Fuchsl‘ und mir klappt das ganz gut in der Abstimmung. Es gehört zum Fußball dazu, dass man nicht nur offensiv schaut, sondern auch defensiv.“

Der Hinweis auf die aktuelle Defensivstärke kommt nicht von ungefähr. Zwar gab es auch unter Koller Phasen mit Konzentrationsmängeln, aber nichts gegen einen Blick in die nicht allzu weit entfernte Vergangenheit. Von Anfang 2008 bis September 2010 kassierte Österreich Teamchef-übergreifend von Josef Hickersberger über Karel Brückner zu Didi Constantini in 25 Länderspielen in Folge zumindest ein Gegentor. Dass dann das Siegen schwieriger wurde, wenn man immer einen Treffer mehr als der Kontrahent erzielen musste, lag auf der Hand.

REKORDJAGD:

Für Statistik-Freunde hätte ein Sieg anstelle eines Punktes den angenehmen Nebeneffekt, dass er gleich zwei Bestmarken mit sich bringen würde. Sechs Mal in Folge hat Österreich auswärts noch nie gewonnen. Mit dem siebente Pflichtspiel-Erfolg en suite würde Rot-Weiß-Rot ebenfalls Neuland betreten. Nette Zahlenspielereien, mit denen man sich im ÖFB-Lager jedoch nicht lange aufhalten will. „Das sind nur Daten und Fakten“, stellt Prödl klar, „für uns ist das Wichtigste, dass wir ein richtig gutes Spiel abliefern und ungeschlagen bleiben, denn dann würde sich ein Traum erfüllen.“

(K)EIN PARTY-FLIEGER:

Wer im Fall der Fälle damit spekuliert, die Mannschaft bei ihrer Rückkehr am Flughafen Wien-Schwechat in Empfang zu nehmen, droht enttäuscht zu werden. Nur eine Handvoll an ÖFB-Kickern wird mit an Bord sein, nach derzeitigem Stand Robert Almer, Aleksandar Dragovic, György Garics, Martin Harnik, Marc Janko, Jakob Jantscher und Markus Suttner. Die anderen Spieler reisen direkt von Stockholm aus zu ihren Arbeitgebern zurück. „Im Endeffekt wäre uns das egal. Wir wollen so schnell wie möglich die Quali fixieren und das Ticket nach Frankreich buchen. Die große Party findet sowieso erst beim nächsten Heimspiel statt“, meint Janko, der allerdings einen Zwischenstopp in Wien einlegen wird, um „ein paar Stunden mit meiner Familie zu genießen.“

Nicht mit an Bord sein wird Marko Arnautovic - tendenziell sehr zum Leidwesen aller Zeugen seiner Performance im "Partyflieger" nach dem Russland-Match. „Da gab es auch allen Grund zum Party machen“, schmunzelt Janko, „also wenn wir jetzt das EM-Ticket lösen, hätte er ruhig wieder so auf den Putz hauen können im Flieger.“ Die offizielle EM-Party wird nach dem Heimspiel gegen Liechtenstein steigen.

Peter Altmann

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