Wer zaubert eine Überraschung aus dem Hut?

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Marcel Koller erlebt ein Déjà-Vu.

Wie schon vor dem Heimspiel gegen Russland (1:0-Sieg) muss sich der Teamchef mit der Frage beschäftigen, wie er David Alaba ersetzen kann.

Aufgrund des verletzungsbedingten Fehlens des Bayern-Legionärs wird wohl Stefan Ilsanker zum Einsatz kommen. Außer Koller überrascht sein Gegenüber Fabio Capello, doch auch der könnte eine verblüffende Variante parat haben…

Überrascht Koller Capello?

Ilsanker ist der logische Alaba-Ersatz. Koller hat eine hohe Meinung vom Salzburger. Der kopfballstarke Defensiv-Allrounder beherrscht das vom Schweizer forcierte Gegenpressing perfekt. Deshalb hält man auch bei den "Bullen" so große Stücke auf ihn.

Will Koller die Russen allerdings überraschen, so könnte er auch auf Aleksandar Dragovic als Sechser setzen. Der nominelle Innenverteidiger kam bereits einmal bei einem schwierigen Auswärtsspiel in Schweden von Beginn weg auf dieser Position zum Einsatz. "Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, nicht auch gerne im Mittelfeld zu spielen", meint der ukrainische Meister.

Dragovic könnte dem ÖFB-Mittelfeld mit seiner Ruhe Stabilität verleihen. Gegenüber Ilsanker bringt er wohl mehr Pass-Sicherheit mit. In der Verteidigung müsste in diesem Fall Sebastian Prödl für den Kiew-Legionär einspringen.

Baumgartlinger hat Schlüsselrolle

Egal ob Ilsanker oder Dragovic im defensiven Mittelfeld – viel wird vom zweiten Sechser im ÖFB-System abhängen. Julian Baumgartlinger muss an Stelle von Alaba den Verbindungsmann zwischen Offensive und Defensive geben. Will Österreich nicht nur lange Pässe, sondern gepflegt über die Zentrale nach vorne spielen, dann muss er die Bälle verteilen.

"Wenn wir eine ungefähr ähnliche Ausrichtung auf der Sechs haben wie bisher, kann es sein, dass ich im Spiel nach vorne mehr übernehmen muss. Aber das wird man dann sehen, wenn sich der Trainer entschieden hat. Ich bin natürlich auf alles vorbereitet", meint der 27-Jährige selbstbewusst.

Baumgartlinger könnte dabei von einem kleinen Loch in der sonst so kompakten Formation der Russen profitieren. Im Pressing rückt Mittelfeldspieler Roman Shirokov immer wieder nach vorne auf, um einen der beiden Innenverteidiger unter Druck zu setzten. Diese frei werdenden Räume muss Baumgartlinger im Spielaufbau für sich nützen. 

Achtung vor Russlands linker Flanke

Ansonsten könnte das ÖFB-Team ähnliche Probleme bekommen wie schon in Wien, als die Russen mit ihrem "Bermuda-Dreieck" im Mittelfeld die Zentrale beherrschten. Fabio Capello wird voraussichtlich auch diesmal ein 4-1-4-1-System auf den Platz schicken.

Mit einer Ausnahme ließ er die erwartete Formation bereits am Sonntag im Test gegen Weißrussland (4:2) auflaufen. Auffällig dabei: Die starke linke Seite, die im Tandem vom offensiv-starken Außenverteidiger Dmitri Kombarov und Altstar Yuri Zhirkov beackert wird.

Gemeinsam mit Ex-Supertalent Alan Dzagoev, der gemeinsam mit Shirokov für die kreativen Momente zuständig ist, versuchen die beiden auf der linke Seite eine Überzahl herzustellen und von dort den Ball in den Strafraum zu bekommen. Im Sechzehner steht dann Torjäger Aleksandr Kokorin bereit.

Überrascht Capello sein Gegenüber?

Entscheidet sich jedoch auch Capello für eine Überraschung, könnte Kokorin auf einen der beiden Flügel ausweichen und Artem Dzyuba in die Mannschaft rücken. Der 1,95-m-Stürmer würde den Russen im Strafraum mehr Durchschlagskraft bringen. Gut möglich, dass der russische Trainer diese Variante aber auch erst im Laufe des Spiels auspackt.

In der Defensive hat Capello dagegen weit weniger Optionen. Die Innenverteidigung gehört zu den größten Sorgenkindern Capellos. Neben dem Stamm-Duo aus Sergei Ignashevich (34) und Vasili Berezutski (32) gibt es kaum Alternativen.

Umso schwerer wiegt der verletzungsbedingte Ausfall von Ignashevich. Statt ihm wird nun wohl der 23-jährige Ivan Novoseltsev sein zweites Länderspiel bestreiten. Ein Mann, der kaum Erfahrung auf internationalem Niveau aufweist.

Schwächen nutzen

Die russischen Schwächen im Abwehrzentrum muss das ÖFB-Team versuchen zu nutzen. Berezutski ist nicht mehr der Schnellste. Capello versucht dies zu kaschieren, indem er die Innenverteidigung anweist, sich bei Angriffen des Gegners schnell in die Tiefe fallen zu lassen.

Das könnte den Österreichern den Raum vor der Abwehr öffnen. Dort, zwischen den Linien, muss sich Zlatko Junuzovic bewegen und das Zusammenspiel auf den Flügeln suchen.

Gemeinsam mit Marko Arnautovic und Martin Harnik sowie den beiden Außenverteidigern braucht es schnelle Kombinationen, um den Raum zwischen Innenverteidiger und Achter auszunützen. Denn die Russen werden mit Solo-Sechser Denis Glushakov versuchen, die Mitte dicht zu machen.

Sabitzer im Sturm eine Option?

Gegen langsame Abwehrspieler sind normalerweise auch schnelle Stürmer ein probates Mittel. Im Laufe der Partie, wenn die Gastgeber mehr Risiko nehmen müssen, wäre Marcel Sabitzer als Solo-Spitze deswegen eine überlegenswerte Alternative.

Von Beginn weg wird jedoch erneut Marc Janko stürmen. Der Sydney-Legionär muss gezielt das russische Abwehr-"Greenhorn" Novoseltsev anbohren. Zudem bringt ein Einsatz des 1,96-m-Hünen der Koller-Elf auch im Spielaufbau eine zusätzliche Facette: Janko kann die hohen Bälle, die es in diesem hektischen Auswärtsspiel zweifellos zu Genüge geben wird, verarbeiten und weiterleiten.

Gelingt das nicht wie erhofft, bleibt den Österreichern immer noch ihr bekannt starkes Gegenpressing. Bereits beim Heimspiel in Wien erarbeitete man sich durch die schnelle Balleroberung nach Ballverlust einige Chancen.

Eine enge Partie

Aufwendiges Forechecking hätte dagegen wohl kaum einen Sinn, stehen die Russen im Spielaufbau doch sehr breit gestaffelt und gehen bei ihren Pässen kaum ein Risiko ein.

Letztendlich dürfen wir uns ein abwartendes Spiel beider Teams erwarten. Es wird ein enger Kampf, bei dem es wohl auch auf die Reaktionen der Trainer im Laufe des Spiel ankommen wird.

Am Ende hoffentlich mit einem erneuten Déjà-Vu für Koller. Diesmal in Form eines österreichischen Sieges.



Jakob Faber

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