"Ich hebe deswegen nicht ab"

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"Nicht so viele Gedanken darüber machen"

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Am 30. Mai 2014 verabschiedete sich Philipp Schobesberger beim 3:0-Auswärtssieg beim SV Allerheiligen mit seinem 14. Saison-Tor vom Regionalligisten FC Pasching.

Fast auf den Tag ein Jahr später absolvierte der 21-Jährige in Stegersbach sein erstes Training im Kreis des österreichischen Nationalteams.

Die Geschichte vom rasanten Aufstieg des Oberösterreichers nach seinem Wechsel zu Rapid Wien wurde oft genug erzählt. Dennoch schadet es nicht, sich vor Augen zu halten, in welch kurzer Zeitspanne der Oberösterreicher die Karriereleiter nach oben geklettert ist.

„Es ist nicht so, dass ich deswegen abhebe“

„Wenn man es sich so überlegt, ist es wirklich ein Wahnsinn, dass ich vor einem Jahr noch so weit weg war, und jetzt stehe ich hier und gebe Interviews für das Nationalteam. Aber ich glaube, man darf sich nicht so viele Gedanken darüber machen“, erklärt Schobesberger.

Im Normalfall wäre der zweite Satz eine klassische Floskel, beim Shootingstar liegt die Betonung darauf. Er selbst bezeichnet sich als gelassenen Typen, der auch mit dem Lob, mit dem er in den vergangenen Wochen überhäuft wurde, trocken umgeht:

Der Nachsatz, dass man Schobesberger nicht in den Himmel heben dürfte, ging angesichts dieser euphorischen Analyse vielleicht etwas unter.

An einem Tisch mit den „TV-Bekanntschaften“

Angesichts einer Serie von sieben Meisterschaftsspielen in Folge mit je einem Tor hat sich Schobesberger an Schulterklopfer aber tendenziell schon gewöhnt. Ungewohntes Terrain betrat er indessen in Stegersbach.

Während in der jüngeren Vergangenheit Team-Neulinge zahlreiche ÖFB-Kicker oftmals schon aus diversen Junioren-Auswahlen kannten und den meisten nicht mehr groß vorgestellt werden mussten, betrat der Rapidler mehr oder weniger Neuland.

Ein Nachwuchs-Länderspiel ziert nicht seine Visitenkarte, weitere Vereinskollegen gehören nicht dem ÖFB-Aufgebot an, also hielten sich die Kontakte in der Vergangenheit in Grenzen. Persönlich kannte er zuvor nur seinen oberösterreichischen Landsmann Kevin Wimmer, alle anderen rot-weiß-roten Kicker nur aus dem Fernsehen.

„Ich mache mir nicht viele Gedanken darüber, ob ich Lob bekomme. Natürlich freut es mich, wenn ich diese Sachen lese, aber es ist nicht so, dass ich deswegen abhebe.“

Gedankenloses Auftreten kann man Schobesberger jedoch nicht unterstellen. Natürlich ist er mit dem Ziel zum Nationalteam gereist, diese Chance am Schopf zu packen und auf sich aufmerksam zu machen.

„Erwartungen habe ich keine“

Mit seinem Länderspiel-Debüt in Russland würde er jedoch nicht spekulieren: „Erwartungen habe ich keine. Ich trainiere einfach gut und probiere dem Teamchef zu zeigen, was ich kann. Dann sehe ich eh, was rauskommt.“

Marcel Koller gehört auch zu jenen, die Schobesberger in den vergangenen Wochen mit Lob bedachten. Bei der Kaderbekanntgabe meinte der Schweizer über den Flügelflitzer:

„Er ist schnell, beweglich, hat ein gutes Dribbling - das sind alles Attribute, die heutzutage wichtig sind. Wenn dir das der liebe Gott mitgegeben hat und du das Talent noch weiterentwickelst, sind das sehr gute Voraussetzungen, um einen weiteren Schritt nach vorne zu gehen. Das einzige, was ihm fehlt, ist die Erfahrung. Aber wie er spielt, hat in den letzten Wochen sehr gut ausgesehen. Ich denke, dass es nicht viele solcher Spieler gibt.“

„Natürlich muss man sich das einmal im Kopf vorstellen, dass das lauter Stars aus den besten Ligen der Welt sind und auf einmal steht man dazwischen und sitzt mit denen am Tisch. Das ist schon etwas Besonderes“, schwärmt Schobesberger.

Teure Einberufung

Es wäre naheliegend, wenn die Offensivkraft früher oder später ebenfalls den Sprung über die Landesgrenzen hinaus wagen möchte. Vorerst will sich der 21-Jährige trotz medialer Spekulationen mit diesem Thema jedoch nicht auseinander setzen:

„Mir ist egal, was geschrieben wird. Ich habe bei Rapid einen Vertrag bis 2017. Wenn vorher etwas kommen sollte, muss man mit dem Verein reden.“

Intensiver geredet hat Schobesberger genau wie die beiden Rückkehrer Yasin Pehlivan und Jakob Jantscher bereits mit Koller, der dem Trio eine Einschulung beziehungsweise Auffrischung über seine Vorstellungen zukommen ließ: „Wir hatten ein Gespräch, in dem es vor allem um Taktik und darum, wie wir spielen wollen, ging. Ich glaube, dass ich ganz gut reinpasse in die Truppe.“

Sollte sich Schobesberger im A-Team etablieren, wird es tendenziell auch seine Freundin noch mehr verschmerzen, dass der geplante Urlaub in Rom ins Wasser fiel: „Ich habe storniert und die Versicherung hat mir die Kosten nicht ersetzt. Aber für die Nationalmannschaft nimmt man das gerne in Kauf.“

Peter Altmann

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