"Wenn du im Nationalteam bist, gehen Türen auf"

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„Ich hatte mich eigentlich schon an diese Fragen gewöhnt“, schmunzelte Marcel Koller.

Gemeint ist Robert Almer, der nach seinem Wechsel zu Austria Wien ab der kommenden Saison wohl regelmäßig Spielpraxis bekommen wird, womit ein Dauerbrenner unter den Nationalteam-Themen der vergangenen Jahre wegfallen dürfte.

Beim Einser-Goalie des ÖFB-Teams ist die Zukunft bereits geklärt. Bei diversen seiner rot-weiß-roten Kollegen stellt sich die Situation ganz anders dar.

Noch steht bei vielen – zumindest offiziell – nicht fest, bei welchem Arbeitgeber sie die Saison vor der EURO 2016 in Frankreich verbringen werden.

Mit Marc Janko, dessen Vertrag beim FC Sydney nicht verlängert wird, taucht seit dieser Woche ein überraschender „Neuzugang“ auf der Liste der Spieler mit unsicherer Zukunft auf.

Störfaktor in Vorbereitung auf Russland?

Diverse Vertragsgespräche könnten also zwangsläufig während der knapp zweiwöchigen Vorbereitung auf das EM-Qualifikations-Spiel in Russland über die Bühne gehen.

Für Koller ist diese mögliche Ablenkung keine ideale, wenngleich auch keine neue Situation: „Darin haben wir schon Erfahrung, das kommt ja nicht zum ersten Mal vor. In den dreieinhalb Jahren, in denen ich hier bin, haben wir das schon das eine oder andere Mal abgehandelt.“

Laut Meinung des Schweizers müsse man von Fall zu Fall entscheiden: „Wenn die Situation so ist, dass man noch kurzfristig etwas unterschreiben müsste, dann muss man sich zusammensetzen und schauen, ob das möglich ist.“

Auch solche Fälle gab es bereits, etwa als Marko Arnautovic Anfang September 2013 erst etwas verspätet ins Camp für die WM-Quali-Partien in Deutschland und gegen Irland einrückte, weil er noch seine Unterschrift bei Stoke geleistet hat.

Diverse Fragezeichen

Gleichzeitig stellt der Teamchef jedoch klar, dass die ÖFB-Kicker während des Lehrgangs Anwesenheitspflicht hätten: „Grundsätzlich ist es so, dass der Spieler bei uns ist, hier zu trainieren hat und diese Dinge natürlich nicht außerhalb bewerkstelligen kann. Aber je nachdem, wie sich die Situation darstellt, müssen wir kurzfristig entscheiden.“

Denn natürlich ist es auch im Sinne des 54-Jährigen, dass seine Schützlinge bei ihren jeweiligen Arbeitgebern eine zufriedenstellende Situation vorfinden. Geht man von einer erfolgreichen Qualifikation für die EURO aus, sind Spielpraxis und Selbstvertrauen im Verein wichtige Mosaiksteinchen für ein erfolgreiches Abschneiden beim Turnier in Frankreich.

So gesehen gilt es noch diverse Fragezeichen zu beantworten. Heinz Lindner, Christian Fuchs und Sebastian Prödl, deren Abschied von ihren bisherigen Klubs feststeht, haben ihren neuen Arbeitgeber noch nicht bekanntgegeben beziehungsweise befinden sich noch auf der Suche.

Stefan Ilsanker hat seinen Abschiedswunsch aus Salzburg deponiert, Marcel Sabitzer wiederum sieht sich trotz Vertrags kommende Saison nicht im Dress von RB Leipzig. Bei Rubin Okotie droht nach wie vor der Abstieg mit 1860 München, Aleksandar Dragovic peilt wieder einmal den Absprung aus Kiew an und Markus Suttner zum wiederholten Mal jenen von Austria Wien. Auch der Abschied von György Garics aus Bologna erscheint wahrscheinlich.

„Denke nicht, dass man sich um Janko große Sorgen machen muss“

Zu diesen Personalien gesellte sich nun auch Janko, um den sich Koller nach seiner starken Performance in der abgelaufenen Spielzeit jedoch keine allzu großen Sorgen macht:

„Es ist klar, dass er sich etwas Neues suchen muss und das keine optimalen Bedingungen sind. Es ist aber auch so, dass er bei diesem Lehrgang Werbung in eigener Sache betreiben kann, das wäre dementsprechend auch noch ein Bewerbungsschreiben. Marc war gut in Form, hat eine hervorragende Saison in Sydney gespielt, ist Spieler des Jahres und Torschützenkönig geworden. Das spricht eigentlich für ihn. Ich denke nicht, dass er sich da große Sorgen machen muss.“

Apropos Sorgen: Auch jene um Fuchs sind bei Koller nicht allzu groß. Der Linksverteidiger hat seit Anfang April bei Schalke 04 kein Spiel mehr absolviert. „Christian kann mit dieser Situation umgehen“, ist der Schweizer sicher.

Man darf gespannt sein, wohin es den ÖFB-Kapitän, Janko und Co. verschlägt. Auch für Koller bleibt in der Transferzeit nur die Beobachterrolle:

„Wir können in dem Sinne auch nur unterstützend wirken, wenn gewisse Anfragen über diese Spieler kommen, in denen sich Vereine erkundigen, und wir sie entsprechend positiv beantworten. Ansonsten ist es die Aufgabe der Spieler und ihrer Berater dafür zu sorgen, dass sie einen Verein finden. Aber ich denke schon, dass Türen aufgehen, wenn du im Nationalteam bist, und diese Spieler auch in der nächsten Saison wieder bei einem Verein spielen und sich zeigen können.“

Peter Altmann

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