"Dafür bin ich ja da"

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Almer: "Die Kritiker wird es immer geben"

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Im Vorfeld des Gastspiels in Russland erläuterte Robert Almer, dass rein statistisch mit einem Gegentorschnitt von unter eins die Qualifikation für ein Turnier sehr wahrscheinlich sei.

Nach dem 1:0-Sieg in Moskau ist Österreich die Teilnahme an der EURO 2016 in Frankreich so gut wie sicher nicht mehr zu nehmen.

Für Almer persönlich war es das vierte Zu-Null-Pflichtspiel in Serie. In sechs Qualifikations-Begegnungen musste er nur zwei Mal hinter sich greifen, was einen Gegentorschnitt von 0,3 bedeutet.

In den verbleibenden vier Partien dieser Kampagne müsste wohl schon das eine oder andere Debakel her, um den Schnitt noch auf über eins zu heben.

Verschafft man sich einen Überblick über die anderen Gruppen, hat europaweit bislang nur Rumänien (1) weniger Gegentore kassiert.

Nicht das beste Länderspiel

Um seinen Kasten erneut sauber zu halten, musste Almer in der Otkrytije Arena einige Glanzparaden abliefern.

Das Rampenlicht suchte er danach jedoch nicht wirklich. „Dafür bin ich ja da, dass ich die Bälle halte“, wehrte er alle Gratulationen ab. Auch die Frage, ob dies sein bis dato stärkstes Länderspiel gewesen sei, verneinte er: „Es waren schon viele gute dabei. Ich bin nur froh, dass die Null wieder steht.“

22 Mal hat Almer inzwischen für Österreich das Tor gehütet. Die Premiere von Teamchef Marcel Koller beim 1:2 in der Ukraine im November 2011 war gleichzeitig das Debüt des Steirers, der sich schnell das Vertrauen des Schweizers erarbeitet und dieses seither nicht verloren hat.

Gründe für einen Vertrauensverlust würde es geben, zumindest wenn man die Vereinssituation als wichtigstes Kriterium zu Rate ziehen würde. Sowohl bei Fortuna Düsseldorf als auch bei Energie Cottbus verlor er seinen Status als Nummer eins, zuletzt bei Hannover 96 unterschrieb er von vornherein als Nummer zwei.

„Tor habe ich noch keines verschuldet“

Die mehrjährige Dauer-Diskussion über seine rot-weiß-rote Pole-Position ist allgemein bekannt. Dabei erfüllte er Kollers wichtigstes Kriterium: Im ÖFB-Dress brachte er stets seine Leistung und war unabhängig von etwaigen Sorgen beim Klub stets auf dem Punkt da.

„Tor habe ich noch keines verschuldet“, betont der 31-Jährige und zeigt sich vom Umstand, in der Öffentlichkeit dennoch nie gänzlich unumstritten gewesen zu sein, keineswegs genervt:

„Das ist im Fußball so, bei einem Feldspieler ist es ja nicht anders. Nehmen wir einen Stürmer: Der kann in einer Saison 30 Tore machen. Wenn er in der Saison drauf nur zehn macht, gilt er auch wieder als Versager oder einer, der nichts trifft.“

Ob man beim Nationalteam zu sehr auf das Klub-Geschehen achten würde? „Auf alle Fälle. Ich denke jedoch, ich habe allen bewiesen, dass es auch ohne Spielpraxis funktionieren kann – auch wenn es immer wieder heißt, das geht eigentlich nicht.“

Klarste Nummer eins seit längerer Zeit

Diesbezüglich bot die Koller-Ära bislang genügend Gelegenheit zum Umdenken, da er immer wieder an Schützlingen, die bei ihren Arbeitgebern in Not geraten sind, festhielt.

Almer ist jedoch das vielleicht beste Beispiel. Sein letztes Pflichtspiel auf Profiebene bestritt er am 7. Februar 2014 für Cottbus gegen Sandhausen, also vor bald eineinhalb Jahren. Für Hannover stand er nur ein Mal im Tor, allerdings für die zweite Mannschaft in einem Regionalliga-Spiel.

Stellt sich nach dieser Performance die Frage, wie gut Almer erst sein kann, wenn er über Spielpraxis verfügt? „Schauma“, lacht der Steirer und ist spürbar erleichtert, dass er dieses Thema bald ad acta legen kann: „Es hat fast vier Jahre funktioniert. Jetzt brauchen wir uns über die Spielpraxis eh keine Gedanken mehr zu machen.“

Denn bei Austria Wien ist er natürlich als Stammkraft vorgesehen, wenngleich Herausforderer Osman Hadzikic als eines der größten Tormann-Talente des Landes gilt. Mit U20-WM-Goalie Tino Casali verfügen die Veilchen über einen weiteren Hoffnungsträger, der jedoch verliehen werden könnte.

„Damit um dieses Thema Ruhe einkehrt und ich wieder Spielpraxis habe, war es natürlich gut, zur Austria zurückzugehen, weil ich das Umfeld und die Leute im Verein kenne. Das macht es angenehmer und einfacher, sich wieder einzuleben“, ist Stabilität gerade in der EURO-Saison wichtig.

Wiedersehen mit Janko?

Und wer weiß, vielleicht gesellt sich mit Marc Janko ja ein zweiter Held der Russland-Partie dazu. Der Goldtorschütze soll mit mehreren Vereinen verhandeln, darunter auch mit der Austria.

Almer könnte sich bestens damit anfreunden: „Es wäre natürlich schön, wenn wir so einen Stürmer im Verein hätten. Das muss Marc entscheiden. Ich glaube, es ist ihm natürlich speziell im Jahr vor der möglichen EURO wichtig, dass er weiß, woran er ist, bevor er irgendein Abenteuer macht.“

Der Goalie wird tendenziell im Urlaub von etwaigen Transfer-News erfahren. Schon am Tag nach dem Russland-Match hob er gemeinsam mit seiner Familie zum Badeurlaub in die Türkei ab.

Peter Altmann

Im selben Zeitraum absolvierte er übrigens neun Länderspiele. Wie es überhaupt kurios ist, dass sich ausgerechnet ein Keeper mit solchen Vereins-Problemen als erste derart klare Nummer eins Österreichs seit langer Zeit etablieren konnte.

Josef Hickersberger rotierte seinerzeit zwischen Jürgen Macho, Alexander Manninger und Helge Payer, Didi Constantini verfolgte auch im Tor keinen sonderlich präzisen Plan.

„Die Kritiker wird es immer geben“

Für Koller ist eine klare Nummer eins wichtig, und da ihm Almer keinen Grund für einen Wechsel gab, hielt er ihm die Treue. Mit Ramazan Özcan wiederum ist die Nummer zwei zwar in die deutsche Bundesliga aufgestiegen, der Ingolstadt-Keeper unterstreicht jedoch gerne, dass er „kein Theater machen“ will.

Das Thema ist also in der Öffentlichkeit präsenter als intern. Bemerkenswert ist, dass sich Almer von den Debatten um seine Person nie aus der Ruhe bringen ließ.

„Die Diskussion besteht ja sowieso immer, und eigentlich ist es egal, denn ich habe ja auch in der Vergangenheit gute Spiele geliefert. Zum Beispiel habe ich auswärts in Deutschland eine gute Partie gespielt, auch wenn wir 0:3 verloren haben. Ich glaube, die Kritiker wird es immer geben“, meint der zukünftige Austrianer.

In keinem seiner übrigen 21 Länderspiele kassierte er übrigens gleich viele oder mehr Gegentore als in München. Mit Leistungen wie jener in Russland und der feststehenden Rückkehr an den Verteilerkreis stehen die Chancen gut, dass er seinen Status als Nummer eins weiter einzementieren kann.

„Es war relativ einfach und angenehm zu spielen“

Gerade in Moskau schien es, als würde er sich in einen Rausch spielen, auch wenn er diesen Eindruck nicht teilte: „Das sehe ich gar nicht so. Wenn du 60, 70 Minuten keinen Ball hast, kann es passieren, dass die Konzentration ein bisschen nachlässt. Speziell in diesem Spiel war das gar nicht möglich, weil du immer auf der Hut sein musstest, wenn einer ihrer Offensivspieler den Ball hatte. Da muss man hellwach sein, von dem her war es für mich relativ einfach und sehr angenehm zu spielen.“

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