Pro & Contra: Soll Arnautovic einberufen werden?

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Marko Arnautovic polarisiert wieder einmal die Massen.

Diesmal lässt eine nächtliche Autofahrt die Wogen hoch gehen. Nach einem kritischen Polizeibericht suspendiert Werder Bremen den 24-Jährigen bis Saisonende. Seine Zeit bei den Norddeutschen scheint abgelaufen.

Während sich Arnautovic selbst medial zu Wehr setzt, fordern in Österreich einige Stimmen Konsequenzen für das Nationalteam. Marcel Koller solle auf die Suspendierung bei Bremen reagieren und den Nationalspieler für das Spiel gegen Schweden eine Denkpause verpassen.

Auch in der LAOLA1-Redaktion sind Diskussionen darüber entbrannt. Soll Koller Arnautovic ins ÖFB-Team nominieren?

 

PRO: Arnautovic muss im Nationalteam spielen

Von Jakob Faber

Spielt Andreas Ivanschitz einen Pass mit der Ferse, fällt es nicht auf. Macht Marko Arnautovic dasselbe, mokiert sich der ORF-Kommentator über dessen Lässigkeit. Bleibt Martin Harnik beim Dribbling hängen, ist es kaum erwähnenswert. Bei Arnautovic wird dessen Eigensinn kritisiert.

Nur zwei kleine Beispiele von vielen, wie beim polarisierenden Wiener mit einem anderen Maß gemessen wird. Schließlich passt es in das Bild, das uns so manche politische Parteien gerne vermitteln: Der Problem-Boy aus Floridsdorf mit den serbisch-österreichischen Wurzeln. Da schaut die Öffentlichkeit ganz genau hin, kein Fehler wird verziehen.

So auch diesmal wieder. Zeitungen und Online-Medien schlachteten die Arnautovic-Geschichte in vollen Zügen aus. Von einer Spritztour war die Rede, von einem nächtlichen Wettrennen. Ohne Rücksicht auf Fakten wurde aus stark übertriebenen Polizei-Aussagen eine Skandal-Story gebastelt, der Arnautovic selbst zurecht heftig widerspricht.

Dass Werder Bremen die Eklat-Version der Medien blindgläubig übernahm, verwundert kaum. Dem Verein kamen zwei Bauernopfer wie Arnautovic und Elia gerade recht. Die schwierige sportliche Lage trat plötzlich in den Hintergrund, der ganze Klub rückte zusammen. Zusätzlich konnte sich Neo-Geschäftsführer Thomas Eichin als kompromisslose Führungspersönlichkeit behaupten. Im taktischen Konzept von Thomas Schaaf spielen die beiden seit dessen Bekenntnis zum Defensiv-Fußball sowieso keine Rolle mehr.

Marcel Koller wird die Situation unbeeinflusst vom erregten Boulevard nüchtern analysieren. Der Schweizer weiß, dass er auf die fußballerischen Fähigkeiten von Arnautovic nicht verzichten kann. Gerade weil es für den Ausnahmekönner gegen Schweden auch um einen neuen Vertrag geht.

 

CONTRA: Koller muss auf Arnautovic verzichten

Von Stephan Schwabl

„Ich will nicht, dass du dich änderst. Ich will nur, dass du deine Leistung bringst.“ Marko Arnautovic behauptet, dass Teamchef Marcel Koller diesen Satz zu ihm gesagt hat. Ausgerechnet der von Mitarbeitern hinter vorgehaltener Hand als „Kontrollfreak“ beschriebene Schweizer soll dem 24-Jährigen einen solchen Freibrief ausgestellt haben? Schwer zu glauben.

Ja, kurz nach seinem Amtsantritt hat Koller Arnautovic in Bremen besucht und lange mit ihm gesprochen, ihn in die Pflicht genommen und ihm versucht klarzumachen, wie wichtig er für die WM-Qualifikation ist. Auch stellte sich der ÖFB-Teamchef nach schwachen Leistungen immer vor Arnautovic, der ohne Frage einer der wenigen Spieler hierzulande ist, die gerade auf internationaler Ebene den Unterschied ausmachen können.

Und dennoch wird es sich Koller leisten müssen, im für das auf dem Weg nach Brasilien richtungsweisenden Spiel gegen Schweden Anfang Juni in Wien zu verzichten, Arnautovic („Ich leide wie ein Hund!“) also nicht zu nominieren.

Allerdings nicht wegen mangelnder Spielpraxis oder chronischer Unform, die er, wenn er denn zum Einsatz kam, seit Wochen über den Platz schleppte. Auch nicht wegen seiner nächtlichen Spritztour von Enschede nach Bremen. Und schon gar nicht weil es die „Kronen Zeitung“ vehement fordert. Sondern weil er damit seinen Beitrag leisten könnte, eines der größten heimischen Talente der letzten Jahre vielleicht doch noch wachzurütteln, ehe es zu spät ist.

„Wer mir den Fußball nimmt, nimmt mir mein Leben“, sagt Marko Arnautovic. Werder Bremen versucht es auf die harte Tour – mit kaltem Fußball-Entzug. Und der funktioniert nur ohne Streicheleinheiten und Zugeständnisse. 

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