Janko knüpft seine ÖFB-Zukunft an Personalie Koller

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In Österreich herrscht Europhorie. Aber auch in der Schweiz?

Das freundschaftliche Kräftemessen am kommenden Dienstag ist für Teamchef Marcel Koller naturgemäß eine der speziellsten Aufgaben seiner Karriere.

Aber auch für Marc Janko ist es ein nicht alltägliches Prestigeduell. Als Legionär beim Vorzeige-Klub FC Basel kann er die beiden Fußball-Nationen aus erster Hand vergleichen.

„Mit unserer Qualfikation sind schon bewundernde Worte in meine Richtung geflossen. Da kam von den Eidgenossen sehr viel zurück. Ich bin jedoch der Meinung, für uns ist es etwas Besonderes, aber in der Schweiz gehört es zur Normalität, wenn sie sich für ein Großereignis qualifizieren. Das ist bei uns noch nicht der Fall, aber wir arbeiten daran“, erklärt der Stürmer bei seinem Medientermin im ÖFB-Camp in Orihuela.

EM-Qualifikation in der Schweiz „eine Randnotiz“

Eine Euphorie wie in Österreich, „nur“ weil man sich qualifiziert habe, könne man laut Janko in der Schweiz nicht nachvollziehen:

„Dort herrscht überhaupt kein Hype. Es wird einfach zur Kenntnis genommen. Es ist eine Randnotiz nach dem Motto: 'Wir sind wieder einmal qualifiziert und jetzt schauen wir weiter.' Es ist natürlich immer etwas Besonderes, wenn man es zum ersten Mal schafft. Dann liegt es auf der Hand, dass man sich wahnsinnig freut und Euphorie herrscht. Insofern sind sie uns ein paar Schritte voraus, weil es bei ihnen schon Normalität ist.“

In der Schweiz wurde über die Jahre eher das Verpassen eines Turniers zur Ausnahme. Für Janko ist dies der Status quo, den Österreich ebenfalls anpeilen muss: „Aber dafür muss man natürlich irgendwann den Anfang machen. Hoffentlich war es diesmal der Startschuss.“

Mit der Normalität, sich für ein Turnier zu qualifizieren, steigt selbstredend auch das Anspruchsdenken. Österreichs Newcomer-Rolle mag so gesehen ein stimmungstechnischer Vorteil sein. Die Fußball-Begeisterung sei in seiner Heimat derzeit „zu 100 Prozent“ größer als in der Wahlheimat.

In der Schweiz herrscht keine Euphorie“

Generell ließe sich das jedoch schwer vergleichen: „Dafür sind die Ausgangslagen in unseren Ländern zu unterschiedlich. Wenn der FC Basel nicht international spielt, ist es ein Riesen-Thema. Als wir es nicht in die Champions League geschafft haben, gab es einen großen Aufschrei. Aber das hat sich der Klub in den letzten Jahren erarbeitet. Und so ist es auch mit der Schweizer Nationalmannschaft. Wenn sie es nicht zur EURO geschafft hätten, und das war in ein paar Spielen, wo sie erst in letzter Sekunde ein Tor gemacht haben, kurz davor, hätte es schon ein Riesen-Theater gegeben. So wurden sie vor der ganz großen Kritik verschont, aber es herrscht in der Schweiz in jedem Fall auch keine Euphorie dem Fußball gegenüber.“

Dafür müsste tendenziell schon Erfolg beim Turnier selbst her. Laut Janko wolle die „Nati“ zumindest das Achtelfinale erreichen: „Das ist der Standard, den sie sich vorgeben. Wenn sie das nicht erreichen, ist die Enttäuschung schon sehr groß.“

Die internationale Aufholjagd hat bei unserem EURO-Partner von 2008 definitiv früher begonnen. Dank gezielter Nachwuchsförderung wurden in den vergangenen beiden Jahrzehnten auf Nationalmannschafts-Ebene bemerkenswerte Erfolge erzielt.

Momentan ist unser Kollektiv ein bisschen besser“

Inzwischen ist auch Österreich auf dem Level angelangt, dass man größtenteils eine Legionärs-Auswahl auf das Feld schicken kann. Diesen Vorteil genießen die Eidgenossen schon länger.

„Sie haben super Einzelspieler in sehr, sehr guten Klubs. Das ist ähnlich wie bei uns“, lobt Janko, findet allerdings: „Nur denke ich, bei uns ist momentan das Kollektiv ein bisschen besser.“

Dies hat der Niederösterreicher möglicherweise auch mit seinen beiden Basel-Kollegen Michael Lang und Luca Zuffi diskutiert, die es ins Aufgebot für das Duell mit Österreich geschafft haben.

Wetten über den Ausgang der Partie habe man nicht abgeschlossen: „Aber natürlich gab es ab und zu mal einen blöden Spruch von meiner Seite, von ihrer Seite genauso. Das ist normal, wenn man auf Klubebene in einer Mannschaft spielt, neckt man sich ab und zu. Wir wissen, dass beide Teams auf Augenhöhe sind und am Dienstag Details entscheiden werden, wer als Sieger vom Platz geht.“

Bestes Jahr in Jankos Karriere?

Nicht mit von der Partie ist aufgrund einer Patellasehnenreizung mit Breel Embolo ein weiterer Basel-Kumpel von Janko. Dieser hält auf das 18-jährige Supertalent große Stücke:

„Darauf schaue ich nach einem Match. Ich bereite mich nicht auf ein Spiel vor und schaue, wie viele Tore noch auf die und die Marke fehlen“, versichert Janko, der einmal mehr betont, dass er es sich nie hätte träumen lassen, einmal in den Top 10 der rot-weiß-roten Schützenliste zu stehen:

„Es ist immer etwas Besonderes, wenn man da seine Fußstapfen hinterlassen hat. Aber ich bin hoffentlich noch nicht am Ende meiner Reise und kann mich noch ein bisschen verbessern. Resümiert wird dann am Ende.“

Janko-Zukunft mit Koller verknüpft

Wie lange diese Reise noch dauern wird, ist eine Frage, deren Beantwortung aus Altersgründen unvermeidlich immer näher rückt. In Orihuela lässt Janko mit dem Gedanken aufhorchen, dass seine ÖFB-Zukunft nach der EURO von jener des Teamchefs abhängen dürfte:

„Sagen wir so: Es hat auch sehr viel mit der Art und Weise, wie es nach der EM im Nationalteam weitergeht, zu tun, wer Trainer wird. Ob Marcel Koller gehen wird oder nicht, hat auch sehr viel mit meiner Entscheidung zu tun. Aber das ist alles noch so weit weg. Momentan möchte ich im Hier und Jetzt leben und mich auf die Dinge freuen. Alles andere werde ich entscheiden, wenn die Zeit reif ist.“

Reif für ein Karriereende fühlt sich die Offensivkraft definitiv noch nicht. „Ich fühle mich fit genug. Ich habe ja in der Türkei mehr oder weniger zwei Jahre Urlaub gehabt“, lacht Janko.

Zum Tribünen-Schicksal bei Trabzonspor gesellte sich über die Jahre die eine oder andere Verletzungspause: „Körperlich habe ich noch nicht solche Verschleißerscheinungen wie andere Leute, die ständig durchspielen. Lothar Matthäus hat einmal gemeint, dass man es hinten an die Karriere dranhängen kann, wenn man öfter nicht gespielt hat oder verletzt war. Vielleicht habe ich da noch Hoffnung.“


Peter Altmann

„Ein außerordentlich talentierter Spieler, der, wenn er so weitermacht, den Sprung zu ganz großen Vereinen schaffen kann. Er ist noch blutjung, aber für sein Alter schon sehr weit. Er hat sehr viele Attribute, die einen Weltklassespieler ausmachen können, hat auf der anderen Seite aber auch noch ein paar Sachen, die er verbessern muss. Das ist jedoch normal. Es wäre grotesk, wenn er mit 18 schon am Ende seiner Entwicklung wäre.“

Janko ist bekanntlich keine 18 mehr, sondern befindet sich mit 32 Jahren bereits im Herbst seiner Laufbahn, wenngleich vielleicht sogar auf dem bisherigen Höhepunkt.

„Wenn man die Kombination mit dem Nationalteam sieht, kann man auch vom besten Jahr meiner Karriere sprechen“, meint Janko, auf dessen persönlicher Hitliste eigentlich noch seine 39-Tore-Saison für Red-Bull-Salzburg ganz vorne zu stehen scheint: „Auf Klubebene definitiv. Wenn man solch eine Marke erreicht, ist das natürlich etwas für die Geschichtsbücher.“

Vorteil, wenn sich nicht immer alles auf den Mittelstürmer konzentriert“

Auch das Kalenderjahr 2015 hatte für den Goalgetter einiges zu bieten. Das Australien-Abenteuer beim FC Syndney war bis auf das überraschende Ende ein Erfolg. In Basel hat er sich schnellstmöglich eingelebt und führt mit zehn Toren in elf Spielen die Torschützenliste der Super League an.

So richtig veredelt wird seine Jahresbilanz jedoch durch die Ausbeute von sieben Toren in sieben Länderspielen. Nur beim 1:0 gegen Moldawien gab es nicht den obligatorischen Janko-Treffer.

„Ich gehe jedoch nicht ins Spiel und sage, ich möchte wieder Tore schießen, sondern gehe mit der Einstellung ins Match, dass ich für die Mannschaft arbeiten möchte. Das klingt jetzt wahnsinnig abgedroschen, aber bei uns ist wirklich egal, wer die Tore schießt. Mittlerweile hat auch Marko Arnautovic wieder Lust und Laune gefunden, den Ball ins Tor zu befördern. Das macht uns noch um einiges unausrechenbarer, weil immer mehr Leute vorne für entscheidende Momente sorgen können. Es ist natürlich auch für mich ein Vorteil, wenn sich nicht immer alles auf den Mittelstürmer konzentriert“, setzt Janko auf Mannschaftsdienlichkeit.

Top 10 in der ewigen Schützenliste

Dennoch klettert der Stürmer dank seines Torriechers in der ewigen ÖFB-Schützenliste immer weiter hinauf. Mit 25 Treffern in 50 Länderspielen rangiert er inzwischen auf Platz acht. Bei einem Erfolgserlebnis gegen die Schweiz könnte er mit den beiden Allzeitgrößen Matthias Sindelar und Andreas Herzog gleichziehen.

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