Analyse: Montenegros Fehler und Österreichs Stärken

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Es war ein Lehrspiel für Österreichs restliche Gruppengegner.

Montenegro hat beim 0:1 vorgemacht, wie man gegen das Team von Marcel Koller eben nicht spielen sollte: Die Abwehr lieferte Raum für Steilpässe, die ÖFB-Doppelsechs wurde kaum attackiert und Montenegros rechte Seite lud Kollers linke Achse zu gefährlichen Aktionen ein.

Die Österreicher nützten die taktischen Fehler der Gäste eiskalt aus, legten eine dominante Leistung an den Tag und gewannen mehr als verdient mit 1:0. Es war eine der besten Leistungen der letzten Jahre.

Fehler 1: Nicht tief gestanden

Montenegro-Teamchef Branko Brnovic verzichtete nach dem 0:0 gegen Liechtenstein auf eine reine Mauer-Taktik. Die Abwehr positionierte sich – im Gegensatz zu Schweden und Moldawien – nicht besonders tief am eigenen Sechzehner. Stattdessen bot man den Österreichern genügend Platz für Pässe in die Tiefe an.

Etwas, was David Alaba und Co. geschickt zu nutzen wussten. Bereits in der vierten Minute spielte der Bayern-Legionär perfekt in den Lauf von Martin Harnik, der jedoch an Gäste-Goalie Vukasin Poleksic scheiterte. Solche Aktionen gab es mehrere, die spielentscheidende Tor-Chance kam jedoch von Österreichs linker Seite.

Die Startaufstellungen: Österreich tritt im klassischen 4-2-3-1-System an, Arnautovic und Harnik drängen des öfteren zur Mitte. Auch Montengro spielt ein simples 4-2-3-1-System, Nikolic agiert etwas offensiver als Zverotic.

Dort hatten Fuchs und Arnautovic mit Stefan Savic ihren Spaß. Der talentierte Fiorentina-Innenverteidiger, der im Nationalteam rechts aushelfen muss, war gegen die beiden ÖFB-Legionäre überfordert.

Fehler 2: Scheunentor rechts hinten

„Er war vielleicht nervös, weil er keine Hilfe von seinem Vordermann Fatos Beciraj hatte“, sagte Brnovic und diagnostizierte überhaupt ein Problem seines Teams an den Flanken: „In der ersten Hälfte sind die Österreicher oft über die Seiten durchgekommen.“

Zog Arnautovic nach innen, hatte Fuchs viel Platz an der Linie. So in der 15. Minute, als Rubin Okotie nach Flanke des Schalkers am Tormann scheiterte. Wenig später machte es der 1860-Profi jedoch besser, als Arnautovic gleich zwei Montenegriner, darunter Savic, stehen ließ.

Das Tor zum 1:0 leitete übrigens Julian Baumgartlinger mit einem Pass auf die linke Seite ein. Der Mainzer machte genauso wie David Alaba eine überragende Partie. Das verdeutlicht nicht zuletzt ein Blick auf die Statistiken, die im LAOLA1-LIVE-Ticker zu finden sind. Die beiden ÖFB-Sechser lieferten mit 84 (Alaba) sowie 81 (Baumgartlinger) Ballkontakten die meisten des Spiels ab.

Fehler 3: Zu wenig Druck auf die Doppelsechs

Von den Montenegrinern wurden die beiden Deutschland-Legionäre kaum unter Druck gesetzt. „Ich denke, dass wir viele Freiräume hatten“, bemerkte Baumgartlinger. „Dadurch, dass Montenegro versucht hat, im Spielaufbau jemanden zwischen die Passwege zu stellen, haben wir uns mehr in den Halbräumen positioniert“, so der 26-Jährige weiter.

Beim Herausspielen wechselten sich Alaba und Baumgartlinger geschickt damit ab, wer zwischen die Innenverteidiger abkippte. Mit Hilfe dieser gestaffelten Aufstellung konnten leichte Pressing-Ansätze der Gäste leicht umspielt werden. Auf der anderen Seite funktionierte das Fore-Checking der Österreicher recht ordentlich. Zlatko Junuzovic und Okotie liefen konsequent die Innenverteidiger an, was diese zu hohen Bällen zwang.

Manche davon konnte Stürmer-Star Mirko Vucinic zwar behaupten, doch das war in der ersten Hälfte auch schon das einzige Offensiv-Mittel der Montenegriner. Konter-Angriffe scheiterten zumeist an der hervorragenden Defensiv-Arbeit von Baumgartlinger und Alaba, die viele Pässe bereits unmittelbar nach Ballverlust abfingen.

Österreich Montenegro
Ballbesitz 56,6% 43,4%
Zweikämpfe 52,5% 47,5%
Eckbälle 9 3
Torschüsse 21 11
Torschüsse außerhalb Strafraum 6 6
Torschüsse innerhalb Strafraum 15 5
Kopfballchancen 2 1
Abseits 4 0
Fouls 15 18

Mit Jovetic wird es gefährlicher

Nach der Pause gewann Montenegro durch die Einwechslung von Stevan Jovetic im Angriff an Sicherheit. Mit Hilfe des ManCity-Stars, der sich hinter Vucinic als hängende Spitze einordnete, konnte der Ball vorne öfters behauptet werden.

Dennoch vergab Österreich weiterhin eine Chance nach der anderen. Mit Fortdauer des Spiels ergaben sich immer mehr Räume für Konter, die kläglich vergeben wurden. Als sich andeutete, dass das Spiel in der Schlussphase zur Zitterpartie werden könnte, brachte Koller Stefan Ilsanker als defensive Absicherung für Zlatko Junuzovic. Der Salzburger half den beiden Innenverteidigern gegen Jovetic und Vucinic aus. Zudem diente er als gute Waffe gegen die steigende Anzahl an hohen Bällen, die sich in Richtung ÖFB-Strafraum senkte.

Letztendlich mussten die knapp 45.000 Fans im Prater-Oval auch deswegen so lange um den Sieg bangen, weil ihr Team zu hektisch spielte. „Ich habe die Ruhe vermisst, den Ball auch einmal länger zirkulieren zu lassen. Vor allem aber in der Schlussphase hätten wir den Gegner mehr laufen lassen müssen“, bemängelte Teamchef Koller.

Fazit: Überzeugende ÖFB-Leistung

Montenegro-Coach Brnovic, der das Fehlen eines „Organisators“ im Mittelfeld monierte, bewies mit seinen taktischen Entscheidungen nicht gerade das glücklichste Händchen. Das soll aber keinesfalls die starke Leistung des ÖFB-Teams schmälern.

Gegenüber der letzten Qualifikationsrunde hat die Koller-Elf im Spielaufbau einen Schritt nach vorne gemacht. Neben der hervorragend harmonierenden Doppelsechs sind auch die beiden spielstarken Innenverteidiger immer für einen gefährlichen Vertikalpass gut. Zudem präsentierten sich gegen Montenegro auch die beiden Flügelachsen sowie der bewegliche Okotie in Angriffslaune.

Einen Vorsprung ruhig nach Hause zu spielen – daran muss das Nationalteam aber noch arbeiten.

 

Jakob Faber

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