"Manchmal werden Sachen gesagt, die nicht stimmen“

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Österreich?

Knapp 24 Stunden vor dem Ankick im ausverkauften Ernst Happel-Stadion ist Brasilien das ÖFB-Team lediglich eine Randnotiz wert.

„Wir haben das Match gegen Russland gesehen. Österreich hat eine kompakte, schnelle Mannschaft, die Qualität besitzt. Sie sind gut im Rhythmus und haben bisher gute Ergebnisse in der EM-Qualifikation gezeigt“, erklärt Teamchef Carlos Dunga höflich.

Weitaus mehr Aufmerksamkeit erhält dafür die „Causa Thiago Silva“.

Der Ex-Kapitän soll am Sonntag in brasilianischen Medien Kritik an Dunga und Superstar Neymar geäußert haben. Grund dafür sei zum einen seine Degradierung und die Bestellung von Neymar zum neuen Spielführer sowie das Training des 51-Jährigen.

Vor allem der Verlust der Kapitänsschleife soll dem PSG-Legionär ein Dorn im Auge sein, weil dies angeblich ohne jegliche Kommunikation über die Bühne gegangen sei.

Ein Missverständnis

Doch scheinbar sei alles nur ein großes Missverständnis gewesen. Denn nachdem sich die Geschichte schnell verbreitet hat, rudert der Innenverteidiger am Montag kurz vor dem Abschlusstraining zurück.

„Ich bin ein ehrlicher Mensch, versuche immer das zu sagen, was ich glaube. Ich habe nicht gesagt, dass das Training schlecht ist, sondern lediglich, dass es für mich schwer ist, weil ich erst seit kurzem meine Verletzung auskuriert habe. Die ganze Geschichte wurde falsch interpretiert. Das belegen die Audio-Aufnahmen“, berichtet der 30-Jährige, der deswegen das Gespräch mit dem Teamchef suchte.

„Ich bin heute früher aufgestanden und habe gleich den Trainer aufgesucht, um die Sache klarzustellen, weil ich gewusst habe, dass er mit meinen Aussagen konfrontiert wird. Ich wollte eine schlechte Stimmung vermeiden. Ich war noch nie ein Spieler, der so polemische Aussagen getätigt hat. Der Trainer hat es super aufgenommen, jetzt sind wir wieder gut. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Und Neymar ist wie ein Bruder für mich. Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis, und das wird auch so bleiben.“

Für Dunga ist das Thema erledigt

Für Dunga ist das Thema erledigt. „Alles ist ruhig. Wir arbeiten gut, sind Profis.  Jeder hat das Recht, sich auszudrücken. Bei uns herrscht Demokratie und Meinungsfreiheit.“

Die Entscheidung, Neymar zum Kapitän zu machen, sei bei seinem Amtsantritt vom gesamten Trainerstab beschlossen worden.

„Ich respektiere den Werdegang eines jeden Spielers, aber wir haben unsere Planung eben so gemacht. Man muss sich im Team alles verdienen, erarbeiten. Wir suchen aber sowieso nicht nur eine, sondern verschiedene Leitfiguren.“

Und was sagt eigentlich Neymar zu den angeblichen Äußerungen von Thiago Silva?

„Manchmal werden Sachen gesagt, die gar nicht stimmen. Es gibt kein Problem zwischen mir und Thiago Silva. Es ist nichts passiert, wir sind wirklich gute Freunde und werden das auch bleiben. Wegen der Kapitänsschleife wird unsere Freundschaft nicht zerbrechen.“

Tipp von Neymar

Die Angelegenheit ist auch für ihn abgehakt. „Wir haben uns heute zusammengesetzt und geredet. Ich habe ihm als Freund gesagt, dass er mit seinen Worten aufpassen muss, was er sagt. Er soll solche Sachen lieber intern besprechen, als an die Presse zu gehen.“

Über den genauen Inhalt schweigt der 22-Jährige. „Als Kapitän möchte ich solche internen Sachen nicht nach außen tragen. Wir müssen vorsichtig sein, mit dem was wir sagen. Die Presse kann das  gut oder schlecht auslegen.“

Der Barcelona-Kicker glaubt jedenfalls, dass es seinem Teamkollegen grundsätzlich darum geht, „dass er nicht zum Spielen kommt und nicht um die Kapitänsfrage. In Wahrheit sitzt niemand gerne auf der Bank. Wenn ich auf der Bank sitzen würde, wäre ich auch sehr traurig. Jeder muss schauen, dass er seinen Platz in der Selecao behaupten kann.“

Superstar fit und in Hochform

Während Silva nach der WM verletzungsbedingt die ersten vier Spiele unter Neo-Teamchef Dunga verpasste und erst gegen die Türkei wieder im Kader stand (nur Ersatz), präsentiert sich Neymar vor dem Wien-Gastspiel in bestechender Form.

Nach seinen zwei Treffern und einem Assist beim 4:0 in der Türkei schraubte der herausragende Spieler des Rekordweltmeisters seine Gesamtbilanz im gelben Teamdress auf 42 Tore und 24 Vorlagen in 59 Länderspielen.

Mit Neymar ist Brasilien seit 17 Spielen ungeschlagen (15 Siege, 2 Unentschieden). Dementsprechend zuversichtlich ist der Ausnahmekönner für das Match gegen die Koller-Elf.

„Ich fühle mich sehr gut auf dem Platz und bin glücklich, dass wir mit mir schon so lange unbesiegt sind. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr ungeschlagen beenden können.“

„…das nehme ich nicht so ernst“

Die Rolle des Kapitäns möchte er nicht überbewerten. „Ich habe mich nie wirklich darum gekümmert, ob ich Kapitän sein werde oder nicht. Viele sagen, dass man nur mit der Schleife ein Leader sein kann, aber ich nehme das nicht so ernst“, gesteht der Superstar, der seine Magen-Darm-Probleme überwunden hat.

Dass die Brasilianer Österreich als Gewinner verlassen wollen und das Match definitiv nicht auf die leichte Schulter nehmen, zeigt zudem die hohe Intensität im Abschlusstraining.

Die intensiven Trainingseinheiten sind für Dunga aber selbstverständlich und haben nichts mit dem Gegner zu tun.

„Wenn man einen Ferrari hat, kann man nicht trainieren wie mit einem Go-Kart. Wenn das Spiel schnell ist, muss man auch schnell trainieren. Wenn man langsamer trainiert und im Spiel dann plötzlich auf schnell umschaltet, vermehren sich die Fehler“, meint der Coach abschließend.

 

Martin Wechtl

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