Versprechen eingelöst, letzte EM-Chance ausgelassen

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Das war sie nun also, die letzte Chance auf die Qualifikation für die EM-Endrunde 2012.

 

Mit dem 0:0 im alles entscheidenden Heimspiel gegen die Türkei ist auch die letzte theoretische Möglichkeit dahin.

 

Trotz allem verabschiedete sich das ÖFB-Team mit Anstand vom großen Traum und konnte das Versprechen, das 2:6-Debakel gegen Deutschland auszumerzen, in die Tat umsetzen.

 

„Letztendlich ist es für uns zu wenig, jetzt haben wir keine Chance mehr weiterzukommen. Wichtig war aber, dass wir uns für die Deutschland-Partie rehabilitieren. Das ist uns im Großen und Ganzen sehr gut gelungen“, fasste Franz Schiemer zusammen.

 

Zur Wiedergutmachung fehlte nur das Tor


Mit zwei Veränderungen in der Startelf – Pascal Grünwald ersetzte Christian Gratzei und Paul Scharner erbte den Platz von Florian Klein – war die Constantini-Elf von der ersten Minute an auf Wiedergutmachung aus.

 

„Wir sind anders in dieses Spiel gegangen, haben mehr auf unsere Ordnung geschaut und versucht, unser Spiel zu spielen“, kannte David Alaba, der statt im defensiven Mittelfeld wieder links eingesetzt wurde, das Erfolgsrezept.

 

Tatsächlich präsentierte sich das ÖFB-Team kompakter, kombinierte gefällig und ließ dem Gegner kaum Raum, um sich zu entfalten. Vor allem in der ersten Halbzeit konnte die rot-weiß-rote Auswahl spielerisch und kämpferisch überzeugen.

 

Einziges Manko: Das Tore schießen. Arnautovic und Scharner probierten es vergebens aus der Distanz, Alaba ließ die komplette Türkei-Abwehr schlecht aussehen, setzte aber den Schuss deutlich neben das Tor.

Wir können uns nichts vorwerfen“


„Wir können uns nichts vorwerfen. Wir sind gelaufen, gesprintet, haben versucht zu kombinieren und den Abschluss gesucht. Wir haben phasenweise sehr guten Fußball gezeigt, aber für einen Sieg hat es dann leider doch nicht gereicht“, so Schiemer weiter.

 

Das kräfteraubende Spiel forderte seine Opfer. So konnten Alaba und Co. im zweiten Durchgang nicht mehr jenes Tempo gehen, wie noch in den ersten 45 Minuten.

 

„Alaba hat natürlich Wege gemacht, bei denen er irgendwann dann auch müde werden muss. Ich werde aber kein negatives Wort über Alaba verlieren. Der Junge ist 19 Jahre alt“, war Teamchef Dietmar Constantini von der Leistung des Bayern-Legionärs angetan.

 

Glück hatte sein Team allerdings, als Yilmaz per Kopf die Latte traf, sonst war der Sieg allerdings in Reichweite. Den Vorwurf, in der entscheidenden Phase zu wenig Risiko genommen zu haben, lässt der Tiroler Chefbetreuer aber nicht auf sich sitzen.

 

Zu wenig Risiko und das nötige Glück


„Ich bin sicher kein Trainer, der nicht einmal riskiert. Aber ich kann jetzt nicht die ganze Mannschaft umdrehen in einer Situation, in der es gar nicht so schlecht ausgeschaut hat.“

 

Tatsächlich hätte er alles richtig gemacht, wenn Martin Harniks Treffer in der 84. Minute nicht wegen angeblichen Abseits aberkannt worden wäre.

Letztendlich musste man im rot-weiß-roten Lager aber doch zufrieden sein, nicht als Verlierer vom Platz zu schleichen. Denn nach Foul von Debütant Pascal Grünwald an Yilmaz, fand die Türkei in der allerletzten Minute der regulären Spielzeit doch noch die Chance auf den Sieg vor.

 

Der Austria-Keeper parierte den Strafstoß von Arda Turan, der sich laut Paul Scharner „wohl in den Arsch beißen wird.“ „Ich bin einfach glücklich, dass wir doch noch das 0:0 gehalten haben. Am Ende haben wir Glück gehabt, dass sie den Elfer verschossen haben. Der Sieg wäre aber unverdient gewesen.“

 

Verpasste EM-Chance „schmerzt sehr“


Teamchef Constantini war mit der gezeigten Steigerung auf dem Platz zufrieden. „Man muss sehen, dass wir mit der Türkei auf Augenhöhe waren. Erst in den letzten 15 Minuten waren die Türken stärker, nachdem sie die Sicherheit hatten, hier keine zwei Tore mehr zu bekommen.“

 

Zwei Tore, die so wichtig gewesen wären, um die Chance auf ein EM-Ticket am Leben zu erhalten. Den Spielern war die Enttäuschung trotz couragierter Vorstellung anzusehen.

 

„Das schmerzt sehr. Auch wenn wir Außenseiter waren, hätten wir doch Chancen gehabt, wenn wir in den entscheidenden Partien gegen Belgien und Türkei konzentrierter gewesen wären“, so Schiemer.

 

Der Ärger war auch bei Emanuel Pogatetz groß, erneut nicht die Qualifikation für ein großes Turnier aus eigener Kraft geschafft zu haben.

 

Letzte Chance für Constantini?


Während gegen Kasachstan und Aserbaidschan nur mehr zählt, sich ordentlich zu verabschieden, findet Scharner doch positive Aspekte, die dafür sprechen, dass sich die junge Mannschaft in den kommenden Jahren doch noch zu einer konkurrenzfähigen Truppe entwickeln kann.

 

„Man hat heute gesehen, dass wir als Team aufgetreten sind. Im Deutschland-Spiel ist mir von der Tribüne aufgefallen, dass teilweise einzelne Spieler absammeln gegangen sind und nur alleine probiert haben, zu pressen. Das funktioniert im internationalen Fußball nicht. Ich glaube, dort ist der Hebel anzusetzen. Wir müssen uns als Team präsentieren, gemeinsam den Ball erobern und nach vorne spielen.“

 

Ob an dieser Stelle noch Constantini den Hebel ansetzen wird, steht in den Sternen. Ein klärendes Gespräch mit Präsident Leo Windtner über die Zukunft des Teamchefs steht noch aus.

 

„Das ist nicht meine Entscheidung, sondern jene des Präsidenten“, gibt sich der Tiroler, der seinen Vertrag erfüllen will, wortkarg. Möglicherweise war Österreichs letzte Chance auf ein EM-Ticket auch Constantnis letzte Chance, sich für eine weitere Zukunft im ÖFB zu empfehlen.


Alexander Karper/Peter Altmann/Christian Eberle

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