ÖFB-Elf jubelt: "Das waren richtige Big Points"

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„Genau so ein Spiel mussten wir einmal gewinnen. Es war einfach höchste Zeit, dass wir ein Schweinsspiel für uns entscheiden.“

Zlatko Junuzovic brachte Österreichs 2:1-Erfolg in Moldawien auf den Punkt. „Es war, wie wir in den letzten Tagen angekündigt haben: eine richtig zache Partie“, so der Bremen-Legionär.

Entsprechend groß war im ÖFB-Lager die Erleichterung, dass man am Freitagvormittag trotzdem mit drei Punkten im Gepäck die Heimreise antreten darf – ein Umstand, der bei Rot-Weiß-Rot gerade in Pflichtspielen in den vergangenen Jahren Seltenheitswert hatte.

So durfte sich Julian Baumgartlinger über einen „dreckigen Auswärtssieg“ freuen und Kapitän Christian Fuchs über „keinen schönen Sieg, aber einen Arbeitssieg“.

„Hatten zu viele leichte Ballverluste"

Worte, die beschreiben, dass in den 90 Minuten von Chisinau nicht unbedingt die feine Klinge ausgepackt, dafür jedoch bis zuletzt gefightet wurde.

Der Lohn: „Das waren richtige Big Points“, betonte Junuzovic mit einem Auge auf die beiden Unentschieden in den Parallelspielen der EM-Qualifikations-Gruppe schielend – Montenegro kam in Liechtenstein nicht über eine Nullnummer hinaus, Schweden und Russland trennten sich 1:1. Für das Nationalteam war es so gesehen zumindest ergebnistechnisch ein Tag wie gemalt.

Leistungstechnisch war es freilich kein Sterntag. „Wir konnten nicht unser bestes Spiel zeigen, hatten zu viele leichte Ballverluste. In der Pause habe ich die Mannschaft gebeten, noch konzentrierter dranzubleiben, die Pässe gut zu spielen, auf die Ballannahmen und -mitnahmen zu achten. Das hat dann teilweise geklappt, wir hatten jedoch auch in der zweiten Halbzeit zu viele einfache Ballverluste“, monierte Teamchef Marcel Koller.

Zahlreiche seiner Schützlinge schoben dieses Problem auf den Zustand des Rasens im Zimbru-Stadion. „Katastrophal, nicht einmal regionalligareif“, schimpfte etwa Aleksandar Dragovic.

„Sie haben sich taktisch sehr clever verhalten“

„Ruhe kannst du nur ins Spiel bringen, wenn du den Ball länger halten kannst. Der Platz schaut von außen sehr gut aus. Das haben wir uns auch gedacht, als wir zum Abschlusstraining gekommen sind. Aber wenn man spielt, merkt man erst, wie holprig er ist. Das macht es extrem schwierig“, versuchte Florian Klein zu erklären, warum das Kombinationsspiel nicht so flüssig lief.

Koller hält von Begründungen wie diesen wenig: „Wir müssen jetzt nicht über Platz, Ball, Luft, Wetter, Sonne oder Flutlicht sprechen. Dann ist halt auch entscheidend, dass man sich mehr konzentriert und abruft, was man kann.“

Wie schwierig es auch über die Seite war, schilderte Marko Arnautovic: „Als Flügelspieler hatte ich immer zwei Männer bei mir, da war es schwierig, etwas zu machen.“

„Beide Elfmeter waren komisch“

Also mussten Standards her, um Tore zu erzielen – eigentlich keine klassische Stärke des ÖFB-Teams. Der Siegtreffer zum 2:1 resultierte aus einem Eckball von Fuchs, den Janko per Kopfball im Netz versenkte. Aufgrund seiner Roten Karte sollte der Matchwinner schließlich zum „tragischen Helden“ dieser Partie werden.

Die beiden Treffer davor resultierten jeweils aus umstrittenen Elfmetern. Jenen zur Führung Österreichs holte Janko heraus, den zum Ausgleich der Gastgeber verschuldete Prödl, der diesbezüglich die Welt nicht ganz verstand:

„Es gab ein Zerren von ihm, es gab ein Zerren von mir, aber er hat nicht einmal reklamiert, dass es Elfmeter geben müsste. Es war für mich so überraschend. Beide Elfmeter waren komisch. Wenn du solche Elfmeter gibst, wird es demnächst pro Spiel fünf Elfmeter geben.“

Auffallend ist jedenfalls, dass in den ersten zwei Qualifikations-Spielen alle drei ÖFB-Tore und die beiden Gegentreffer jeweils aus ruhenden Bällen resultierten, während noch kein Treffer aus dem Spiel heraus fiel.

„Keine großartigen Luftsprünge“

Auch wenn es nicht schön war: Ein Sieg ist ein Sieg. „Wir haben im Vorfeld darüber gesprochen, Auswärtsspiele zu gewinnen – egal wie. Das ist heute ein bisschen so gewesen. Wir haben alles in die Waagschale geworfen, dass wir mit dem Sieg davon kommen. Das ist alles, was wir wollten“, nahm Baumgartlinger die drei Punkte auch ohne Glanzleistung gerne mit.

In einer Gruppe, in der sich die Kontrahenten augenscheinlich gegenseitig die Punkte wegnehmen, können gerade die gegen Underdogs eingefahrenen oder liegengelassenen Zähler entscheidend sein.

„Wir brauchen wegen der Art und Weise, wie wir gespielt haben, keine großartigen Luftsprünge machen – außer über die drei Punkte. Das ist natürlich toll, dass wir die mitnehmen“, verdeutlichte Prödl.

Nun gilt es bereits am Sonntag, im Happel-Stadion gegen Montenegro, auf diesem Erfolgserlebnis aufzubauen und die Ausgangsposition weiter zu verbessern.

Klein: „Wir haben den Sieg geholt, umso wichtiger ist, dass wir gegen Montenegro nachlegen, denn damit könnten wir den Auswärtserfolg bestätigen.“

Peter Altmann

Moldawien Österreich
Ballbesitz 34,3% 65,7%
Zweikämpfe 38,4% 61,6%
Eckbälle 3 5
Torschüsse 11 13
Torschüsse außerhalb Strafraum 4 6
Torschüsse innerhalb Strafraum 7 7
Kopfballchancen 0 3
Abseits 1 3
Fouls 18 10

Diesbezüglich stellte auch die moldawische „Menschenmauer“ ein nur schwer überwindbares Hindernis dar. Der Underdog trat mit einer Fünferkette an. „Sie haben sich taktisch sehr clever verhalten und uns das Leben schwer gemacht“, bekannte Baumgartlinger.

Dies veränderte auch ein wenig das Aufgabengebiet des Mainz-Legionärs, der diesmal oftmals der offensiver orientierte Sechser war, während sich David Alaba gerne fallen ließ und das Spiel von weiter hinten aufbaute.

„Mussten den Stil ein bisschen verändern“

„Der Hintergedanke war die Fünferkette Moldawiens. Das haben wir schon vor dem Spiel geahnt, dann hat es sich bewahrheitet. Es war schwierig, dagegen anzuspielen, aber wir haben versucht, ein bisschen zu rochieren, dass sich Zlatko Junuzovic zwischen den Linien bewegt und sich David und ich ab und zu abwechseln. So haben wir immer wieder die Zone zwischen Abwehr und Mittelfeld gefunden“, erläuterte Baumgartlinger.

Durch die Mitte ging jedoch nur wenig. Für Dragovic hat man es vor allem vor der Pause zu oft mit „gehobenen Bällen in die Mitte versucht, denn wegen der drei kopfballstarken Innenverteidiger ist es drei gegen eins sehr schwierig“.

Auch Prödl bekannte: „Ob Dreier- oder Viererkette ist egal, es ist keine große Überraschung, aber natürlich mussten wir unseren Stil ein bisschen ändern, viel mehr über die Flanken kommen und Überzahl schaffen. Das ist uns nicht immer gut gelungen, aber in den entscheidenden Phasen schon. Aus gewissen Situationen, in denen wir dann durchgekommen sind, müssen wir natürlich mehr herausholen.“

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