"Nicht vorher groß reden"

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Koller: "Man muss im Fußball demütig sein"

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Österreichs Nationalteam hat am Sonntag in Stegersbach die Vorbereitung auf die EM-Qualifikationsspiele am Donnerstag in Moldawien und drei Tage später in Wien gegen Montenegro aufgenommen.

Vor der ersten Einheit machte sich ÖFB-Coach Marcel Koller im Gespräch mit der APA Gedanken über die Problemzonen im Team und die Erwartungshaltung vor den Duellen mit zwei vermeintlichen Außenseitern.

Frage: Was antworten Sie jenen Leuten, die von Pflichtsiegen gegen Moldawien und Montenegro sprechen?

Marcel Koller: Dass es nicht schlecht wäre zu gewinnen, diese Aufgabe aber auch nicht einfach wird. Warum sagen diese Personen das? Haben sie ein Spiel von Moldawien oder Montenegro gesehen? Wahrscheinlich nicht. Ich habe von diesen Mannschaften insgesamt 22 Spiele gesehen und weiß, wie sie ungefähr spielen könnten. Es wäre gut, wenn wir nicht vorher groß reden, dass wir sechs Punkte holen werden, sondern es auf dem Platz zeigen.

Frage: Wann wird es so weit sein, dass die österreichische Nationalmannschaft auswärts gegen einen Gegner der Kategorie Moldawien mit der Gewissheit antritt, dieses Spiel auch zu gewinnen?

Koller: Ich hoffe, dass das so nie der Fall sein wird, weil es auf eine gewisse Überheblichkeit hindeuten würde. Man muss im Fußball demütig sein, zwar die eigenen Qualitäten auf den Platz bringen, und das mit geschwellter Brust, aber nicht wie ein Gockel. Wir sind davon überzeugt, dass wir in Moldawien gewinnen können, wenn wir das umsetzen, was wir uns vornehmen.

Frage: Wie steht es wirklich um die oft beschworene positive Entwicklung der Nationalmannschaft? Problembereiche wie etwa im Tor oder im Angriff gibt es nach wie vor.

Koller: Solche Dinge werden immer wieder aufgebracht, aber wir versuchen, die Spieler seriös auszuwählen, von denen wir das Gefühl haben, dass wir mit ihnen Spiele gewinnen können.

Frage: Aber sehen Sie die mangelnde Spielpraxis von Robert Almer und Marc Janko nicht als Problem?

Koller: Natürlich wäre es schön, wenn sie spielen würden. Doch wir sind in Österreich - wir können nicht davon ausgehen, dass alle Teamspieler bei ihren Vereinen immer spielen und am besten noch Führungsaufgaben übernehmen. Klar ist, dass jeder Spieler immer weiter an sich arbeiten muss und sich noch mehr in den Hintern kneifen muss.

Frage: Kann man von der aktuellen Nationalmannschaft mit all ihren Stärken und Schwächen überhaupt die Teilnahme an der EM 2016 fordern?

Koller: Gefordert wird schnell etwas. Es ist ja schon gleich nach der Auslosung gefordert worden, dass wir uns qualifizieren müssen. Aber wie kann ich so etwas fordern, wenn ich noch nicht einmal die Mannschaften kenne? Vielleicht sagt die Zuordnung zu den Töpfen ein bisschen etwas, doch Montenegro ist in der Weltrangliste nur ein paar Plätze hinter uns. Man muss sich informieren. Ich bin jetzt informiert und kann sagen, so einfach ist es nicht. Es wird bis zum Schluss eng sein.

Frage: Durch das 1:1 gegen Schweden hat der öffentliche Optimismus rund um das ÖFB-Team offensichtlich einen Dämpfer bekommen. Haben Sie Verständnis dafür?

Koller: Ich verstehe es. Die Leute kommen ins ausverkaufte Stadion, es herrscht super Stimmung und alle glauben, wir besiegen die Schweden, weil wir sie ja vor einem Jahr auch besiegt haben. Dann gewinnt man nicht und es ist Enttäuschung da. Das ist normal, aber ich glaube, die Leute stehen nach wie vor hinter uns. Viele Fans sind nach dem Match zu mir gekommen und haben gesagt, wir haben ein starkes Spiel gemacht. Da war ich überrascht, denn in den Zeitungen habe ich eigentlich etwas anderes gelesen.

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