"Spiele nicht wie ein klassischer Innenverteidiger"

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„Weiß du noch, wann du das letzte Mal verloren hast?“

Wer auf diese Frage ohne gröbere Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis ganz entspannt mit „Nein“ antworten kann, muss ein Spieler des FC Bayern München und des österreichischen Nationalteams sein.

David Alaba konnte letztlich doch noch auf die Sprünge geholfen werden. Im deutschen Supercup ging das Elfmeterschießen gegen den VfL Wolfsburg verloren – eine verschmerzbare Niederlage.

Ansonsten stehen in allen elf Pflichtspielen dieser Saison Siege zu Buche, zum Teil sehr klare wie die beiden 5:1-Heimtriumphe gegen Wolfsburg und zuletzt gegen Verfolger Borussia Dortmund.

„Wir sind sehr gut gestartet, aber es ist noch der Anfang der Saison. Wir haben uns Ziele gesteckt, aber bis dahin ist es noch ein sehr, sehr weiter Weg“, betont Alaba und verdeutlicht, dass es nicht einfach sei, besagten Weg bis zum kommenden Sommer zu Ende zu gehen: „Dafür arbeiten wir jedoch sehr hart.“

„Ich sehe mich in Zukunft weiter vorne“

Der Wiener stand in allen Partien über 90 Minuten auf dem Platz, jeweils als Innenverteidiger. Daraus, dass die Position im zentralen Mittelfeld weiterhin seine Lieblingsposition sei, macht der 23-Jährige jedoch kein Hehl.

Teamchef Marcel Koller hat diesbezüglich bereits Kontakt mit Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer aufgenommen, ein konkretes Gesprächsergebnis kennt Alaba jedoch laut eigener Aussage nicht: „Ich habe es mitbekommen, aber ich weiß nicht, worüber sie sich unterhalten haben.“

Auch er selbst befinde sich bezüglich dieses Themas im Austausch mit Sammer beziehungswiese Trainer Pep Guardiola:

„Ich weiß, dass ihnen bewusst ist, dass ich mich im Mittelfeld sehr wohl fühle. Aber mein Anspruch ist in erster Linie, so viele Spiele wie möglich zu machen. Ich spiele bei einem der besten Vereine dieser Welt. Mir ist bewusst, dass ich mehrere Positionen spielen kann, das habe ich in den letzten Monaten und Jahren auch bewiesen, aber sicherlich sehe ich mich in der Zukunft weiter vorne.“

„Spiele nicht wie der klassische Innenverteidiger“

Welche Perspektiven ihm diesbezüglich aufgezeigt wurden, ließ der 39-fache Internationale offen: „Das bleibt unter uns.“

Schon jetzt interpretiert er die ungewohnte Rolle jedoch auf seine eigene Art und Weise: „Ich spiele diese Position sicherlich nicht wie der klassische Innenverteidiger. Ich kann das, glaube ich, auch nicht anders. Ich versuche einfach mein Spiel einzubringen und spiele die Position wie ein Mittelfeldspieler. Der Spielaufbau ist dementsprechend auch anders als bisher.“

Mit Koller verfügt Alaba jedenfalls über einen Mitstreiter, wenn es um seine Positionierung geht. Unter dem Schweizer war er im Nationalteam bekanntlich stets im Mittelfeld eingeplant, auch als er beim FCB noch als Linksverteidiger aufgeboten wurde.

„Koller hat aus uns ein besonderes Team gemacht“

Wie bei vielen seiner Kollegen spürt man auch beim Superstar der ÖFB-Elf, wie sehr er sich eine weitere Zusammenarbeit mit dem 54-Jährigen wünschen würde, und zwar über die EURO 2016 hinaus.

Zuletzt wurde das Interesse des Schweizer Verbandes und von Borussia Mönchengladbach medial kolportiert. Alaba will dies nur am Rande mitbekommen haben, auch Koller selbst habe mit der Mannschaft nicht darüber geredet.

„Aber wir Spieler sind sehr froh und dankbar, dass er hier bei uns ist. Das versuchen wir ihm in den Spielen natürlich auch zurückzugeben. Er hat aus dieser Mannschaft das gemacht, was wir heute sind. Wir haben uns unter ihm weiterentwickelt, er hat die Mannschaft zusammengeschweißt und aus uns ein sehr besonderes Team gemacht“, lobt der Wiener, „der Anspruch ist heutzutage einfach ein anderer als vor vier Jahren bei seinem Amtsantritt.“

Noch keine der weltbesten Nationalmannschaften

Bei den Bayern spricht Alaba zurecht von einem der weltbesten Vereine, von einer der weltbesten Nationalmannschaften möchte er trotz des elften Platzes in der Weltrangliste jedoch noch nicht reden:

„Lassen wir die Kirche im Dorf. Sicher träumen wir von höheren Zielen, und Ziele, die wir uns stecken, wollen wir auch erreichen. Eines dieser Vorhaben haben wir jetzt einmal erreicht, aber der Weg ist noch nicht vorbei. Wir wollen noch mehr Ziele erreichen und weiter erfolgreich sein.“

Dies beginnt bereits mit den beiden abschließenden EM-Qualifikations-Begegnungen in Montenegro und gegen Liechtenstein.

„Es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, dass der Druck wirklich sehr hoch ist, so wie wir es schon einmal hatten“, gesteht Alaba, „aber wir haben zwei wichtige Spiele vor uns. Wir haben uns Ziele für diese Woche gesteckt und die wollen wir natürlich erreichen.“

Nachdenklichkeit über Müller-Tragödie

Konkret geht es dabei bekanntlich um zwei Siege, um den zweiten Topf für die EM-Auslosung abzusichern.

Dies sind wichtige Vorhaben, doch es gibt auch ein Leben abseits des Fußballs. Bayerns Rekordtorjäger Gerd Müller, der Alaba in der Bayern-Jugend betreut hat, ist an Alzheimer erkrankt.

FCB-Co-Trainer Hermann Gerland erzählte nach einem Besuch bei Müller: „Ich habe ihm dabei Grüße von seinen ehemaligen Spielern ausgerichtet, speziell von Thomas Müller, David Alaba und Bastian Schweinsteiger. Da kamen Gerd die Tränen. Er hat geweint.“

Alaba stimmt diese Tragödie nachdenklich: „Vor nicht so langer Zeit war er noch mein Trainer. Ich wünsche ihm nur das Beste und Gottes Segen.“

Peter Altmann

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