Ein Spielzug für ein Halleluja

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Taktik-Analyse: Sauberer Plan führt zu Erfolg

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Ein 5:0 klingt immer nach einem einfachen Sieg.

Drei Punkte im Vorbeigehen quasi.

Damit ein Sieg aber überhaupt so einfach aussehen kann, dafür braucht es einen Plan. Und genau diesen hatte Österreich gegen Liechtenstein parat.

Bestes Beispiel dafür sind die beiden ersten Tore. Diese Treffer waren keine Zufallsprodukte. Sie entstanden nach einem bestimmten Schema. 

Ein Schema, dass sich Marcel Koller scheinbar schon vor dem Spiel zurecht gelegt hatte. Genau damit wollte der Teamchef die Liechtensteiner Abwehr aushebeln und das gelang wunderbar.

Ein Spielzug, zwei Tore

Nach einer hektischen Anfangsphase, in der Liechtenstein frech nach vorne preschte, bekam das ÖFB-Team die Partie nach zehn Minuten in den Griff. Die Flügeln waren mit Außenverteidigern und äußeren Mittelfeldspielern konsequent doppelt besetzt. Dazwischen bot sich Zehner Zlatko Junuzovic für Kombinationen an. Offensichtlich wollte man die Liechtensteiner Mauer über Überzahlspiel auf den Flügeln sowie schnelle Seitenwechsel knacken.

Deswegen machte Österreich das Spielfeld breit, schnell wurde die Kugel umher gepasst. Nach 14 Minuten war es dann so weit: Auf der linken Seite fanden die Österreicher kein Durchkommen. Mit dem Pass zurück auf David Alaba wurde die Abwehr aus ihrer tiefen Staffelung gelockt.

Der Bayern-Profi nützte dieses Aufrücken zugleich und spielte den hohen Ball auf den rechten Flügel, wo Junuzovic und Martin Harnik erfolgreich das Führungs-Tor produzierten. 1:0 für Österreich.

Zwei Minuten später derselbe Spielzug auf der anderen Seite: Diesmal fand Alaba Marko Arnautovic mit seinem Wechselpass, dessen Hereingabe verwandelte Marc Janko. 2:0 für Österreich.

Die Aufstellungen: Österreich im bekannten 4-2-3-1-System gegen das tief stehende Liechtensteiner 4-5-1. 

Junuzovic erfüllt Aufgabe

Nach etwas mehr als einer Viertelstunde war die Partie dank dieser beiden ähnlich anzusehenden Pass-Schemen entschieden. Als Dreh- und Angelpunkt fungierte Alaba, der als „Quarterback“ von der Sechser-Position aus das Spiel dirigierte. Daneben gab Julian Baumgartlinger einen Verbindungsspieler zwischen Offensive und Defensive, der mit seinen Vorstößen das ein oder andere Loch riss.

Davor hatte Junuzovic die wichtigste Aufgabe der drei. Er schwirrte zwischen den Liechtensteiner Linien umher und sollte sich an den Seiten für Doppelpässe anbieten. Etwas, was ihm nicht nur vor dem 1:0 mit Bravour gelang (siehe Einzelbewertung).

Diese Staffelung im zentralen Mittelfeld blieb über 90 Minuten bestehen. Nur die personelle Besetzung der Rollen änderte sich. Es wurde eifrig rochiert. Mit Fortdauer des Spiels ging Alaba immer mehr in die Tiefe, während Baumgartlinger dahinter absicherte.

Offenbar eine Forderung Kollers, zumindest hat der Schweizer während der ersten Spielhälfte immer wieder mit seinem Star-Spieler darüber diskutiert. "Auf der einen Seite hat er die Räume hinten gesucht, weil er dort mehr Platz hatte, als zwischen den Linien. Andererseits hat aber gerade er die Qualität, sich in diesen engen Räumen zu bewegen und den Ball zu behaupten“, gab der Teamchef zu Protokoll.

Das Pressing funktioniert

Zweiter Erfolgsfaktor neben dieser simplen Offensiv-Strategie waren Pressing und Gegenpressing der Österreicher. Nach den anfänglichen Problemen gelang es der ÖFB-Elf recht gut, bei Ballverlust sofort mit allen Spielern auf den Gegner Druck auszuüben.

So kamen die Liechtensteiner, die defensiv wie erwartet in einem 4-5-1 agierten, kaum aus der eigenen Hälfte heraus. Nebenbei führte dieses Gegenpressing auch zum 3:0, vor dem die Abwehr den Ball aufgrund des Drucks der Österreicher nur unzureichend klären konnte.

Im normalen Pressing hielten sich die Mittelfeldspieler dagegen eher mit allzu forschem Attackieren zurück. Man beließ es beim Fore-Checking der Offensiv-Akteure, das die Mannen aus dem Fürstentum schon genug unter Bedrängnis brachte und für einige Ballgewinne sorgte.

Die Liechtensteiner zeigten zwar einige starke Ansätze, letztlich war der Gegner aber doch eine Nummer zu groß. Immerhin sorgte in der zweiten Halbzeit die Einwechslung von Ex-Atletico-Nachwuchs-Kicker Dennis Salanovic offensiv für ein wenig Schwung über die linke Seite.

Liechtenstein Österreich
Ballbesitz 34,4% 65,7%
Zweikämpfe 41,5% 58,6%
Torschüsse 3 18
Torschüsse innerhalb Strafraum 2 13
Torschüsse außerhalb Strafraum 1 5
Eckbälle 1 3
Flanken 3 29
Abseits 2 6
Fouls 11 13

Fazit: Hausaufgaben erledigt

Das ÖFB-Team hat seine Hausaufgaben gemacht: Die Trainer, weil sie den Gegner sorgfältig analysiert und der Mannschaft einen sauberen Plan mitgegeben haben. Die Spieler, weil sie gegen die Nummer 123 der Weltrangliste die nötige Konsequenz und Einstellung an Tag gelegt haben.

Die Reifeprüfung von Vaduz wurde mit Bravour überstanden. Ein 5:0-Sieg gegen den vermeintlichen Fußball-Zwerg mag zwar einfach klingen, ist aber das Resultat einer gewissenhaften Vorbereitung.

Nicht umsonst meinte Julian Baumgartlinger: "Von dem, was wir uns vorgenommen haben, haben wir sehr viel umgesetzt. Das ist nicht immer der Fall, weil ab und zu nicht alles funktioniert. Aber heute hat der Plan wirklich funktioniert."

 

Jakob Faber

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