"Das geht direkt ins Herz"

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Arnautovic: "Einer meiner schönsten Momente"

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Österreich hat 5:0 gewonnen, also haben im Prinzip alle Spieler vieles richtig gemacht.

Dennoch herrschte im ÖFB-Lager nach der Gala in Liechtenstein Einstimmigkeit darüber, wer die speziellste Geschichte dieser Partie geschrieben hat, nämlich Marko Arnautovic.

„Heute hat er einen gewissen Leidensweg gehabt, er hatte eine Chance nach der anderen, irgendwie wollte der Ball nicht rein“, verdeutlichte Christian Fuchs.

Der Kapitän meinte natürlich die ersten 92 Minuten von Vaduz, sinnbildlich steht dieser Satz jedoch für die 1029 Tage seit dem letzten Nationalteam-Tor des 41-fachen A-Teamspielers am 1. Juni 2012 gegen die Ukraine.

„Unbeschreiblich, ein super Gefühl“

Darüberhinaus wartet der Stoke-Legionär auch in der Premier-League noch auf seinen ersten Saison-Treffer.

So gesehen war es irgendwie kitschig, dass er bei der souveränen Darbietung im Rheinpark-Stadion im wahrsten Sinne des Wortes bis zur letzten Sekunde warten musste, ehe er in Minute 93 für den Schlusspunkt sorgte und damit seine starke Performance an diesem Abend krönte.

„Natürlich wollte ich das Tor, aber auch wenn ich es nicht gemacht hätte, wäre ich stolz auf die Mannschaft, denn wir haben gewonnen. Man darf nicht vergessen, dass die Vorlage zum 2:0 auch von mir gekommen ist, da war ich ebenfalls unglaublich stolz. Dass mir dann in der letzten Sekunde noch das Tor gelingt, ist unbeschreiblich. Ein super Gefühl“, jubelte Arnautovic.

Ein Jubel, den er sich auf dem Spielfeld verkniff. Dafür konnte man mehr oder weniger zusehen, welche Last ihm von den Schultern fiel, ehe ihm seine enthusiasmierten Kollegen auf selbige klopften und sich ausnahmslos für ihn freuten.

„Das geht direkt ins Herz“

„Das gehört sicher zu meinen schönsten Momenten im Nationalteam. Alle Spieler sind gleich zu mir gekommen, sind auf mich gehupft und haben ‚Endlich, endlich‘ gesagt. Solche Mannschaftskollegen hat man nicht immer. Mein größter Respekt vor der Mannschaft und allen draußen – das heißt, nicht nur vor den Spielern, sondern auch den Zeugwarten, Masseuren oder Trainern.“

„So wie sie stolz auf mich sind, bin ich stolz auf sie. In der Kabine habe ich gehört, dass vom Zeugwart bis zum Tormann jeder gehofft hat, dass ich das Tor mache. Das ist schön zu hören und geht direkt ins Herz. Ich bin unheimlich stolz darauf.“

Arnautovic als Herz-Ass? Denkt man einige Jahre zurück, ist es in der Tat bemerkenswert, welchen Rückhalt er sich innerhalb des ÖFB-Teams erarbeitet hat. Für einen Aufreger oder gar handfesten Skandal war der einstige „Bad Boy“ schon länger nicht mehr gut, und auch auf dem Platz hat eine Weiterentwicklung stattgefunden.

 Die Klagen, dass sich der 25-Jährige nicht an der Defensivarbeit beteiligt, sind weitestgehend verstummt, da er sich längst nicht mehr scheut, nach hinten zu arbeiten. Auch in Vaduz stopfte er sehenswert das eine oder andere Loch.

„Mein Tor ging auch voll auf Markos Kappe“

„Marko ist nicht nur wichtig, wenn er Tore schießt. ´Gerade heute hat er wieder gezeigt, dass er defensiv sehr gut arbeitet und dass er sich sehr gut ins Team einfügt“, lobte etwa Martin Harnik, „dass er seine Leistung mit einem Tor gekrönt hat, freut uns alle sehr. Wir wissen um seine nicht ganz so leichte Situation im Verein. Deswegen ist es sicherlich gut, wenn er hier beim Team Kraft tankt.“

In den Geschichtsbüchern werden natürlich hauptsächlich Tore verewigt, aber auch ohne den Treffer hätte Arnautovic eines der erfreulichsten Kapitel seiner ÖFB-Geschichte geschrieben. Immer wieder kurbelte er über die linke Seite das rot-weiß-rote Spiel an und stach aus einer durchwegs guten Mannschaftsleistung als einer der Aktivposten heraus.

Das 2:0 bereitete er mustergültig vor, wofür sich Torschütze Marc Janko auch artig bedankte. Für den Sydney-Legionär war die Arnautovic-Story ohnehin das Highlight des Spiels:

„Mich freut es speziell für Marko, dem ja doch immer wieder quälende Fragen gestellt wurden, wann es wieder einmal so weit ist bei ihm. Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, dass er sehr, sehr viel für die Mannschaft arbeitet und immer Assists liefert. Ich denke hier an das Tor von Rubin Okotie im Montenegro-Spiel. Das war eigentlich auch Markos Tor. Genau wie meines heute, das ging voll auf Markos Kappe.“

„Ob er anschreibt oder nicht, ist im Endeffekt egal“

Als Angreifer weiß Janko natürlich, wie sich hartnäckige Torflauten anfühlen, wenngleich er die Diskussion um jene von Arnautovic nicht gänzlich verstand:

„Ich muss ehrlich sagen, ich habe es nicht ganz nachvollziehen können, weil Marko nicht wirklich ein gelernter Stürmer ist. Er ist mehr ein Außenspieler und eben dafür da, dass er uns Stürmer füttert, und das macht er überragend. Deswegen ist er ein sehr wertvoller Spieler für uns. Ob er anschreibt oder nicht, ist im Endeffekt egal. Wenn man den Ball nur noch über die Linie drücken muss, wie Rubin gegen Montenegro oder ich heute, ist es eigentlich sein Tor. Das sind dann nicht mehr die wirklich schweren Bälle.“

Trotzdem war dem Premier-League-Legionär nicht nur in Liechtenstein, sondern auch schon in zahlreichen Länderspielen davor, anzumerken, dass er sich nur zu gerne endlich wieder selbst in die Schützenliste eintragen möchte.

Tipps von Fuchs

In Vaduz nahm ihn deshalb im Spielverlauf Fuchs auf die Seite: „Er hatte eine Handvoll Möglichkeiten und wollte es erzwingen, was ihn auch auszeichnet, weil er ganz einfach geil auf das Tor war. Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass er noch seine Chance kriegt, und dass er das nächste Mal nicht nur blind und mit aller Gewalt draufhauen, sondern probieren soll, den Ball zu platzieren.“

Gesagt, getan. „Bei seinem Tor war der Ball nicht leicht zu nehmen, und da hat er ihn eben mit der Breitseite genommen, und nicht mit Vollspann“, so Fuchs.

Was Arnautovic besonders freute, war der Umstand, dass die Fans schon vor dem Treffer seine Leistung honorierten. Vorbei die Zeiten, in denen er sich mehr als einmal ein Pfeifkonzert anhören musste. Diesmal pushten icihn die Anhänger immer wieder mit Sprechchören.

„Sie haben gesehen, dass ich alles gegeben und probiert habe, unbedingt das Tor wollte. Ich habe mich reingehängt und versucht, jeden Ball zu erobern. Ich habe gehofft, dass vorne im Sechzehner der Ball wenigstens mit Glück zu mir kommt. Gott sei Dank hat ‚Sabi‘ mich dann in letzter Sekunde noch gesehen. Es war kein leichter Ball, aber den schwierigsten im ganzen Spiel habe ich dann gemacht.“

„Jetzt ist der Bann gebrochen“

Arnautovic betonte, dass er kein Spieler sei, der zu viel in die Vergangenheit schaut. Dass ihn seine Durststrecke verfolgte, musste er jedoch zugeben: „Natürlich ist es nicht einfach, wenn du in den Medien immer und überall hörst, dass keine Tore fallen. Jetzt ist der Bann gebrochen.“

Im Idealfall nachhaltig. Denn die Offensivkraft wäre nicht der erste Spieler, der nach einem erlösenden Treffer weitere folgen lässt. Dies würde sich wiederum im weiteren Qualifikationsverlauf als wertvoll erweisen.

Darauf bauen jedenfalls seine Mitspieler. „Hoffentlich kommt er in einen Lauf hinein“, meinte etwa Martin Hinteregger.

Janko ergänzte: „Ich hoffe, dieses Tor bleibt nicht allzu lange ein besonderer Moment, denn das hieße, dass er in den nächsten Spielen bald wieder treffen wird.“

Peter Altmann

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