"Es bringt gar nichts, Gerüchte zu befeuern"

Aufmacherbild
 

Zlatko Junuzovic betonte vor seiner Vertragsverlängerung bei Werder Bremen stets, dass dies der wichtigste Kontrakt seiner Karriere sei und er so früh wie möglich Klarheit über seine Zukunft haben wolle.

Bei Julian Baumgartlinger entwickelt sich selbige Causa anders. Der Vertrags-Poker mit Mainz bezüglich einer weiteren Zusammenarbeit ist immer noch in vollem Gange. Auch ein ablösefreier Wechsel im Sommer steht im Raum.

Eine entscheidende Frage: Auf dem hervorragenden Standing aus den ersten vier Jahren in Mainz aufbauen oder im Alter von 27 Jahren die Chance nutzen, einen anderen Verein, eine andere Stadt und vielleicht gar ein anderes Land kennenzulernen?

Baumgartlinger gibt Einblick in seine Motive und verrät zumindest bezüglich Liga seine bevorzugte Destination. Zudem spricht der Salzburger über die Herangehensweise für das anstehende EM-Qualifikations-Spiel in Liechtenstein.

JULIAN BAUMGARTLINGER…

…ÜBER SEINE ZUKUNFT:

Bei mir waren die Vorzeichen ein bisschen anders als bei Zlatko Junuzovic. Dadurch, dass ich vor Weihnachten leider eine Verletzung hatte und ausgefallen bin, hat sich das ein bisschen verzögert, weil man einfach abwarten musste, wie es weitergeht. Ich muss ehrlich sagen, ich habe keinen Stress, ich fühle mich momentan sehr wohl, es funktioniert alles super. Mit einer Entscheidung muss ich mich überhaupt nicht beeilen. Es laufen einige Gespräche, die sind auch sehr positiv. Aber wo es am Ende des Tages genau enden wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

…ÜBER DAS KOLPORTIERTE INTERESSE ANDERER VEREINE WIE HANNOVER ODER KÖLN:

Ich kann nur die Gespräche mit Mainz bestätigen. Alles andere sind Gerüchte, die gestreut worden sind. Es bringt auch gar nichts, das zu befeuern. Mit Mainz sind es wirklich gute Gespräche. Aber es ist eben noch nicht so, dass wir uns schon geeinigt haben. Alles andere, was an Gerüchten kursiert, ist normal, da wusste ich, dass das so kommt. Ich beschäftige mich jedoch erst mit konkreten Dingen.

…ÜBER DAS GERÜCHT, DASS WEST HAM INTERESSERT SEI:

Zum Gerücht kann ich gar nichts sagen, das habe ich auch nur aus der Zeitung erfahren. England ist natürlich eine Top-Liga. Aber so lange nichts Konkretes kommt oder am Tisch ist, beschäftige ich mich damit nicht.

…DARÜBER, OB ES WIE BEI JUNUZOVIC DER WICHTIGSTE VERTRAG SEINER KARRIERE SEI:

In unserem Alter, wir sind beide 27, ist es derzeit folgende Situation: Wir spielen fix, haben die Erfahrung, sind international mit dem Nationalteam auf dem Weg, eventuell etwas Größeres zu erreichen. Das ist eine sehr prägende Zeit und auch für mich ein sehr wichtiger Vertrag.

…ÜBER DEN NEUEN MAINZ-TRAINER MARTIN SCHMIDT:

Er ist ein ganz anderer Typ als Kasper Hjulmand, wobei ich auch von ihm sehr viel gelernt habe. Martin Schmidt ist Schweizer, ist aber schon sehr lange in Mainz, kennt den ganzen Verein, hat auch unter Thomas Tuchel sehr viel gelernt und bereits mitgewirkt. Das merkt man auch. Die Einflüsse von Tuchel sind nicht von der Hand zu weisen. Er versucht es einfach auch über Emotion und über die Spielweise, die wir uns über die Jahre zuvor angeeignet haben, nämlich dass wir sehr aggressiv verteidigen und eben ein unangenehmer Gegner sind. Das wollen wir wieder mehr verinnerlichen. Momentan funktioniert das natürlich sehr gut.

…ÜBER DIE FRAGE, OB ER AUF SEINEM STELLENWERT IN MAINZ AUFBAUEN ODER ETWAS NEUES KENNENLERNEN MÖCHTE:

Das sind auf jeden Fall Dinge, die man abwägen muss. Was auch eine Rolle spielt: Es ist nicht immer nur alles Fußball. Das muss man auch ganz klar sagen. Es gibt auch andere Lebenssituationen. Was stelle ich mir für mein Leben vor? Was kann ich vielleicht woanders noch mitnehmen? Eine Veränderung ist meistens auch eine Weiterentwicklung. Das habe ich persönlich immer als positiv empfunden. Letztendlich muss ich jedoch sagen, ich habe mich in diesen vier Jahren in Mainz wirklich sehr wohl gefühlt. Mit dem Trainerwechsel hat sich auch bei uns in der Mannschaft noch einmal etwas getan. Die Stimmung ist sehr gut.

…DARÜBER, OB SEIN FOKUS AUF DEUTSCHLAND LIEGT, ODER OB ETWAS ANDERES MITNEHMEN, EINE NEUE SPRACHE BZW. EINE NEUE LIGA BEDEUTEN KÖNNTE:

Theoretisch heißt das auch das, klar. Aber mein Fokus liegt schon eher auf Deutschland. Ich sehe die Liga auf Sicht als die ausgeglichenste in Europa, wenn nicht sogar die stärkste. Sie ist vor allem infrastrukturell solide – das sind Faktoren, die andere Länder gar nicht bieten können. Deswegen muss ich schon sagen, ist Deutschland eigentlich das Land, in dem ich mir meine Zukunft vorstellen kann.

Baumgartlinger steht beim ÖFB-Medientermin Rede und Antwort

…DARÜBER, DASS ER NUN IN MAINZ UND IM ÖFB-TEAM VON SCHWEIZERN TRAINIERT WIRD:

Mit Marcel Koller habe ich schon gescherzt, dass ich jetzt überall Schweizer Trainer habe. Das ist auch nicht schlecht, dann hat man zumindest eine Konstante. Dadurch, dass Martin Schmidt schon lange in Deutschland ist, hat er einige Sachen angenommen. Ich muss aber wirklich sagen, ein paar Übungsformen haben die beiden gemeinsam. Das ist wirklich witzig. Die müssen offensichtlich bei einem Schweizer Trainerlehrgang oft gemacht werden… (lacht) Beide haben gemeinsam, dass sie sehr kommunikativ, sehr positiv und sehr strukturiert sind. Das fällt auf jeden Fall auf. Es gibt nichts, was unbemerkt bleibt. Das täte ich fast dem Schweizerischen zuschreiben.

…DARÜBER, WELCHE EVENTUALITÄTEN DEM BISLANG SOUVERÄNEN NATIONALTEAM PASSIEREN MÜSSTEN, DAMIT MAN DIE EM-QUALI NOCH VERPASST:

Dass wir zum Beispiel ein Spiel wie am Freitag nicht gewinnen. Es stehen noch so viele Spiele auf dem Programm, daher sind noch so viele Punkte zu vergeben – auch für die Gegner. Die wissen ja deswegen auch, dass sie noch Chancen haben. Ich glaube aber, dass es für uns wichtig ist, dass wir uns nicht auf diese Sachen konzentrieren. Wir haben im Herbst gemerkt, dass man in einen Rhythmus und Flow kommt, wenn das Fokussieren auf das nächste Spiel und den nächsten Gegner bei uns funktioniert und die Ergebnisse dann auch kommen. Das gilt es auch im neuen Jahr wieder herzustellen.

…DARÜBER, OB IN VADUZ AUCH WEITSCHÜSSE WIE BEI SEINEM TREFFER IN TSCHECHIEN EIN ERFOLGSREZEPT SEIN KÖNNTEN:

Klar, wäre das auch ein Mittel. Der Abschluss beziehungsweise präzise zum Abschluss zu kommen, wird ein Thema sein. Wir müssen sie einfach beschäftigen und schauen, dass wir immer wieder Druck erzeugen. Wir müssen unser Spiel spielen, egal was rundherum passiert und was Liechtenstein macht. Wir haben Respekt vor dieser Aufgabe, aber ich glaube, dass wir uns auf uns konzentrieren müssen. Und da gehören eben solche Sachen auch dazu.

…DARÜBER, WAS ES ÜBER DEN KADER AUSSAGT, DASS ÖSTERREICH GEGEN RUSSLAND AUCH OHNE DIE MITTELFELD-ZENTRALE ALABA/BAUMGARTLINGER GEWONNEN HAT:

Einerseits Reife, andererseits eine unglaubliche Qualität und Breite im Kader. Es ist schon etwas Besonderes, welche Spieler wir noch im Kader haben, die noch gar nicht zum Einsatz gekommen sind – jetzt nicht nur auf die Zentrale bezogen, sondern auf das ganze Team. Das zeichnet uns absolut aus, ebenso wie der Konkurrenzkampf im Training vor dem Spiel. Das kitzelt vielleicht auch noch ein paar Prozent heraus, um wichtige Spiele wie Russland zu entscheiden.

…ÜBER SEINEN PERSÖNLICHEN FRUST, DASS ER NACH SEINEM GUTEN LÄNDERSPIEL-OKTOBER VERLETZUNGSBEDINGT PASSEN MUSSTE:

Ich war ziemlich frustriert, muss ich ganz ehrlich sagen. Ich hatte eine ganz normale Trainingswoche und habe dann im Abschlusstraining leichte Probleme gekriegt, aber geglaubt, dass ich es in den Griff bekomme. Ich habe auch ganz normal aufgewärmt und auf einmal habe ich schwere Probleme gekriegt, und der Muskel hat zugemacht. Ich bin im Verlauf dann ja auch acht Wochen ausgefallen. Das war für mich sehr frustrierend, speziell weil ich mich gut gefühlt habe und dem Team helfen wollte. Aber das passiert. Ich habe versucht, es so gut und schnell wie möglich wieder hinzukriegen, spätestens zur Rückrunde wollte ih fit sein. Das ist mir gelungen. Insofern habe ich es dann abgehakt, und bin froh, dass wir so einen großen Kader haben, dass da jeder einspringen kann.

…ÜBER DIE WICHTIGKEIT VON STANDARDSITUATIONEN IN LIECHTENSTEIN:

Es ist ein Klasse für sich, über die wir momentan verfügen – nicht nur als Schützen, sondern auch als Verwerter mit Marc Janko oder den Innenverteidigern, wirklich kopfballstarken Spielern. Das ist schon besonders, was wir da an einzelnen Qualitäten auch im Standardbereich auf dem Platz haben. Wenn man das in so einem Spiel in die Waagschale werfen kann, ist das natürlich ein großer Vorteil.

…DARÜBER, OB DIES DAS STÄRKSTE NATIONALTEAM SEI, IN DEM ER BISLANG GESPIELT HAT:

Das erfolgreichste. Man kann es nur daran messen. Ich glaube, wir haben einfach eine Entwicklung genommen. Als ich erstmals mitgespielt habe, war ich 21. Da war ich klarerweise bei weitem nicht so weit, wie ich es jetzt bin. Wie auch? Wir sind einfach reifer und erfahrener. Die Erfahrung, in einer Qualifikation zum richtigen Zeitpunkt das richtige zu machen, spielt eine große Rolle.

Aufgezeichnet von Peter Altmann

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen