"Ich muss Driver einer Entwicklung sein"

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Die Aussicht ist eines Generaldirektors würdig.

Im 18. Stockwerk des Power Towers, so wie die Konzernzentrale der Energie AG heißt, bietet sich ein großzügiger Blick über Linz.

Über jene Stadt, in der Leo Windtner 1950 geboren wurde und von wo aus der 62-Jährige auch den in Wien sitzenden ÖFB regiert.

"Es ist eine Frage des perfekten Zeitmanagements", erklärt der Pendler, der LAOLA1 an einem Mittwochmorgen um 8:30 Uhr zum Interview trifft.

Der Oberösterreicher hat sich beim Infrastruktur-Unternehmen wie auch beim Verband hinaufgearbeitet und ist seit Februar 2009 der höchste Fußball-Funktionär dieses Landes.

"Man muss mit Fußball infiziert sein", begründet Windtner seine Doppelfunktion, die zur "Hochsaison" 100 Wochenstunden bedeutet.

45 Minuten davon widmete der in St. Florian lebende Vater dreier Töchter dem folgenden Interview, um ausführlich über den Status quo des österreichischen Sports, insbesondere des Fußballs, zu sprechen.

LAOLA1: Nach 15 Jahren ist Linz wieder Austragungsort eines Länderspiels. Wie sehr freuen Sie sich als "Hausherr" darauf?

Leo Windtner: Ich freue mich absolut darauf, ich war schon beim ersten Länderspiel hier dabei, das war vor 44 Jahren ein 1:1 gegen Rumänien. Ich war auch beim letzten im Jahr 1997, Österreich verlor gegen Slowenien 0:2. Da herrschte ein schreckliches Wetter und das Spiel war nicht viel besser. Ich hoffe, dass wir am 14. November – nicht nur weil meine Frau Geburtstag hat (lacht) – dieses Jahr mit einer guten Leistung abschließen und vor allem Linz ein würdiges Fußballfest bieten können.

LAOLA1: Die lange Pause rührt nicht nur von der mangelnden Infrastruktur, wohl auch daher, weil beim letzten Gastspiel des ÖFB die eigene Mannschaft vom Linzer Publikum verschmäht wurde.

Windtner: Da haben mehrere Faktoren zusammengespielt. Das Stadion in Linz hat bei weitem nicht mehr den Anforderungen für ein internationales Länderspiel entsprochen. Natürlich geht das Team gerne dorthin, wo man herzlich willkommen geheißen wird. Wir werden auch verstärkt in die Richtung gehen, das Happel-Stadion zur Heimstätte des ÖFB-Teams zu machen. Auch der Teamchef wünscht sich das. Ich denke, wir müssen den Mut haben, das zu tun. Denn wenn die Leistungen passen, dann werden wir auch so wie gegen Kasachstan das Stadion stets füllen können.

LAOLA1: Ausschließlich Länderspiele in Wien?

Windtner: Nein, wir werden sicherlich jedes Jahr auch den Bundesländern die Referenz  mit dem einen oder anderen Spiel erweisen, aber entscheidende Spiele wie in der Quali werden wir in Wien austragen. Wir werden sicherlich in Graz, Klagenfurt, Innsbruck, Salzburg, Linz immer wieder einmal spielen, weil wir wissen, dass das ÖFB-Team in allen Bundesländern hohen Beliebtheitsgrad hat. Ich kann mir vorstellen, etwa zwei Mal im Jahr hinauszugehen.

LAOLA1: Nur 13.833 Sitzplätze statt 15.500 auf der Gugl – es war vor allem in Linz ein großes Thema.

Windtner: Ich glaube aber, dass es wirklich gegessen ist. Wir konzentrieren uns jetzt auf den 14. November. Wir wollen einen tollen Fußball-Abend bieten. Es ist klar, dass andere Stadien einen Volumens-Vorteil haben. Ich möchte aber nicht vorweg Festlegungen treffen. Das wäre unseriös.

LAOLA1: Sie sind Linzer und kennen die Geschichte des Stadions. Sie haben 1997 für einen Ausbau hinsichtlich der EURO-Bewerbung 2004 plädiert, es ist nichts passiert. Österreich bekam die EURO 2008 – ohne Linz. Nun wurden 30 Millionen für eine Renovierung bezahlt – und es fehlen Sitzplätze.

Windtner: Ich bin immer für einen Neubau eingetreten. Dass wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass dieser nicht erfolgt ist, liegt ebenso auf der Hand. Jetzt müssen wir sagen, es ist zumindest ein Schritt unternommen worden, dass die Gugl von der Ausstattung her internationalen Erfordernissen entsprechend adaptiert worden ist. Für eine U21-EM-Bewerbung wäre Linz etwa eine Top-Adresse.

Windtner kämpft mit Präsidenten-Kollegen gegen die Bewegungsarmut

LAOLA1: Kommen wir zurück zu Sport und Gesellschaft. Die enttäuschenden Olympischen Spiele haben u.a. die Initiative „Tägliche Turnstunde“ hervorgerufen. Was sagt der ÖFB-Präsident dazu?

Windtner: Es ist für jeden Laien erkennbar, dass das Thema Bewegungsarmut zu einer Geisel unserer Wohlstandsgesellschaft geworden ist und sich dieser Prozess unwahrscheinlich beschleunigt. Wenn nur mehr 28 Prozent der Kinder Sport betreiben und wir im Kindheitsalter schon Krankheitssyndrome haben, die früher eigentlich nur im fortgeschrittenen Alter festgestellt worden sind, dann ist hier höchster Handlungsbedarf. Wir sehen ja auch, dass die Bewegungsarmut der Kinder dazu führt, dass sie nicht mehr zu den Vereinen kommen. Die Freude an der Bewegung muss schon im Kindergarten- und Volksschulalter geweckt werden, nicht als lästige Verpflichtung, sondern als integrierter Bestandteil des Unterrichts in unserer bewegungsreduzierten Umwelt, wo man eher nur am Laptop agiert. Hier ist höchster Handlungsbedarf, auch um die Breite für den Sport so zu erhalten, dass wir in Zukunft noch aus einem großen Sample die Talente schöpfen können. Denn wenn diese Breite schmäler wird, dann wird auch die Palette an Top-Talenten kleiner. Das spüren wir dann schon gewaltig. Wir sehen ja alleine schon am Geburtenrückgang in den nächsten sieben, acht Jahren, dass wir wahrscheinlich einiges an Reduktion der in Frage kommenden Jugend für den Sport zur Kenntnis nehmen müssen. Und wenn sich die Basis noch weiter schmälert, dann ist das auch für den Spitzensport in Österreich ein Problem. Es muss Sport zu einem nationalen Anliegen werden.

LAOLA1: Gibt es Vorbilder?

Windtner: Wir haben die Beispiele wie Kroatien, wo man mit vier Millionen Einwohnern im Fußball, im Handball und vielen anderen Sportarten top ist. Warum? Weil es jeder Turnlehrer sich zu seinem persönlichen Ziel setzt, dass zwei Drittel seiner abgehenden Schüler einen Salto können. Bei uns ist die Lehrerschaft eher damit befasst, alles zu prüfen, um nicht in Haftungen zu verfallen, wenn sich einer beim Purzelbaum einen blauen Fleck holt. Das ist der Unterschied. Und wenn man sieht, wie in Skandinavien Sport eigentlich ein klarer Bestandteil des täglichen Schul- oder Arbeits-Ablaufes darstellt und welche Begeisterung dadurch auch für Großereignisse ausgelöst wird, dann muss man sagen, da ist in Österreich die Politik gefordert. Gerade auch mit der „Täglichen Turnstunde“, die ja nur ein Markenzeichen dafür ist, die Bewegungsfreude bei den Kindern so auszulösen, dass hier wieder verstärkt für den Sport auch Personal-Ressourcen zur Verfügung stehen. Wir können ja auch nur die Schülerliga für Burschen oder Mädchen draufsetzen, der Fundus muss dann schon einmal daraus kommen, dass alle Kinder einen Purzelbaum beherrschen und zumindest die primären Koordinierungsfähigkeiten erlernt werden.

LAOLA1: Sie sprechen die Politik an, sie ist gefordert. Wenn Sport im Rampenlicht steht, sind Politiker nicht weit. Erfahren Sie von ihnen aber auch diesbezüglich Unterstützung?

Windtner: Ich glaube, dass es wirklich gelingt, einen echten Anstoß zu schaffen. Man hat bei der Pressekonferenz der Bundessport-Organisation (BSO, „Die tägliche Turnstunde“, Anm.) gesehen, wer sich alles einbringt. Die maßgeblichen Präsidenten der Sportverbände, herausragende ehemalige Sportgrößen, aber auch die ganzen Aktiven. Die komplette österreichische Nationalmannschaft hat für die „Tägliche Turnstunde“ unterschrieben. 183 Abgeordnete haben unterschrieben. Es ist zu diesem Thema noch nie so eine mediale Aufmerksamkeit entstanden. Und auf dieser Welle müssen wir bleiben. Es muss innerhalb eines Jahres gelingen, die rahmengesetzlichen Bedingungen so zu verändern, dass wir das Zusammenwirken der Sportfachverbände und der Schulen ein besseres wird. Wir haben ja zigtausende ausgebildete Trainer, die durchaus auch pädagogische und psychologische Ausbildungen mitmachen, wo man hier in einem guten Zusammenwirken allenfalls Personaldefizite auffangen kann. Denn Tatsache ist, man wird eine dritte und vierte Turnstunde in der Woche mit  einfachen Maßnahmen durchbringen. Es geht darum, dass man in der Regelschule, entsprechende Veränderungen zu schaffen. Die Sportfachverbände stehen hier voll und ganz bereit.

LAOLA1: Sie haben vorhin angesprochen, dass in anderen Ländern der Erfolg durch infrastrukturelle Maßnahmen ausgelöst wurde. Wie würden Sie eine Bewerbung Wiens für Olympia 2024 finden?

Windtner: Man darf kein Realitätsverweigerer sein. Wenn man sich die letzten Bewerbungen und Großereignisse anschaut, Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele, dann muss man feststellen, dass das schon eher Machtdemonstrationen von großen Staaten gewesen sind. Kleine Volkswirtschaften werden das nicht alleine schaffen können. Es bleibt aber auch die Frage, inwieweit man den Weg der Gigantomanie seitens der internationalen Verbände, sei es FIFA, UEFA oder IOC, noch geht. Ich denke, auch hier wird ein Umdenken stattfinden, möglicherweise wäre eine Doppel-Bewerbung mit Nachbarländern stemmbar. Das ist nicht ausgeschlossen. Die Frage ist, ob man sich so etwas leisten will und kann. Ich denke, dass sich Österreich als Gastgeberland, da nehme ich die EURO her, einen gewaltig positiven Ruf erarbeitet hat, dass letztlich jedes Ereignis hierzulande ausrichtbar wäre.

LAOLA1: Vorher erwähnten Sie Trainer als Streetworker. Können Sie das präzisieren?

Windtner: In einer Zeit, wo die Anonymität voranschreitet, wo das Thema Migration/Integration eigentlich zu einer Hürde für Politik und Wirtschaft geworden ist, liegt gerade im Sport eine die große Chance, diese Themen wirklich nachhaltig positiv zu besetzen. Klubs im städtischen Bereich haben 150 Jugendliche und davon 70 bis 80 Prozent mit Migrationshintergrund. Im Fußballverein finden diese Jugendlichen den einzigen echten Freizeitinhalt, können eine Sinnfindung betreiben. Sie können sich sozialisieren, die Sprache automatisch mitlernen. Sie können Freundschaften knüpfen, wie auf der Straße nirgends sonst. Alles unter gemeinsamen, idealistischen sportlichen Zielen. Diesen Klubs, die auch Probleme haben, muss man helfen. Sie nehmen ja letztlich der Gesellschaft, der Politik eine gewaltige Arbeitslast ab. Daher sage ich: Das muss noch weit mehr anerkannt und unterstützt werden. Diese Klubs haben vollen Respekt, vor allem die Trainer, die sich hier an der Basis bemühen, Mannschaften zu formen, junge Menschen zu integrieren, die sich sonst sehr schwer täten.

LAOLA1:Auf dem Weg zu Ihnen bin ich am Linzer Musiktheater vorbeigefahren, dass 2013 für mehr als 150 Millionen Euro fertiggestellt wird. Stimmt Sie diese Relation nachdenklich?

Windtner: Ich will keinen Disput zwischen Kultur und Sport auslösen. Aber es ist hochnotwendig, dass Sport jene finanzielle und materielle Unterstützung von der öffentlichen Hand erfährt, die er nicht nur braucht, sondern auch im höchsten Maße verdient. Nämlich für die Leistungen, die er für unsere Gesellschaft erbringt. Die werden immer notwendiger, wenn wir an die gesundheits-, sozial- und vor allem integrationspolitischen Themen denken, mit denen wir in der Zukunft konfrontiert sind. Da ist Sport, insbesondere Fußball, sicherlich eines jener Medien in unserer Gesellschaft, mit dem man unkompliziert, human und direkt am Menschen diese Ziele auch umsetzen kann. Diese Leistungen müssen nicht nur anerkannt, sondern auch entsprechend unterstützt werden. Nicht als Subventionsempfänger, sondern eigentlich als Investitionen. Denn jeder Nachwuchstrainer in Österreich, speziell im urbanen Bereich, hat irgendwo schon den Charakter eines Streetworkers.

LAOLA1: Wir gehen darauf noch näher ein, zuvor nochmal zum Thema Infrastruktur in Fußball-Österreich: Sehen Sie hier ein Problem?

Windtner: Ich sehe das absolut. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die EURO Verbesserungen gebracht hat, aber nicht jenen nachträglichen Hub in der Infrastruktur, den wir uns erwartet haben. Es ist so, dass das Happel-Stadion für ein Champions-League-Finale nicht mehr in Frage kommt. Gott sei Dank bleibt Klagenfurt in dieser Kapazität erhalten, Beispiele wie St. Pölten sind nachahmenswert. Dass wir in Österreich durchaus auch die eine oder andere Fußball-Halle brauchen würden, ist klar. Norwegen leistet sich das schon lange, nicht aus Luxus, sondern aus Notwendigkeit für den Sport.

LAOLA1: Was kann der ÖFB hier für Schritte setzen?

Windtner: Keine konkreten, wir können immer nur bei den Vertretern der Politik, speziell über die Medien, ganz klar adressieren, dass es einfach hochnotwendig wäre. Ein Beispiel: Das Hanappi-Stadion nicht nur zu sanieren, sondern die Chance zu nutzen, um eine Aufstockung durchzuführen. Weil sonst diese einmalige Chance für Jahrzehnte wieder vertan ist. Gerade Rapid mit ihrer Fan-Szene könnte sicherlich ein 25.000 Zuschauer fassendes Stadion laufend füllen.

LAOLA1: Ein Teil dieser Szene verhindert das mitunter, da Hütteldorf nicht verlassen werden darf.

Windtner: Das hat natürlich sehr viel mit Tradition zu tun, von der sich auch die Klubleitung nicht lösen will. Da gibt es entsprechend Druck von der Fan-Szene. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Ein Neubau wäre ein gewaltiger Schritt nach vorne. Die Entscheidung kann ich nicht beeinflussen.

LAOLA1: Sollte die Klubleitung mehr Mut beweisen?

Windtner: Es wird sicherlich bei manchen Klubs notwendig sein, dass die Führung ganz klare Schritte setzt. Die Fan-Gruppen sind die Basis eines jeden erfolgreichen Klubs und gehören auch eingebunden. Aber in letzter Konsequenz muss die Klubführung den Kurs, die Ziele und die Maßnahmen setzen. Das müssen auch die besten Fangruppen akzeptieren.

LAOLA1: Ist das Thema Infrastruktur ein wichtiges Thema Ihrer Agenda?

Windtner: Ich sage oft, die Formel kann nicht lauten: Spielt und gewinnt, dann bauen wir Stadien. In vielen Ländern ist der umgekehrte Weg gegangen und damit der Erfolg ausgelöst worden.

Vor einem Jahr nahm Teamchef Marcel Koller seine Arbeit auf

LAOLA1: Glauben Sie, Generaldirektor Gigi Ludwig wird noch eine nächste Amtszeit bestreiten?

Windtner: Er ist kein zu wählender Funktionär, sondern hauptamtlicher Mitarbeiter. Sein Dienstverhältnis ist unbefristet und aufrecht und daher stellt sich diese Frage nicht.

LAOLA1: Wie sehen Sie ihre Zusammenarbeit?

Windtner: Sie ist friktionsfrei, absolut pragmatisch und von beiden Seiten einfach davon getragen, dass wir entsprechende Meter für unsere Ziele im österreichischen Fußball machen.

LAOLA1: Würden Sie gerne mit ihm weiterarbeiten?

Windtner: Ja, natürlich, von meiner Seite gibt es da keinen Vorbehalt. Alles andere wäre seine persönliche Entscheidung. Er bringt langjährige und wertvolle Erfahrung ein.

LAOLA1: Manche meinen, mittlerweile zu lange. Sollte einem Jüngeren die Chance gegeben werden?

Windtner: Wir haben hinter Gigi Ludwig mit den Direktoren einen Stab junger Top-Leute. Von Bernhard Neuhold über Thomas Hollerer, Wolfgang Gramann bis hin zu Willi Ruttensteiner. Ich glaube, da ist ohnehin die Erneuerung schon gelaufen. Ansonsten geht nun es darum, dass wir weiter so kompakt arbeiten. Noch einmal: Es ist die persönliche Entscheidung des Gigi Ludwig. Wenn er so lange verdienstvoll für einen Verband gearbeitet hat, dann braucht man ihm nicht nahetreten.

LAOLA1: Sie haben sich früher als Landesverbands-Präsident immer wieder kritisch zu Wort gemeldet, tun Sie jetzt auch noch gerne. Wie sehen Sie dahingehend Ihre Rolle?

Windtner: Ich muss Driver einer Entwicklung mit konkreten Zielen sein, ich möchte dabei dieser immer Zwischenergebnisse sehen. Wenn ich mich nicht als jemanden sehe, der pusht, dann hätte ich meine Aufgabe missverstanden. Wir wollen etwas bewegen. Man sieht alleine schon am Spiel gegen Kasachstan, was an Begeisterung auslösbar ist. Daher haben wir auch alles dafür zu tun, um sportlich so weit wie möglich nach vorne zu kommen,  dass wir den Fans etwas zurückgeben können.

LAOLA1: Am 1. November hat sich die Amtszeit von Marcel Koller erstmals gejährt. 2011 gab es Gegenwind en masse, nun sehr große Zustimmung. Sie könnten zufriedener nicht sein, oder?

Windtner: Wir brauchen uns jetzt nicht in Selbstgefälligkeit üben. Es ist erfreulich, dass Marcel Koller so schnell die Akzeptanz gefunden hat und auch erkannt wird, dass er gut arbeitet. Und dass sich das auch bei der Mannschaft, beim Team und beim gesamten ÖFB umgesetzt hat. Mit dieser erfreulichen Tatsache sollten wir heuer bilanzieren und ins nächste Jahr hineingehen.

LAOLA1: Das Beste kommt zum Schluss: David Alaba.

Windtner: David Alaba ist ein Phänomen. Dass er gerade mit seinem unglaublichen sportlichen Erfolg es geschafft hat, sich die Demut zu bewahren und mit 20 zu einem Idol zu werden, da kann man nur gratulieren. Ich habe ihm das schon oft genug gesagt, ich wünsche mir nur eines, dass er sich diese Charaktereigenschaften ebenso bewahrt wie seine sportliche Performance. Dann wird er uns noch viel Freude bereiten in einer langen Fußballzukunft.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Kommen wir zu Ihnen: Wie bilanzieren Sie Ihre bisherige Amtszeit als ÖFB-Präsident?

Windtner: Ich würde eines sagen, wir haben ergebnismäßig gerade auf Ebene des A-Teams die Ziele nicht erreicht. Wir haben etwa die EM-Qualifikation nicht geschafft. Wir haben aber in den letzten drei Jahren den Fußball in der gesellschaftlichen Akzeptanz, in der Gesamtentwicklung und vor allem in den letzten eineinhalb Jahren – speziell mit der Bestellung von Marcel Koller – im gesamten Leistungsniveau ein Stück nach vorne gebracht. Um gerade in der Arbeit mit der Nationalmannschaft einen internationalen Standard zu erreichen. Da sind wir schon ein Stück weiter gekommen. Wir haben auch im Nachwuchsbereich weiterhin die doch ansteigende Tendenz fortführen können. Das ist nicht selbstverständlich. Es ist gelungen, weiterhin Top-Talente in unseren Akademien und Ausbildungszentren zu liefern. Man sieht, es kommen ein Ritzmaier, ein Holzhauser und solche Leute nach. Es reißt nicht ab. Hier ist die Kontinuität erkennbar, nämlich dass auch der Output der Arbeit passt. U17 und U19 haben sowohl bei Burschen wie bei Frauen wiederum die Quali in die Eliterunde in Europa geschafft. Und speziell auch für das Thema Frauen-Fußball, mit der Installierung des nationalen Zentrums in St. Pölten, haben wir eine Plattform geschaffen, dass wir hier gewaltige Schritte nach vorne machen konnten. Wenn die ÖFB-Frauen-U17 Deutschland schlägt, dann ist das auch ein Ergebnis der Akademie St. Pölten. Dass die A-Frauen-Nationalmannschaft so weit gekommen ist, ist toll, schade, dass sie den letzten Schritt zur EURO nicht geschafft haben. Ich glaube, was jetzt schon an Fundus geschaffen wurde, lässt absolut zuversichtlich in die Zukunft blicken. Ähnlich ist es auch bei den Nachwuchs-Teams und beim A-Team, dass wirklich gut gearbeitet wird. Wir haben eine Fülle von Spielern in den ausländischen Ligen, wo sie Führungsrollen einnehmen. Davon profitieren wir. Marcel Koller liefert mit seinem Team eine Top-Arbeit, das ist erkennbar. Wenn wir so weitergehen, werden wir zwar nicht Ergebnisse garantieren können, aber es werden sich auch Ergebnisse einstellen.

LAOLA1: Nächsten Juni läuft ihre erste volle Amtszeit aus, erwarten Sie einen Gegenkandidaten?

Windtner: Das vermag ich nicht abzusehen, aber aktuell deutet nicht sehr viel darauf hin.

LAOLA1: Gibt es konkrete Umsetzungspunkte für Ihre nächste Amtszeit?

Windtner: Das wäre noch zu bald, aber es wird sicherlich so sein, dass ich mit der einen oder anderen klaren Zielsetzung in die Generalversammlung im Burgenland im Juni hineingehe.

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