"Werde alles dafür tun, den Worst Case zu vermeiden"

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Leo Windtner ist am Höhepunkt angelangt.

Der Öberösterreicher wurde zum ersten ÖFB-Präsidenten, in dessen Amtszeit sich das Nationalteam sportlich für eine EM-Endrunde qualifizierte.

Als Initiator diverser Nachwuchsprogramme hat der 65-Jährige selbst zu diesem Erfolg beigetragen. 

Trotz der aktuellen Euphoriewelle weiß der Verbandsboss, dass große Herausforderungen auf ihn warten: Die Umstrukturierung des Verbandes, der mögliche Neubau eines Nationalstadions sowie nicht zuletzt die Vertragsverhandlungen mit den sportlichen Baumeistern des Erfolgs: Marcel Koller und Willi Ruttensteiner.

Die aktuellen Errungenschaften sollen schließlich keine Eintagsfliege bleiben. "Erfolg ist der größte Verführer", warnt Windtner im LAOLA1-Interview. Der ÖFB-Präsident nimmt zu den heißen Themen der nächsten Monate Stellung:


LAOLA1: In den letzten Wochen und Monaten gab es so viele emotionale Momente rund um das ÖFB-Team. Was war die emotionalste, die stolzeste Erfahrung für Sie?

Leo Windtner: Der stolzeste Moment war sicher, als wir aus eigener Kraft in Schweden die Qualifikation so souverän geschafft haben, dass ganz Europa über unser Nationalteam gestaunt hat.

LAOLA1: Sind Ihnen besondere Gesten in Erinnerung geblieben?

Windtner: Wenn man von der Mannschaft in die Luft geschleudert wird, sodass man Angst haben muss, irgendwo unsanft aufzukommen, aber wieder sicher gefangen wird, dann ist das ein ganz besonderes Gefühl der Wärme und Sicherheit (grinst).

LAOLA1: Ist die gelungene EM-Qualifikation so etwas wie die Krönung ihrer Funktionärs-Laufbahn?

Windtner: Ich würde mich da persönlich gar nicht in den Vordergrund stellen. Natürlich verspüre ich unendliche Freude und es ist ein Höhepunkt meiner Funktionärs-Karriere. Aber das Wichtigste ist, dass Österreich mit seinem Nationalteam in Sachen Fußball einfach wieder eine neue nationale Identität gefunden hat.

LAOLA1: Die Steuermann-Rolle können Sie aber nicht abstreiten. Schließlich haben Sie selbst im Nachwuchs wichtige Initiativen gesetzt.

Windtner: Das freut mich besonders, weil wir vor 13, 14 Jahren diese Nachwuchsprogramme gestartet haben. Willi Ruttensteiner war substantiell daran beteiligt. Dieser österreichische Weg war am Anfang doch mit einigen Hürden verbunden und von viel Skepsis begleitet. Man musste viel Durchhaltevermögen aufbringen. Diese Beharrlichkeit hat sich gelohnt. Damit meine ich nicht nur den Hype um das Nationalteam, sondern auch wie man sieht, dass von der U15 bis zur U21 Nachhaltigkeit erkennbar ist und sich auch Erfolge auf diesen Ebenen einstellen.

LAOLA1: Einige Ziele und Aufgaben sind nun erreicht. Viele verbleiben noch. Zuletzt verlautbarten Sie, den möglichen Bau eines Nationalstadions nicht mehr von der Agenda nehmen zu wollen. Wie schaut die Planung aus?

Windtner: Wir werden jetzt keinen total überzogenen Druck entwickeln, sondern wollen einfach ein Problembewusstsein schaffen. Dem österreichischen Fußball muss die dafür notwendige Infrastruktur bereitgestellt werden, wenn man zu den Top-Ten-Nationen der Welt gehört. Ansonsten ist dieser Erfolg nicht dauerhaft. Das beginnt auf der zweiten Ebene. In der Sky Go Ersten Liga hat die Hälfte der Klubs keine hinreichende Infrastruktur, um eine professionelle Durchführung der Saison gewährleisten zu können. Dieses Problem zieht sich bis zum Thema des Nationalstadions. Aktuell sind wir nicht in der Lage, uns als Ausrichter für internationale Bewerbe wie das Champions-League-Finale oder die EURO 2020 zu bewerben. Darauf wollen wir hinweisen.

LAOLA1: Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie setzen?

Windtner: Das Wichtigste war der sportliche Erfolg. So einen Rückenwind braucht man für solche Projekte. Wir werden versuchen, in den nächsten Wochen und Monaten dieses Thema in der Politik zu entrieren. Ich verweise gerne auf das Beispiel unseres Nachbarlandes Ungarn, wo man das alte Nep-Stadion entfernt und das neue Ferenc-Puskas-Stadion mit 70.000 Sitzplätzen eröffnen wird. Dort werden die Kosten vom Staat getragen. In Schweden wiederum war die Errichtung der Friends Arena in Stockholm eine Public-Private Partnership. Wir müssen in nächster Zeit ausloten, welche Varianten es gibt. Offen gestanden wäre es für Österreich ein Traum, ein Stadion mit 60.000 Sitzplätzen zur Verfügung zu haben.

LAOLA1: Angesichts der Euphorie rund um das Nationalteam scheint nun der perfekte Augenblick für ein solches Projekt gekommen zu sein. Sonst besteht die Gefahr, dieses Vorhaben gar nicht mehr umsetzen zu können.

Windtner: Genau. Wann, wenn nicht jetzt!?

Koller und Windtner haben einen guten Draht zueinander

LAOLA1: Ein anderes brennendes Thema sind die Vertragsverhandlungen mit Marcel Koller. Die letzten Wortmeldungen beider Seiten forderten von der Öffentlichkeit Geduld ein. Hat man sich dadurch gegenseitig Zeit erkauft?

Windtner: Das mit der Geduld habe ich schon vor zwei Jahren erfahren müssen. Ich habe zu Marcel Koller ein hervorragendes Verhältnis. Er ist in Österreich – vom Betreuerstab beim Nationalteam bis hin zur Fangemeinde – in einem solchen Maß integriert, dass es ihn auch mental bei uns hält. Wir werden Gespräche führen, aber wollen uns gegenseitig keinen Druck machen. Natürlich erkennen wir, dass der Name Koller zu einer Marke geworden ist. Mit dem Erfolgslauf wurde er zu einem viel beachteten Trainer in Europa.

LAOLA1: Sehen Sie Signale, dass er die Zusammenarbeit gerne fortführen würde?

Windtner: Die Bereitschaft ist sicher da. Vielfältige Varianten werden kolportiert: Von einer Karriere als Klubtrainer bis hin zu einem möglichen Posten als Teamchef der Schweiz. Wir wissen, dass er einen Marktwert hat. Wir wissen, dass er für andere Mitbewerber interessant ist. Aber wir wissen genauso, dass er Österreich schätzt und dass wir ihn schätzen. Wir werden uns aufrecht zusammensetzen, um zeitnah eine Entscheidung zu finden.

LAOLA1: Sie kommen aus der Wirtschaft. Auch dort werden Geschäfte manchmal offiziell im Büro abgeschlossen, manchmal braucht es aber den informellen Weg zwischen Tür und Angel. Was für ein Verhandlungstyp ist Koller?

Windtner: Wir haben eine gute Gesprächsbasis. In diesen Verhandlungen kommt sein Manager Dino Lamberti hinzu, der ein unglaublich versierter Verhandler ist und sich im Metier wirklich auskennt. Alfred Ludwig und ich werden uns mit ihnen zusammensetzen. Ich hoffe, dass wir es schlussendlich schaffen können.

LAOLA1: Uns ist eine gewisse Zuversicht Ihrerseits aufgefallen. Zuletzt meinten Sie, die Lösung Koller sei „nicht unwahrscheinlich“.

Lange Zusammenarbeit: "Ruttensteiner als Konzeptarbeiter, ich als Umsetzer"

LAOLA1: Sie haben Ruttensteiner 1998 als Nachwuchskoordinator zum oberösterreichischen Fußballverband geholt.

Windtner: Das ist korrekt. Danach hat ihn aber Beppo Mauhart zum ÖFB geholt. Es ist mir wichtig, dies festzuhalten. Ruttensteiner hat sicher viel Konzeptarbeit geleistet. Dann sind wir gemeinsam daran gegangen, diese Dinge umzusetzen. Ich glaube, diese Zusammenarbeit hat sich bewährt: Er als starker Konzeptarbeiter, ich als Umsetzer.

LAOLA1: Diese Erfolge schlagen sich auch bei den Nachwuchsauswahlen nieder. Abgesehen von einem Ausnahmekönner wie David Alaba – würden die aktuellen Nationalteam-Spieler auch ohne Ruttensteiners Arbeit dort stehen, wo sie heute sind?

Windtner: Das ist hypothetisch. Aber Projekte wie die Challenge 08 oder das Projekt 12 haben sicher zu diesem erfolgreichen Weg beigetragen. Wenn man sieht, wie viele Spieler alleine aus dem U20-WM-Team des Jahres 2007 jetzt im Kader der Nationalmannschaft stehen, erkennt man, dass ein existenzieller Grundstein gelegt wurde. Auch die Installierung der Landesverbandsausbildungszentren (LAZ) war trotz mancher Widerstände wichtig. Damals haben viele gesagt, wir sollen doch noch warten. Aber ich habe gesagt: „Nein, das ziehen wir jetzt durch.“ Natürlich gab es ein paar Kinderkrankheiten, aber nach dem zweiten Jahr ist es gelaufen. Wir haben den kleinen Vereinen die Angst genommen, dass ihnen die Top-Talente weggenommen werden. Die Grundlage für die Akademien und Nachwuchsauswahlen wird heute in diesen LAZs geschaffen und runden damit die erfolgreiche Kooperation zwischen Landesverbänden, Bundesliga und ÖFB ab.

LAOLA1: Im ÖFB gab es immer wieder kritische Stimmen gegenüber Ruttensteiner. Wie schwer war es, die Rückendeckung aufrecht zu erhalten?

Windtner: Ich war immer von seiner Arbeit überzeugt. Freilich gibt es menschlich in solchen Gremien immer wieder Reibepunkte.

LAOLA1: Wäre der Worst Case, nach der EM ohne Ruttensteiner und Koller dazustehen?

LAOLA1: Wie sieht der zeitliche Ablauf aus? Können Sie uns einen Einblick in diese Umstrukturierung geben?

Windtner: Bis 1. Jänner 2017 muss diese Ausgliederung des Profibetriebs realisiert sein. Wir haben im ÖFB eine Arbeitsgruppe installiert und wollen im Laufe des ersten Quartals 2016 eine neue Struktur auf dem Tisch haben.

LAOLA1: Welche Personen sitzen in dieser Arbeitsgruppe? Sind auch Wirtschaftsexperten dabei?

Windtner: Die Gruppe setzt sich aus Mitgliedern des Präsidiums zusammen. Wir ziehen aber immer wieder externe Expertise hinzu. Steuerrechtlich berät uns die KPMG. Das ist kein Geheimnis.

LAOLA1: Sind Sie selbst ebenfalls Teil der Arbeitsgruppe?

Windtner: Ich nehme an diesen Sitzungen teil.

LAOLA1: Es gibt natürlich unterschiedliche Varianten, wie man den ÖFB neu aufstellen kann. Was ist Ihre Wunschstruktur?

Windtner: Wir sind erst ein Mal zusammengesessen, um das Thema grundsätzlich in groben Zügen anzuarbeiten. Das ist geschehen. Jetzt wird es laufend Sitzungen geben, um Schritt für Schritt unter Einholung externer Expertise diese neue Struktur zu entwickeln. Dieses Projekt wird sich bis ins nächste Jahr ziehen. Dann wollen wir Ergebnisse haben. In meinem Unternehmen habe ich im Laufe der 21 Jahre neun Re-Organisationen hinter mich gebracht. Ich habe es immer mit Erfolg vermieden, dass Zwischenergebnisse vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangen. Das ist der Todesstoß für jedes Projekt. Wenn es endgültige Ergebnisse gibt, werden wir nach vorne treten.

Windtner: Dazu stehe ich auch. Noch einmal: Koller und seine Familie schätzen Österreich und Wien. Auch was hier entstanden ist, dieser Zusammenhalt, gibt eine unheimlich starke Bindung ab. Zumal mit der WM-Qualifikation eine neue Perspektive hinzukommt. Seinerzeit hat er gesagt, seine Mission ist noch nicht erfüllt. Vielleicht könnte sich dieser Satz wiederholen.

LAOLA1: Sie haben angekündigt, die Gespräche auf jeden Fall vor der EM abschließen zu wollen. Warum ist es wichtig, dass man vor der EM weiß, wer nachher Teamchef ist?

Windtner: Weil wir ansonsten in einen Zeitdruck kommen. Das Unsicherheitsmoment wäre für das Team nicht gut.

LAOLA1: In Nebensätzen lässt der Teamchef gerne fallen, dass es ihm auch um strukturelle Bedingungen geht. Was meint er damit?

Windtner: Das ist nicht mehr so schwerwiegend. Der Betreuerstab ist heute so besetzt, wie er sich das vorgestellt hat. Wir haben ihm viele Wünsche erfüllt. Das Team um das Team war noch nie so homogen aufgestellt wie in der Ära Koller II.

LAOLA1: Geht es dabei auch um Sportdirektor Ruttensteiner, dessen Vertrag ebenfalls nach der EM ausläuft?

Windtner: Natürlich. Marcel Koller setzt auf Kontinuität. Das hat er schon oft unter Beweis gestellt. Deswegen wünscht er sich auch im Betreuerstab diese Kontinuität.

LAOLA1: Wäre der aktuelle Lauf ohne Ruttensteiner möglich gewesen?

Windtner: Man kann diesen Erfolg nicht an Einzelpersonen festmachen. Aber diese Entwicklung der letzten Jahre ist sicher untrennbar mit dem Namen Ruttensteiner verbunden. Deswegen ist seine Vertragsverlängerung logisch.

LAOLA1: Alfred Ludwig hat angekündigt, nach der EURO 2016 in Pension zu gehen. Können Sie ausschließen, dass er nach der Umstrukturierung irgendeine Position im ÖFB bekleidet?

Windtner: Das habe nicht ich auszuschließen, das hat er ausgeschlossen.

LAOLA1: Was ändert sich für Sie persönlich in der neuen Struktur?

Windtner: Für den Präsidenten wird sich nichts massiv ändern. Die Wirtschaftsbetriebe GmbH wird natürlich an Verantwortung gewinnen. Es gilt dann, einen Bogen über den ÖFB als Hoheitsverein und die Wirtschaftsbetriebe zu spannen. Das ist eine der Kernfragen, die es zu beantworten gilt.

LAOLA1: Sie werden also weiterhin der Chef von demjenigen sein, der die Wirtschaftsbetriebe GmbH leitet?

Windtner: Es ist davon auszugehen, dass die Wirtschaftsbetriebe GmbH als Tochterunternehmen des ÖFB zu 100 Prozent unter der Verantwortung des ÖFB steht.

LAOLA1: Das heißt, das Präsidium wird als Aufsichtsrat fungieren.

Windtner: Da gibt es verschiedenste Varianten. Von der ganz großen mit dem Präsidium als Aufsichtsrat bis zu wenigen Experten, die das machen. Die Bandbreite ist offen. Das muss man erst diskutieren.

LAOLA1: Wie groß ist die Chance, den ÖFB durch diese Umstrukturierung auf neue Beine zu stellen?

Windtner: Dadurch kann man manche Funktionen mitverankern, die bisher in der Struktur nicht so sichtbar positioniert waren. Zum Beispiel das Merchandising. Da muss man fairerweise aber auch sagen, dass dieses Thema nicht so brennend war, als wir in der Qualifikation noch stets auf dem dritten oder vierten Platz gelandet sind. Mit dem Erfolg hat dieses Thema natürlich erst an Bedeutung gewonnen.

Windtner: Ich denke nicht in Worst-Case-Szenarien, sondern werde alles dafür tun, diesen Fall zu vermeiden.

LAOLA1: Der ÖFB steht momentan aufgrund des Wartungserlasses des Finanzministeriums vor einer großen Umstrukturierung. Welche Position wird Ruttensteiner als Sportdirektor im Rahmen der neuen Organisation einnehmen?

Windtner: Das kann ich nicht vorwegnehmen, denn das ist eine von mehreren Kardinalsfragen im Zusammenhang mit der Neustrukturierung.

LAOLA1: Wie weit ist man in diesem Prozess? Im Interview mit dem „Format“ haben Sie bereits angekündigt, dass eine „ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH“ gegründet wird.

Windtner: Genau und daneben bleibt der ÖFB als Institution gegenüber FIFA, UEFA und den nationalen Fördergebern bestehen. Der Verband agiert also als hoheitliche Instanz, während die Wirtschaftsbetriebe GmbH praktisch sämtliche wirtschaftliche Agenden wahrnimmt.

LAOLA1: Der angesprochene Artikel wurde mit der Überschrift „Der ÖFB wird zum Paradeunternehmen“ betitelt. Was fehlte bisher zum Paradeunternehmen?

Windtner: Für Titel zeichne ich nicht verantwortlich. Wir sind auch bis dato schon sehr gut aufgestellt, sowohl im nationalen als auch im internationalen Vergleich. Tatsache ist, dass sich das Umfeld so rasant weiterentwickelt, dass man nach fünf, sechs Jahren sofort wieder daran schreiten muss, die Organisationen und die Strukturen an dieses Umfeld anzupassen. Denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

LAOLA1: Wird jetzt auch schon über Namen diskutiert oder geht es nur um Inhalte?

Windtner: Am Schluss geht es sicher auch um Namen. Das lässt sich nicht verhindern. Zuerst geht es aber um Inhalte. Sonst würde man die Pyramide auf den Kopf stellen.

LAOLA1: Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass man aus verschiedensten Ecken immer wieder zwei Namen in Bezug auf die beiden Führungspositionen hört: Bernhard Neuhold, aktuell Direktor für die Organisation und Finanzen, sowie Thomas Hollerer, aktuell Direktor für Recht und Administration.

Windtner: Was soll ich dazu sagen? Ich kann nicht verhindern, dass andere Namen transportieren.

LAOLA1: Also bringen wir es auf den Punkt: Ihnen geht es darum, zuerst professionelle Strukturen aufzusetzen, die dem ÖFB die nächsten Jahre weiterhelfen, und erst dann diskutiert man über geeignete Kandidaten.

Windtner: Genau. Ich werde nicht auf Zuruf agieren.

LAOLA1: Können Sie zumindest sagen, welches Anforderungsprofil die neuen Vorstände erfüllen müssen?

Windtner: Nein, weil ich noch gar nicht weiß, wie die Struktur aussieht. Es wird darum gehen, wie viele Führungskräfte man installiert, sowohl am Top-Level als auch am Second-Level. Es ist noch offen, wie wir die Aufgabenzuordnung gestalten. Man muss von der Basis nach oben gehen.

LAOLA1: Empfinden Sie es eigentlich als typisch österreichisch, dass mehr über Namen als über Inhalte diskutiert wird?

Windtner: Das ist leider so. So etwas habe ich in den 21 Jahren als CEO eines Unternehmens immer abgelehnt.

LAOLA1: Apropos Merchandising. Laut einem Bericht des „Standard“ hat der ÖFB 2014 nur 170.000 Euro mit Merchandising verdient. Sie sind selbst einer der Top-Manager dieses Landes. Welches wirtschaftliche Potenzial sehen Sie noch beim ÖFB?

Windtner: Da kann ich nur sagen: Es ist sicher Luft nach oben.

LAOLA1: Wenn man sich über den ÖFB-Shop ein Trikot der Nationalmannschaft bestellen will, werden für den Versand nach Wien ganze zehn Euro an Gebühren fällig. Wie ist das zu erklären?

Windtner: Dieses Thema ist, glaube ich, bewältigbar. Da sind wir für Kritik auch offen. Gerade das Thema der Trikots läuft jetzt erst so richtig an. Da gibt es natürlich unterschiedliche Vorstellungen über Qualität oder Preis.

LAOLA1: Wir haben jetzt einige Dinge mit Verbesserungsbedarf angesprochen. Wie wichtig ist es für Sie, sich in Zeiten des Erfolgs nicht auszuruhen, sondern weiter Abläufe zu optimieren?

Windtner: Erfolg ist der größte Verführer. Wir werden die Freude auskosten, aber gleichzeitig auf keinen Fall abheben und uns anschauen, wo wir noch Potenzial nach oben haben – auch aufgrund der neuen sportlichen Situation. Diese Analyse müssen wir ganz nüchtern führen.

LAOLA1: Ihnen ist es als Steuermann des Schiffes gelungen, einen erfolgreichen Kurs einzuschlagen. Wie kann verhindert werden, dass in einigen Jahren von einer Eintagsfliege die Rede ist?

Windtner: Das ist mein Ziel. Dieser Erfolg darf kein einmaliger Hype bleiben, sondern Nachhaltigkeit, Langfristigkeit und Kontinuität müssen gegeben sein.

LAOLA1: Nicht die Qualifikation für ein Turnier soll die Ausnahme bleiben, sondern die Ausnahme soll sein, wenn man sich nicht qualifiziert.

Windtner: Sie zitieren mich. Das sage ich immer. Nicht nur beim Nationalteam, sondern auch bei den Nachwuchsauswahlen. Wir haben sehr oft neidisch zu unseren Freunden in Deutschland geblickt. Der DFB ist ein Wirtschaftstanker. Die permanente Teilnahme an den Großereignissen hat ihnen die Prosperität gesichert. Das sollte bei uns auch geschehen. Mit der Initialzündung EURO 2016 wollen wir in die Gänge kommen – wirtschaftlich und sportlich.

 

Das Gespräch führten Peter Altmann und Jakob Faber

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