Der heute 52-Jährige überzeugte mit seinen Konzepten, die Vereinsführung war angetan, entschied sich schlussendlich aber mit einer knappen Mehrheit für Dieter Hecking und gegen Koller.

„Er hat damals einen sehr guten Eindruck hinterlassen“, erinnert sich Journalist Böller, der aber noch von zumindest zwei weiteren Kandidaten weiß.

Das nach der Trennung von Michael Wiesinger ausgegebene Anforderungsprofil würde jedenfalls auf Koller zutreffen.

Keine großen Sprünge möglich

„Der Verein ist vom Trainer-Typ erfahrener, älterer Schleifer abgekehrt. Es geht eher um Charisma und darum, dass er Leute für den Club gewinnen kann“, so Böller.

Und „Bild“-Kollege Funk ergänzt: „Von den übriggebliebenen Kandidaten passt er am ehesten ins Schema.“

Gesucht wird ein Trainer, dem einerseits schneller Zugriff auf die Mannschaft gelingt und der andererseits perspektivisch arbeitet. Denn große Sprünge, also Transfers, wird es in der Winterpause nicht geben, der neue Trainer muss und soll mit den vorhandenen Spielern arbeiten.

Das soll mit ein Grund gewesen sein, warum es mit Gross nicht geklappt hat, heißt es aus Nürnberg.

Hartes Durchgreifen gefordert

Ein weiterer Punkt sind die Disziplinlosigkeiten innerhalb der Mannschaft. Der zur Zeit verletzte Timo Gebhart war vergangene Woche zum wiederholten Mal in eine Disco-Prügelei verwickelt – jetzt droht ihm der Rauswurf.

Hanno Ballitsch wurde zu Saisonbeginn suspendiert, oder wie er es nennt „entsorgt“.

„Der neue Trainer muss hier hart durchgreifen und auch Hierarchien durchbrechen, um das wieder in den Griff zu bekommen“, analysiert Martin Funk, für den diverse Interviews der jüngeren Vergangenheit mit dem ÖFB-Teamchef ein weiteres Indiz sind.

„Er hat immer wieder gesagt, dass er in den Vereinsfußball zurück möchte und die deutsche Bundesliga vermisst.“

Am Geld wird es nicht scheitern

Zumindest zwei Fragezeichen gibt es noch: Wie steht es um die Verhandlungen zwischen dem ÖFB und Koller um einen neuen Vertrag?

Und welche Rolle spielen die „Liebeserklärungen“ der Teamspieler, von Kicker-Legenden und ehemaligen Kritikern wie Herbert Prohaska und natürlich den Fans?

„Vielleicht hat ihm ja David Alaba versprochen, dass er ihm bei Auswärtsspielen immer den Kaffee holt“, lacht Funk, um dann wieder ernst zu werden.

„Sollte Marcel Koller nicht Nürnberg-Trainer werden, ist etwas dazwischen gekommen – oder er hat ein unglaubliches Angebot vom ÖFB bekommen.“

Kollege Böller ist sicher: „Am Geld wird es nicht scheitern!“ Die Zeichen stehen also auf Abschied.

 

Stephan Schwabl

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