"Es ist frustierend, weil ich immer gewinnen will"

Aufmacherbild

Abhaken und sich den neuen Aufgaben widmen.

ÖFB-Teamchef Marcel Koller verarbeitet die unglückliche 1:2-Niederlage gegen Deutschland auf seine Art und Weise.

Keine 24 Stunden nach Spielschluss ist dem Schweizer zwar die Enttäuschung noch ins Gesicht geschrieben, er fokussiert sich aber schon auf den kommenden WM-Qualifikations-Gegner Kasachstan (12.10.) – Nachwirkungen der DFB-Partie inklusive.

„Ich hatte am Dienstag Besuch von Freunden. Wir haben natürlich über das Deutschland-Spiel geredet. Es war eine gute Möglichkeit, die Geschehnisse  zu verkraften. Es hat mich etwas abgelenkt. Aber natürlich fragt man sich, was man anders hätte machen können.“

Der Schweizer hat noch am Mittwochmorgen angefangen, dass Match gegen den dreifachen Welt- und Europameister zu analysieren und besitzt auch schon das letzte Spiel der Kasachen auf seinem Laptop. In den nächsten Tag steht im Hause Koller also ein ordentliches Video-Studium am Programm.

„Das brauche ich. Ich muss für mich wissen, was gut, was schlecht ist“, so der 51-Jährige.

Einen Tag nach dem verpatzten WM-Quali-Auftakt spricht der Teamchef im Rahmen seiner Nachbetrachtungen aber noch einmal über das verlorene Duell gegen die DFB-Auswahl.

MARCEL KOLLER…

… ÜBER DAS UNGLÜCKLICHE ERGEBNIS:

„Es ist frustrierend und ich habe Probleme es zu verarbeiten, denn wir haben ein starkes Spiel abgeliefert, die Deutschen mit unserem Pressing unter Druck gesetzt, Chancen herausgespielt aber diese eben nicht verwertet. Die Dinge, die wir uns vorgenommen haben, sind eins zu eins aufgegangen. Die Mannschaft hat die Vorgaben gut umgesetzt. Einsatz, Wille und Laufbereitschaft waren absolut top, um das Spiel offen zu halten. Deutschland war nicht Weltklasse, aber es ist Weltklasse, wie sie unsere Fehler verwertet haben.“

… ÜBER SEINEN PERSÖNLICHEN UMGANG MIT DER NIEDERLAGE:

„Ich hatte am Dienstag Besuch von Freunden. Wir haben natürlich über das Deutschland-Spiel geredet. Es war ein gute Möglichkeit, die Geschehnisse  zu verkraften. Es hat mich etwas abgelenkt. Aber natürlich fragt man sich, was man anders hätte machen können und sucht speziell nach Niederlagen nach Lösungen. Ich habe keine Probleme es zu verdauen, aber es ist schon frustrierend, weil ich immer gewinnen will. Ein Remis wäre ein gerechtes Ergebnis gewesen. Aber es hat nicht sollen sein und die grauen Haare kommen auch so.“

… ÜBER ARNAUTOVIC UND SEINEN VERMEINTLICHEN AUSGLEICH:

„Das, was er bei der Vorbereitung unseres Tores gemacht hat, hätte ich mir schon in der ersten Hälfte gewünscht. Er hat noch viel mehr drauf und müsste öfters solchen Szenen provozieren. In der ersten Halbzeit hat er zu teamorientiert gespielt. Bei seiner Chance kurz vor Schluss springt der Ball vor ihm noch einmal kurz auf, geht ihm ans Schienbein und er trifft ihn nicht richtig. Er war sich sicher, dass er ihn reinmacht, das waren Hundertstelsekunden, in denen vielleicht die Spannung weg und die Vorfreude da ist. Doch das sind Erfahrungswerte, die man mitnimmt. Wenn man Marko kennt, weiß man, dass so etwas nicht spurlos an ihm vorübergeht. Wir haben uns nach dem Match verpasst, ich bin nicht dazu gekommen, ihn zu trösten. Aber ich werde in den nächsten Tagen Kontakt mit ihm aufnehmen.“

… ÜBER DIE FRAGE, OB MAN DAS PRESSING ÜBER 90 MINUTEN SPIELEN KANN:

„Dass wir das nicht 90 Minuten lang durchhalten können, ist klar. Pressing geht auch nur, wenn man den Gegner in eine gewisse Zone drängt. Und es kommt auf die Situation an. Aber das Einzige, das in der ersten Hälfte gefehlt hat, waren die Tore. Und man darf nicht vergessen, dass wir gegen die Nummer zwei der Welt gespielt haben. Wenn man diese Truppe spielen lässt, spielt sich dich aus.“

… ÜBER DIE AUSWIRKUNGEN DER GEGENTORE:

„Gegen eine Mannschaft wie Deutschland muss man jede Sekunde wach sein. 30 Meter vor dem Tor ist die gefährliche Zone, da muss man die Spannung aufrecht halten. Und die Deutschen haben eine Unachtsamkeit vor der Pause Weltklasse ausgenützt. Nach dem 0:2 sind sicherlich einige in sich gegangen und haben sich gedacht: ‘Uh, das wird jetzt noch schwieriger.‘ Die Sicherheit im Passspiel, die Ruhe am Ball, das sind die Dinge, die wir weiterentwickeln müssen. Das braucht aber noch Zeit.“

… ÜBER DAS LOB DER DEUTSCHEN MEDIEN:

„Wir können uns von der Niederlage nichts kaufen. Aber es ist gut fürs Selbstvertrauen, dass gerade die Legionäre in Deutschland Lob bekommen. Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die Spieler mitziehen. Ich will aber nicht die nächsten neun Spiele nur gut aussehen. Lieber einmal ein – Entschuldigung für den Ausdruck – Scheißspiel und dafür Punkte holen. Auch bei dreckigen Siegen nimmt man drei Punkte mit. Dann heißt es Mund abwischen und weiter."

… ÜBER DIE LEISTUNG VON GYÖRGY GARICS:

„Es war vielleicht nicht sein bester Tag, aber er hat die Vorgaben in den vorigen Spielen gut umgesetzt. Man muss einen Spieler auch zugestehen, einmal einen schwächeren Tag zu haben. Außerdem kommt es immer darauf an, wie der Teamkollege vor dir agiert. Wenn er seine Aufgaben nicht ordentlich erledigt, wird es schwierig.“

… ÜBER DIE FANTASTISCHE STMMUNG IM HAPPEL-STADION:

„Ich möchte mich bei den Fans für die unglaubliche Stimmung bedanken. Ich habe so etwas selten erlebt. Die Freude war schon vor dem Anpfiff spürbar. So eine Atmosphäre brauchen wir – nicht nur gegen Deutschland, sondern auch in den anderen Spielen. Diese Unterstützung ist einfach unheimlich wichtig. Sie ist wirklich wie ein zwölfter Mann. Auch die Spieler am Platz spüren die Atmosphäre. Ich hoffe, es geht so weiter."

… ÜBER DEN KOMMENDEN GEGNER KASACHSTAN:

„Ich habe bisher nur eine Hälfte von Kasachstan gegen Armenien gesehen, also noch kein Qualifikations-Spiel verfolgt. Aber ich habe bereits ihr letztes Match auf meinem Laptop. Es wird keine leichte Aufgabe. Die Iren haben die Begegnung in Kasachstan erst in den letzten Minuten gedreht. Die Kasachen werden gegen uns defensiv spielen. Und wenn der Gegner hinten steht, musst du das Spiel machen. Doch die Organisation mit dem Ball ist schwieriger hinzukriegen als ohne Ball.“

… ÜBER DIE GEFORDERTEN PUNKTE GEGEN KASACHSTAN:

"Ich mache nicht gerne Hochrechnungen. Beide Partien gegen Kasachstan werden extrem schwierig. Wir müssen wieder so eine Leistung wie gegen Deutschland bringen und diesmal Tore schießen. Spitze, Hacke - das wird nicht reichen. Die Spiele gegen Kasachstan sind um nichts einfacher als gegen Deutschland. Wichtig wird sein, dass die Mannschaft mit der gleichen Einstellung wie gestern ins Spiel geht. Sich gegen Deutschland zu motivieren ist einfach – das Team muss auch gegen die Kasachen heiß und konzentriert sein. Jetzt gilt es, nicht die Deutschland-Mentalität, sondern die Koller-Mentalität weiterzuführen. Wir müssen gegen jeden Gegner Vollgas geben."

… ÜBER DIE FRAGE, OB DAVID ALABA FÜR KASACHSTAN FIT WIRD:

"Wir hoffen, dass er bis dahin zurückkommt. Ob es reicht, ist eine Zeitfrage. Es bringt nichts, jetzt Spekulationen anzustellen. Wir werden zu gegebener Zeit mit dem Spieler und seinem Verein FC Bayern sprechen. David ist ein hervorragender Fußballer. Er hat die Technik und die Qualität, um ein Spiel beeinflussen zu können.“

Aufgezeichnet von Martin Wechtl

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen