Kein Alaba mehr in Klagenfurt?

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Keine ÖFB-Spiele mehr in Klagenfurt?

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Die Probleme nehmen kein Ende.

Über 100 Millionen Euro hat das Wörthersee-Stadion den Steuerzahlern bereits gekostet.

Nun könnten die Kosten noch einmal steigen und gleichzeitig Klagenfurt den Status als ÖFB-Standort verlieren.

Vertrag nur bei voller Kapazität gültig

Denn nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs ist der obere Rang der Arena bis auf weiteres gesperrt. Vorerst sind also maximal nur mehr 12.000 Zuschauer möglich. Eine Kapazität, die keine Länderspiele zulässt.

„Wir haben mit der Stadionverwaltung einen Vertrag. Dieser ist aber nur bei voller Kapazität gültig. Die Stadt ist gefordert, uns ein zur Gänze verfügbares Stadion bereitzustellen“, meint ÖFB-Präsident Leo Windtner gegenüber LAOLA1.

Heißt im Klartext: Solange der obere Rang gesperrt bleibt, werden weder Spiele des Nationalteams noch das Finale des ÖFB-Cups in Klagenfurt stattfinden.

Anrainer-Anwalt bekam Recht

Wie die Zukunft der Arena ausschaut, ist momentan noch unklar. Sogar ein Rückbau des oberen Ranges steht im Raum.

Dieser war ursprünglich für die Zeit nach der EURO 2008 geplant gewesen, 2009 einigte sich die Politik jedoch darauf, das Stadion in seiner bestehenden Größe mit 30.000 Sitzplätzen erhalten zu wollen.

Das Problem: Dafür führte die Stadt keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durch. Diese Entscheidung wurde ohne Miteinbeziehung der Anrainer getroffen, weswegen Anwalt Franz Unterassinger beim Verwaltungsgerichtshof Beschwerde einlegte – und nun Recht bekam.

Landeshauptmann sucht nach Lösung

Die Kärntner Behörden beteuern, dass erst eine seit Mai dieses Jahres neu geltende Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs zu diesem Malheur geführt habe. Landeshauptmann Peter Kaiser fordert deswegen nun eine Änderung des UVP-Gesetzes.

Der SPÖ-Politiker will eine möglichst rasche Lösung mit „Hausverstand“ in der Stadionfrage forcieren: „Es würde niemand verstehen, wenn für ein Bauwerk, für das mehr als 100 Millionen an öffentlichem Geld ausgegeben worden sind, nur sehr eingeschränkt nutzbar ist.“

Innerhalb eines halben Jahres muss der Verwaltungsgerichthof jetzt entscheiden, ob eine UVP nötig ist. Sollte dieses langwierige Verfahren tatsächlich zur Anwendung kommen müssen, droht sogar ein Rückbau des Stadions.

So oder so kommen auf den Eigentümer, die Stadt Klagenfurt, enorme Kosten zu. Denn aufgrund der Gerichtsentscheidung wurde nicht nur der obere Zuschauerrang beschränkt, auch die Bewilligung als Multifunktionsarena gilt nicht mehr. Geplante Großveranstaltungen stehen vor der Absage, womit dem Stadionbetreiber zusätzliche Einnahmen entgehen.

"Hinken in Sachen Infrastruktur hinterher"

Sinnbild für das Infrastruktur-Problem

„Es wäre ein herber Rückschlag, wenn der obere Rang gesperrt bliebe“, sagt ÖFB-Präsident Windtner.

Die Arena in Klagenfurt ist Sinnbild für die infrastrukturelle Misere im österreichischen Fußball. Das gibt auch der oberste Funktionär des Landes unumwunden zu: „Wir wissen alle, dass wir in Sachen Infrastruktur hinterherhinken. Von der EURO 2008 ist nicht jenes Substrat nachhaltig erhalten geblieben, wie wir das erhofft haben.“

Als aktuellstes Negativ-Beispiel nennt der Oberösterreicher das Geisterspiel zwischen Austria Salzburg und Wacker Innsbruck. Die Behörden untersagten der Erste-Liga-Partie in Schwanenstadt wegen zu großer Sicherheitsbedenken die Austragung vor Zuschauern.

Nationalstadion steht im Raum

Um die Probleme zu lösen, soll der Staat mehr Geld locker machen. Dies bekräftigt Windtner mit einer vom ÖFB in Auftrag gegebenen Studie, die den gesellschaftlichen Nutzen des Fußballs aufzeigt. Demnach sorgt das Spiel mit dem runden Leder für eine jährliche Bruttowertschöpfung von 667 Mio. Euro sowie rund 22.000 Arbeitsplätze.

„Die Untersuchung belegt, dass der Fußball nicht als Bittsteller vor die öffentliche Hand tritt, sondern Gewaltiges zur wirtschaftlichen Leistung des Landes beiträgt“, bekräftigt Windtner. „Wir brauchen eine gute Infrastruktur. Es hat sich immer gezeigt: Wo investiert wurde, gab es einen Return.“

Auch die Realisierung eines Nationalstadions, das statt des veralteten Ernst-Happel-Stadions als reine Fußball-Arena der Nationalmannschaft dienen könnte, hänge von der Politik ab. Konkrete Pläne gebe es dafür (noch) nicht. „Aber die erfolgreiche Qualifikation für die Europameisterschaft wäre wichtig, um die Legitimität dieses Projekts zu untermauern.“

Insofern kann das ÖFB-Team in den nächsten Spielen seinen Beitrag für eine bessere Infrastruktur leisten.

 

Jakob Faber

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