Aufmacherbild

"Normal kriegst du noch ein deppertes Tor"

Es werde in seiner Teamchef-Ära auch Rückschläge geben, warnte Marcel Koller in den vergangenen Monaten immer wieder.

Auch wenn der Schweizer das 0:0 in der WM-Qualifikations-Partie in Kasachstan nicht als Rückschritt werten wollte, letztlich war es natürlich einer.

Zumindest vom Ergebnis her. „Es ist eine gefühlte Niederlage“, gab Kapitän Christian Fuchs unumwunden zu, schließlich hat die rot-weiß-rote Elf im Kampf um ein Ticket zur WM in Brasilien zwei wichtige Punkte liegen gelassen.

Die Erklärungsversuche der ÖFB-Kicker in der Astana Arena hörten sich ähnlich an wie Mitte September nach dem 1:2 gegen Deutschland: Man ging zu fahrlässig mit den Chancen um, die nötige Effizienz fehlte.

„Das Runde wollte wieder einmal nicht ins Eckige“

Dabei hatte man dieses Manko längst erkannt und arbeitete in den vergangenen Tagen im Rahmen des Camps in Bad Tatzmannsdorf intensiv am Torabschluss.

„Man kann uns auf keinen Fall vorwerfen, dass wir nicht 100 Prozent gegeben haben. Wir haben genügend Chancen herausgespielt und waren durchaus in der Lage zu gewinnen, aber das Runde wollte halt wieder einmal nicht ins Eckige“, ärgerte sich Fuchs, „wir hätten zumindest ein Tor erzielen müssen.“

Koller hatte dieselben elf Spieler wie gegen Deutschland auf das Feld geschickt, also mit Martin Harnik an vorderster Front und nicht mit Marc Janko. Das Vorhaben lautete daher, die kasachische „Menschenmauer“ mit spielerischen Mitteln zu knacken.

Funktioniert hat dies nur bedingt. Speziell in den ersten 45 Minuten fehlte der Zug zum Tor. „Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir uns nicht so in das Spiel reinkämpfen und –spielen können, wie wir uns das erhofft hatten. In der zweiten Halbzeit war das dann besser“, monierte Andreas Ivanschitz.

Frühes Tor wäre „Dosenöffner“ gewesen

Dennoch hätte das angestrebte frühe Tor durchaus gelingen können, wenn nicht müssen. Erst vergab Zlatko Junuzovic, nach rund einer halben Stunde scheiterte Harnik an Goalie Sidelnikow.

„Leider ist die Chance von Martin nicht reingegangen. Das wäre sicher der Dosenöffner gewesen, denn so ein Spiel wird einfach ungut, je länger es 0:0 steht. Man hat dann gemerkt, wie die Kasachen immer kompakter wurden und einfach jede Situation genutzt haben, um sich hinzulegen und Zeit zu schinden. Der Schiedsrichter hat dagegen kaum etwas unternommen. Je länger das Spiel gegangen ist, desto schwieriger wurde es“, verdeutliche Ivanschitz.

„Es nervt schon richtig – das ganze Drumherum, wie es abgelaufen ist, hat mit Fairplay wenig zu tun. Aber das sind Varianten, die im Fußball zulässig sind, das kann man nicht abstreiten“, stellte Prödl klar.

Letztlich überwog ohnehin der Ärger über sich selbst. „Ich habe schon vor dem Spiel gesagt, wir dürfen uns das Leben nicht selbst schwer machen, und genau das ist eingetroffen“, beklagte Junuzovic.

„Normal kriegst du noch ein deppertes Tor“

Prödl wiederum behalf sich mit Sarkasmus: „Am Ende hast du noch Glück, dass du Unentschieden spielst, denn normal kriegst du bei so einem Spielverlauf noch ein deppertes Tor.“

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass Österreich nach zwei Qualifikations-Spielen nur bei einem Zähler hält, obwohl es bei besserer Effizienz zumindest deren vier sein könnten.

Aus dem „Rückspiel“ gegen die Kasachen am Dienstag waren ohnehin drei Punkte eingeplant, nach der Nullnummer in Astana ist es umso mehr ein Pflichtsieg.

Der Druck ist definitiv gestiegen. Fuchs: „Wir müssen schauen, dass wir zu Hause die drei Punkte holen, damit wir halbwegs auf Kurs bleiben.“

Peter Altmann

„Die Effizienz und die letzte Konzentration vor dem Tor haben gefehlt. Die Kasachen haben total tief und eng verteidigt. Es war sehr schwer durchzukommen. Zweite Halbzeit haben wir es dann mit der Brechstange versucht, da ist es ein bisschen besser gelungen“, befand auch Sebastian Prödl.

Wie die meisten seiner Kollegen ärgerte sich auch der Bremen-Legionär über das allzu offensichtliche Zeitspiel der Kasachen, das von Referee Tamas Bognar nicht wirklich unterbunden wurde.

„Wir machen uns das Leben selbst schwer“

„Ich bin verwundert, dass der Tormann keine Gelbe Karte bekommen hat, er alleine hat 20 Minuten Spielzeit verplempert“, echauffierte sich Emanuel Pogatetz. „Die haben Zeit geschunden, der Schiri war stumm und so ist die Zeit leider dahingeplätschert“, kritisierte Junuzovic.

Als Ausrede wollte dies jedoch kein Spieler gelten lassen. Erstens hätte man dennoch selbst treffen können, zweitens ist eine derartige Herangehensweise aus Sicht eines Underdogs wohl legitim, wenn man damit durchkommt.

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»