Fuchs: "Was noch fehlt, ist eine WM-Teilnahme"

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Haben Sie sich bereits die LAOLA1-Zeitreise durch die Länderspiel-Karriere von Emanuel Pogatetz zu Gemüte geführt?

Sie verdeutlicht, dass der Innenverteidiger im ÖFB-Team schon einiges erlebt hat, immerhin liegt das Debüt des Steirers auch schon über zehn Jahre zurück.

Wie Kapitän Christian Fuchs bestreitet er am Freitag in Kasachstan sein 50. Länderspiel – ein bittersüßes Jubiläum aus Sicht des Wolfsburg-Legionärs:

„Ich freue mich, dass ich jetzt die 50 Länderspiele erreiche, bin aber vielleicht auch ein bisschen enttäuscht, dass es nicht früher passiert ist, weil ich aus verschiedenen Gründen viele Spiele verpasst habe.“

„100 wäre schön, ist aber auch nur eine Zahl“

Bei 96 A-Team-Einsätzen könnte Pogatetz theoretisch bereits halten, wenn er ab seinem Debüt am 18. Mai 2002 beim 2:6 in Deutschland jedes Länderspiel absolviert hätte. Teils langwierige Verletzungen und natürlich seine temporäre Verbannung aus dem Kreis des Nationalteams nach seiner Kritik am damaligen Teamchef Josef Hickersberger verhinderten mehr Matches in rot-weiß-rot.

Denn wenn der langjährige England-Legionär zur Verfügung stand, war er in der ÖFB-Elf meist gesetzt. So wie auch Fuchs, der das runde Jubiläum dadurch wesentlich schneller erreichte. Der 26-Jährige feierte seinen Einstand am 23. Mai 2006 bei der 1:4-Pleite gegen Kroatien.

„Es ist etwas Besonderes, dass man jetzt schon so viele Länderspiele auf dem Buckel hat, aber das Kasachstan-Spiel ist ein sehr wichtiges für uns alle – es wird kein anderes werden als die vorherigen 49“, will der Schalke-Legionär dem persönlichen Meilenstein keine allzu große Bedeutung zumessen (die LAOLA1-Zeitreise durch seine Länderspiel-Karriere folgt übrigens am morgigen Donnerstag).

Im Rennen um den „100er“ sieht sich der 26-Jährige gegenüber dem drei Jahre älteren Pogatetz jedoch im Vorteil. „Da tue ich mir vom Alter her ein bisschen leichter“, grinst Fuchs, „es wäre natürlich etwas Schönes, aber es ist auch nur eine Zahl.“

Highlight Nordirland

Während Fuchs bezüglich seiner bisherigen Länderspiele am liebsten an den sensationellen 3:1-Erfolg gegen Frankreich zum Auftakt der Qualifikation für die WM 2010 zurückdenkt, ist Pogatetz ein vom Resultat her eigentlich enttäuschendes Match aus dem Jahr 2004 besonders in Erinnerung geblieben:

„Für mich war das 3:3 in Nordirland ein Highlight. Das war eine richtige Schlacht, ein tolles Spiel von uns, die Stimmung im Stadion war großartig. Dazu die Rede des Teamchefs, es war von Anfang bis zum Ende etwas Besonderes.“

„Wir haben beide den rechten Fuß nur zum Autofahren“, scherzt Fuchs und wird bezüglich der Stärken von Pogatetz schnell fündig: „Pogerl zeichnen seine Zweikampfstärke, sein Kopfballspiel und sein Stellungsspiel aus. Er spielt nicht umsonst schon jahrelang im Ausland. Er hat sehr viele Qualitäten und ruft diese im Nationalteam regelmäßig ab.“

Wolfsburger Krise

Pogatetz wiederum wird nicht müde zu betonen, wie gefährlich die Flanken von Fuchs seien – mit dem Hintergrund, dass der Linksverteidiger am vergangenen Wochenende im direkten Duell der beiden das 1:0 mit einer mustergültigen Hereingabe auf Jefferson Farfan vorbereitet hat. Endstand: 3:0 für Schalke. Pogatetz wurde auf Seiten Wolfsburgs ausgewechselt.

Diese Niederlage manifestierte die hartnäckige Krise des Werksklubs, der mit nur fünf Zählern auf dem vorletzten Tabellenplatz rangiert.

„Im Moment läuft es nicht so, wie wir uns das vorstellen“, beklagt Pogatetz, „wir sind mit hohen Zielen in die Saison gestartet, haben aber das eine oder andere Spiel mit Pech nicht gewonnen. Dadurch ist etwas Unsicherheit in die Mannschaft gekommen, in den letzten beiden Partien haben wir sehr schlecht gespielt.“

Fuchs darf sich indes aufgrund des dritten Zwischenrangs von Schalke über einen gelungenen Start freuen und hat seit dieser Saison auch die Champions League auf seiner Visitenkarte stehen.

Nur die WM fehlt noch

„Was noch fehlt, ist eine WM-Teilnahme“, betont der ÖFB-Kapitän. Beim Gastspiel in Kasachstan am Freitag und beim Rückspiel in Wien am Dienstag sollen die nächsten Schritte in Richtung Brasilien 2014 gelingen.

Der Niederösterreicher warnt, dass die Partie auf dem Kunstrasen von Astana kein Selbstläufer wird, stellt jedoch gleichzeitig klar:

„Wir wollen zur WM fahren und uns nach langer Zeit wieder einmal aus eigener Kraft für eine Endrunde qualifizieren. Dafür muss man natürlich Punkte sammeln und bei allem Respekt vor Kasachstan müssen wir schauen, dass wir aus diesen beiden Spielen sechs Punkte holen.“

Eine gemeinsame EM-Teilnahme haben Fuchs und Pogatetz bereits hinter sich, vielleicht schaffen die beiden Jubilare auch noch eine Reise zu einer WM.

Peter Altmann

Ranghöchster Fußballlehrer der Nation war damals Hans Krankl und mit der Rede ist dessen legendärer Auszucker nach dem Schlusspfiff gemeint – Stichworte: „Irreregulär“ und „das Ungeheuer mit der Nummer neun“.

„Enttäuschungen gab es einige“, hat Pogatetz auch die Lowlights nicht verdrängt. Als Beispiele fallen ihm das 1:3 gegen Serbien im Oktober 2008 beziehungsweise das 2:3 in Polen im September 2005 ein, das Österreich der letzten Chance auf eine Teilnahme an der WM 2006 in Deutschland beraubte und Krankl letztlich seinen Teamchef-Job kostete.

„Wir haben beide den rechten Fuß nur zum Autofahren“

„Das sind Spiele, an die ich mich nicht so gerne zurückerinnere. In Polen war Didi Kühbauer noch dabei. Er wurde damals beleidigt, und wir haben auch schlecht gespielt.“

Nach einer Auseinandersetzung des damaligen Mattersburg-Kickers Kühbauer mit Sturm-Akteur Adam Ledwon in der Bundesliga gingen in dessen Heimat die Wogen hoch – der heutige Admira-Trainer wurde am Flughafen von einem polnischen Journalisten gar mit einer Gasmaske empfangen.

Eine Episode, die Gott sei Dank längst der Vergangenheit angehört. In der Gegenwart zählen beide Jubilare zu den Stammkräften im Aufgebot von Teamchef Marcel Koller.

Name

Länderspiele

Tore

von - bis

Andreas Herzog

103

26

1988 - 2003

Toni Polster

95

44

1982 - 2000

Gerhard Hanappi

93

12

1948 - 1962

Karl Koller

86

5

1952 - 1965

Friedl Koncilia

84

0

1970 - 1985

Bruno Pezzey

84

9

1975 - 1990

Herbert Prohaska

83

10

1974 - 1989

Hans Krankl

69

34

1973 - 1985

Heribert Weber

68

1

1976 - 1989

Peter Stöger

65

15

1988 - 1999

Walter Schachner

64

23

1976 - 1994

Andreas Ogris

63

11

1986 - 1997

Anton Pfeffer

63

1

1988 - 1999

Peter Schöttel

63

0

1988 - 2002

Ernst Ocwirk

62

6

1945 - 1962

Kurt Jara

59

15

1971 - 1985

Franz Wohlfahrt

59

0

1987 - 2001

Rene Aufhauser

58

12

2002 - 2008

Andreas Ivanschitz

57

10

2003 - ?

Willy Kreuz

56

10

1969 - 1981

Markus Schopp

56

6

1995 - 2005

Martin Stranzl

56

3

2000 - 2009

Robert Sara

55

3

1965 - 1980

Peter Artner

55

1

1987 - 1996

Didi Kühbauer

55

5

1992 - 2005

Josef Blum

51

4

1920 - 1932

Ernst Happel

51

5

1947 - 1958

Roland Hattenberger

51

3

1972 - 1982

Erich Obermayer

50

1

1975 - 1985

Ivica Vastic

50

14

1996 - 2008

Martin Hiden

50

1

1998 - 2008

Mandred Zsak

49

5

1986 - 1993

Emanuel Pogatetz

49

2

2002 - ?

Christian Fuchs

49

1

2006 - ?

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