"Entscheidend wird einzig und allein die Einstellung"

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Strapaziöse Anreise, vier Stunden Zeitverschiebung, Spiel in einer Halle auf Kunstrasen – nach der verlorenen „Kür“ gegen Deutschland erwartet das ÖFB-Team gegen Underdog Kasachstan bei ungewohnten Bedingungen quasi die Pflicht.

Vor allem die Siegpflicht, wenn man ernsthaft um die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien mitspielen möchte.

Dass der Trip nach Astana unter die Kategorie außergewöhnlich fällt, liegt einerseits auf der Hand, lässt ÖFB-Teamchef Marcel andererseits jedoch kalt.

Koller will keine Ausreden hören

„Wir können es eh nicht ändern. Schlussendlich wird einzig und allein die Einstellung, mit der wir auf das Spielfeld gehen, entscheidend sein, und nicht der Platz, der Ball, das Licht, die Halle oder was zum Kuckuck man für Ausreden bringen kann.“

Dem Zufall will der Schweizer jedoch wie gewohnt nichts überlassen. Deshalb trainiert er mit seinen Schützlingen vor dem Abflug in den flächenmäßig neuntgrößten Staat der Erde drei Tage im burgenländischen Bad Tatzmannsdorf ausschließlich auf Kunstrasen.

„Es ist nicht so wie zu meiner aktiven Zeit, dass der Kunstrasen direkt auf Beton gelegt wird und man Verbrennungen erleidet. Es ist aber sicher so, dass der Kunstrasen schneller ist und man noch genauer spielen sollte, sonst ist der Ball weg, weil er mehr Fahrt aufnimmt als auf dem Naturrasen“, erläutert Koller den Unterschied zum gewohnten Terrain.

Nachsatz: „Ein guter Spieler kann aber mit dem Ball umgehen, da sollte der Untergrund keine große Rolle spielen.“

ÖFB-Team kennt Begebenheiten in Astana

Ein Vorteil sollte sein, dass ein Großteil des Kaders mit den Begebenheiten in der kasachischen Hauptstadt vertraut ist. Am 11. Oktober 2011, also fast auf den Tag genau vor einem Jahr, beendete das Nationalteam die verkorkste EM-Qualifikation mit einem torlosen Remis in Astana.

Es war dies das letzte Länderspiel vor Amtsübernahme Kollers, dessen Bestellung zu diesem Zeitpunkt bereits fixiert gewesen war. Mit von der Partie war damals Andreas Ivanschitz, der im Rahmen der Ost-Reise nach Aserbaidschan und Kasachstan sein Comeback im ÖFB-Dress feierte.

Dementsprechend kennt er die Bedingungen in der „Astana Arena“, einer Fußball-Halle, die rund 30.000 Zuschauern Platz bietet.

„Vergangenes Jahr war es eine intensive Reise, aber wir wissen deswegen, was auf uns zukommt. An das Spiel kann ich mich nicht mehr so gut erinnern, es war eher ein schlechteres 0:0, in dem wir kurz vor Schluss durch Marc Janko ein reguläres Tor erzielt hätten. Am Kunstrasen wird sicher ein wichtiger Faktor, wie wir das annehmen und uns umstellen können.“

Manko Chancenverwertung ganz oben auf Kollers Agenda

Der Mainz-Legionär betont, dass man auf dem Plastikgrün ein gutes Kurzpassspiel aufziehen könne: „Man kann nicht so in die Tiefe spielen, vor allem nicht in den Lauf, sondern muss gezielter in den Fuß spielen.“

Neben der Eingewöhnung auf den Kunstrasen steht die Arbeit an der Chancenverwertung ganz oben auf Kollers Agenda. Bereits im ersten, noch eher lockeren Montagstraining baute der 51-Jährige Übungen zum Torabschluss ein.

Gerade gegen Deutschland hatte die mangelnde Effizienz der ÖFB-Elf ein womöglich besseres Ergebnis gekostet. Allen voran blieb die Chance von Marko Arnautovic, der den Ball in der Schlussphase nicht im leeren Tor unterbrachte, in Erinnerung.

Zlatko Junuzovic, Schütze des einzigen Treffers gegen das DFB-Team: „Der Trainer hat in Besprechungen bereits erwähnt, dass es bei uns in den letzten Jahren generell ein Manko war, dass wir die Chancen nicht verwertet haben. Schlussendlich müssen wir uns das im Training erarbeiten, von nichts kommt nichts.“

Koller: „Man muss auch die Geilheit haben“

Der Teamchef wiederholte seine bereits nach dem Deutschland-Spiel angebrachte Kritik, dass vor dem Tor „Konsequenz, Bewusstsein und die nötige Anspannung“ gefordert seien.

„Man muss wirklich auch die Geilheit haben, zu sagen: ‚Ich will dieses Tor machen!‘ Man sieht es immer wieder, wenn ein Spieler kurz vor dem Tor ist, dass er vielleicht ein paar Prozent Spannung verliert, er das leere Tor sieht und bereits am Jubeln ist. Da habe ich schon ein paar Mal erlebt, dass dann der Ball drüber oder an den Pfosten geht, der Tormann noch einmal kommt oder der Verteidiger reingrätscht. Die Spannung darf man erst loslassen, wenn der Ball über der Linie ist.“

Auch rot-weiß-rote Vereinsmannschaften glänzen auf internationaler Ebene oftmals nicht gerade durch Kaltschnäuzigkeit. Dies sei laut Meinung Kollers jedoch kein rein österreichisches Problem. Dennoch fordert er von seinen Schützlingen schon im Training mehr Konzentration beim Torabschluss ein:

„Wenn ich im Training zehn oder 20 Bälle vor dem Tor habe und das bewusst ausführe, kann ich mein Selbstvertrauen stärken. Wenn ich nur blind durch die Gegend spiele und neben oder über das Tor schieße, wird es sicher nicht besser werden.“

„Bringt nichts, wenn ich nervös durch die Gegend laufe“

Tore werden in Astana und natürlich auch beim „Rückspiel“ am kommenden Dienstag im Ernst-Happel-Stadion gefordert sein, um die sechs eingeplanten Punkte zu verbuchen.

Gesteigerten Druck verspüre er vor diesen beiden Begegnungen, in denen das Nationalteam mehr zu verlieren als zu gewinnen hat, jedoch nicht, betont der Teamchef:

„Es bringt ja nichts, wenn ich nervös durch die Gegend laufe. So bin ich nicht! Mein einziger Fokus liegt auf der Vorbereitung des Spiels, und nicht ob ich nervös werde oder ob der Präsident drei Punkte erwartet. Ich hätte auch gerne drei Punkte, aber ich lasse mich nicht nervös machen – man sieht ja an den grauen Haaren, dass ich schon länger dabei bin.“

Kasachstan sollte der WM nicht im Weg stehen“

Geht es nach seinen Schützlingen, sollten keine weiteren dazu kommen. Nach den eigenen Erfahrungen mit den Kasachen in der vergangenen Qualifikation sind die ÖFB-Kicker ohnehin gewarnt.

Ivanschitz: „Eines ist sicher: Unterschätzen werden wir sie nicht. Es ist ein anderes Spiel, ein anderer Fußball, aber wir sind bereit dafür. Wir nehmen diese Herausforderung an, denn wir wollen zur WM und da sollte Kasachstan nicht im Weg stehen!“

Peter Altmann

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