Junuzovic-Verletzung bestimmt das Spiel

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Es war die 21. Minute, in der das Spiel kippte.

Österreich hatte bis dahin alles im Griff. Doch dann kam James McCarthys Foul an Zlatko Junuzovic.

Noch während der Bremer behandelt werden musste, kassierte das ÖFB-Team in numerischer Unterlegenheit das 1:1. Nach seiner Auswechselung fehlte es an Ballsicherheit, die Iren machten Druck. Das 2:1 kurz vor der Pause war nur eine Frage der Zeit.

Doch David Alabas Last-Minute-Tor rettete Österreich noch den Punkt in Dublin.

Pressing führt zu 1:0-Führung

Aber alles der Reihe nach. Die vor dem Spiel heiß diskutierte Frage, ob das ÖFB-Team abwartend oder mit Forechecking spielen werde, beantwortete Marcel Koller mit einer Mischvariante.

Während die vier Offensiv-Spieler früh attackierten, hielten sich David Alaba und Veli Kavlak mit allzu aggressivem Angriffspressing zurück. Sie wollten den Raum vor der Abwehr nicht unbesetzt lassen, um bei hohen Bällen der Iren schnell reagieren zu können.

Das 1:0 war ein Produkt dieses intelligenten Pressings. Martin Harnik setzte gemeinsam mit Junuzovic Innenverteidiger Ciaran Clark unter Druck und schloss anschließend selbst zur Führung (11.) ab.

Die Startaufsellungen: Beim ÖFB-Team wird Ivanschitz durch Harnik ersetzt, der sich im 4-2-3-1 als rechter Flügelspieler mit Zug nach innen positioniert. Irland im klassischen 4-4-2.

Schlüsselspieler Harnik

Der Torschütze nahm im Konzept Kollers eine besondere Rolle ein. Anders als der links konsequent die Flanke besetzende Marko Arnautovic hatte Harnik viele Freiheiten. Immer wieder zog er nach innen und bot sich dort als Anspielstation an. Zudem sorgten seine Rochaden mit Solospitze Philipp Hosiner für Unruhe in der irischen Defensive.

Einerseits avancierte Harnik damit zum größten Gefahrenherd des ÖFB-Angriffs. Andererseits jedoch war deswegen sein Hintermann György Garics immer wieder auf sich selbst gestellt. Bei schnellen Gegenstößen musste es der Bologna-Profi mit dem starken James McClean ganz alleine aufnehmen. Letztlich behielt Garics in diesen Duellen aber sowieso meistens die Oberhand (siehe Einzelkritik).

Und dann kam die Junuzovic-Verletzung

Nach der 21. Minute war plötzlich alles anders. Ausgerechnet Routinier Emanuel Pogatetz, der ansonsten für die Kopfballduelle zuständig war, provozierte mit einem unnötigen Tackling den Elfmeter, der zum Ausgleich führte. Verunsichert vom Gegentreffer und durch die Auswechslung von Junuzovic bekamen die Österreicher Probleme.

Der Ex-Austrianer hatte den Iren mit seiner Positionierung zwischen den beiden Viererketten Probleme bereitet. Doch seinem Ersatzmann Kavlak merkte man an, dass er mit der ungewohnten Zehnerposition nicht zurecht kam. Zu weit hing er zurück, als dass er zwischen den Linien für Gefahr hätte sorgen können. Andererseits ging der Besiktas-Legionär auch im Aufbauspiel ab, denn dort wirkte der eingewechselte Julian Baumgartlinger nicht immer ganz passsicher.

Dank seinem Drang zur Mitte bot sich Harnik immer wieder zwischen den Viererketten der Iren als Anspielstation an. War dies der Fall, zog Garics auf der Linie auf. Nicht zufällig kam das ÖFB-Team in der zweiten Hälfte zumeist über rechts zu Chancen.

Die Wechsel: Viel Rochade, kaum Chancen

Teamchef Koller ließ sich bis zur 62. Minute Zeit, um auf den Rückstand mit einer Einwechslung zu reagieren. Marc Janko kam für den in der Luft hängenden Philipp Hosiner. Sieben Minuten später durfte auch Andreas Weimann ran.

Die Wechsel brachten noch einmal Schwung in die ÖFB-Offensive. Hinter Janko rochierten Arnautovic, Harnik und Weimann emsig hin und her.

Doch obwohl Irland dadurch tiefer in die eigene Hälfte gedrängt wurde, blieben die großen Chancen aus. Auch weil man gegen die robusten Iren zu oft auf hohe Bälle setzte. Alabas Lucky-Punch sorgte schließlich aber doch noch für ein versöhnliches Ende.

Die Formationen nach den ÖFB-Umstellungen: Arnautovic, Weimann und Harnik tauschen oft die Positionen. 

Einen Vorwurf muss sich Koller gefallen lassen

Das Spiel lässt sich in zwei Phasen teilen. Bis zur 21. Minute lag das ÖFB-Team verdient in Führung. Danach waren die Iren mit ihrer wuchtigen Spielweise klar im Vorteil.

Der Teamchef muss sich deswegen den Vorwurf gefallen lassen, auf die Verletzung von Junuzovic falsch reagiert zu haben. Mit Andreas Ivanschitz stand ihm immerhin auch ein klassischer Zehner zur Verfügung. Stattdessen entschied sich Koller für die Einwechslung Baumgartlingers, die dem österreichischen Spiel jedoch nicht wirklich weiterhalf.

Nichtsdestotrotz muss man dem Schweizer lassen, seine Mannschaft gut auf den Gegner eingestellt zu haben. Vor allem die Rolle Harniks als nach innen ziehender Flügelspieler bereitete den Iren Probleme. Insofern macht nicht nur das Ergebnis Hoffnung für das nächste WM-Quali-Spiel gegen Schweden.

 

Jakob Faber

Trapattonis Ideen gehen auf

Im Rahmen dieser österreichischen Nachlässigkeiten konnte sich das irische Konzept auf einmal voll entfalten. Angestichelt vom Ausgleich presste das Team von Giovanni Trapattoni munter drauf los.

Sowohl die beiden Stürmer als auch die vier Mittelfeldspieler attackierten früh. Österreichs Verteidigung konnte sich zumeist nur mit Abschlägen helfen. Und die kamen nicht selten gleich wieder zurück. Denn wie erwartet agierte Irland im Spielaufbau mit hohen Bällen.

Beispielsweise in der 38. Minute, als das ÖFB-Team beim Stangenfersler von Shane Long im Glück war. Zuvor hatte Connor Sammon per Kopf auf den dribbelstarken McClean abgelegt.

Schließlich erzielten die Iren das 2:1 doch noch vor der Pause. Walters (45.) köpfte nach einer Ecke ein.

Österreich befreit sich über rechts

Auch in der zweiten Hälfte kam Österreich mit dem aggressiven Forechecking nicht zurecht. Nur phasenweise gelang es, das Pressing zu umspielen. Gefahr entstand hauptsächlich über die rechte Seite.

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