"Die Statistik spielt am Dienstag nicht Fußball"

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„Solche Spiele machen am meisten Spaß, weil es um etwas geht. Da ist man besonders motiviert.“

Man merkt Emanuel Pogatetz die Vorfreude auf das richtungsweisende WM-Qualifikationsspiel gegen Irland (ab 20:15 Uhr LIVE auf ATV und auch via LIVESTREAM auf atv.at) regelrecht an.

Der Insel-Fußball ist für den West-Ham-Legionär bekanntlich vertrautes Terrain. Zahlreiche Gegenspieler kennt er aus der Premier League, wo er vor seinem Abstecher in die deutsche Bundesliga auch schon jahrelang bei Middlesbrough engagiert war.

Ein Blick auf die Einsatzstatistik ließe vermuten, dass sich Pogatetz nach seinem Jänner-Wechsel nach London noch nicht so recht eingelebt hat – vier Liga-Einsätze, davon nur einer von Beginn an.

Verbleib bei West Ham über den Sommer hinaus?

Diesem Eindruck widerspricht der Steirer vehement: „Ich fühle mich bei West Ham sehr wohl. Es macht mir riesigen Spaß, bei solch einem tollen Verein spielen zu dürfen. Leider bin ich noch nicht zu vielen Einsätzen gekommen. Aber ich bin noch nicht so lange dort, und es waren noch nicht so viele Spiele, seit ich gewechselt bin.“

In Wolfsburg hatte Pogatetz nach der Entlassung von Felix Magath bei dessen Nachfolgern Lorenz-Günther Köstner und Dieter Hecking keine guten Karten, spielte seit Ende Oktober nicht eine einzige Minute.

Verständlich, dass er die Reißleine ziehen musste. Die leihweise Rückkehr in die frühere Wahlheimat England bot sich an, eine Verlängerung des Aufenthalts wird angestrebt:

„Ich hoffe, dass ich im Sommer bei West Ham bleiben kann. Wenn nicht, werde ich zu Wolfsburg zurückkehren und dort mein Bestes geben.“

Erst kämpfen, dann die fußballerischen Stärken ausspielen

Dieser Tage gibt Pogatetz sein Bestes für Österreich. Er erwartet, dass Irland von der ersten Minute an versuchen werde, das ÖFB-Team unter Druck zu setzen: „Darauf müssen wir vorbereitet sein und aufpassen, weil sicher viele Bälle aus allen Richtungen in den Strafraum kommen werden.“

Gegen diesen körperbetont agierenden Gegner müsse man die Zweikämpfe annehmen: „Denn wenn Irland uns körperlich dominiert, kommen wir auch nicht dazu, unsere fußballerischen Fähigkeiten auszuspielen. In erster Linie müssen wir versuchen, genauso viel zu kämpfen und zu laufen, wie es Irland tun wird. Dann können wir unsere fußballerischen Stärken ins Spiel bringen, und dann denke ich, dass wir zu Möglichkeiten kommen können.“

Eine Härteschlacht im klassischen erwartet der Innenverteidiger jedoch nicht: „Es dürfte nicht so extrem wie bei Spielen in der Premier League werden, weil europäische Schiris mehr abpfeifen.“

Im Februar konnte sich die ÖFB-Elf beim 1:2 in Wales auf die Gegebenheiten einstellen. Überbewerten möchte Pogatetz diese misslungene Generalprobe jedoch nicht: „Die Iren kommen mehr über das Kollektiv, während Wales mit Gareth Bale über einen der weltbesten Spieler verfügt. Außerdem haben wir einige Dinge probiert. Jetzt wartet der Ernstfall.“

„Wissen, dass unsere Statistik sehr schlecht aussieht“

Alles in allem schätzt der 30-Jährige das Kräftemessen mit den Iren als Duell auf Augenhöhe ein. Um wirklich die drei Punkte zu entführen, ist jedoch eine deutliche Leistungssteigerung in der Fremde von Nöten.

Die statistische Horror-Bilanz ist bekannt. In den vergangenen zehn Jahren konnte Österreich in Auswärtsspielen in 33 Versuchen nur vier Mal als Sieger vom Platz gehen: 2003 in Schottland (2:0), 2005 in Wales (2:0), 2006 in Liechtenstein (2:1) und 2011 in Aserbaidschan (4:1). Pogatetz selbst, immerhin 54-facher Teamspieler, kam in all den Jahren nur in Wales in den Genuss eines Erfolgserlebnisses auf fremdem Boden.

„Wir wissen natürlich, dass unsere Statistik sehr schlecht aussieht. Es ist wirklich schwer zu erklären. Als uns der Teamchef am Anfang dieses Lehrgangs darauf aufmerksam gemacht hat, dass unsere Statistik auswärts in den letzten Jahren so schlecht ist, war ich auch ein bisschen erschrocken. Auf der anderen Seite spielen Statistiken am Dienstag nicht unbedingt Fußball. Von dem her haben wir trotzdem alle Möglichkeiten, etwas aus Irland mitzunehmen.“

Für eine Trendwende spricht laut Meinung des Grazers die Qualität des Teams: „Außerdem kann man es wiederum als Ansporn nehmen, das richtig stellen zu wollen. So werden wir auch an die Sache herangehen.“

„Drago spielt schon länger regelmäßig auf sehr hohem Niveau“

Gegen die Färöer war Aleksandar Dragovic sein Partner im Abwehrzentrum – eine Kombination, die im ÖFB-Dress bislang nur wenig erfolgsverwöhnt war. Zuvor stand man bei den Niederlagen gegen Belgien (0:2), in der Türkei (0:2), gegen die Slowakei (1:2) und die Elfenbeinküste (0:3, Pogatetz zur Pause ausgewechselt) gemeinsam in der Startformation.

Schnee von gestern. Pogatetz ist jedenfalls voll des Lobes für seinen Nebenmann: „Drago spielt schon länger regelmäßig auf sehr hohem Niveau. Er hat sehr hart gearbeitet, um im Nationalteam seine Chance von Anfang an zu bekommen. Gegen die Färöer hat er seinen Job sehr gut gemacht, auch wenn wir natürlich beide wissen, dass gegen Irland andere Aufgaben auf uns zukommen.“

Auch Teamchef Marcel Koller fand, dass das Duo gegen den Underdog gut miteinander harmoniert und die Bälle gut nach vorne gespielt habe.

„Vorbild“ Deutschland

Der überzählige Mann in der Innenverteidigung war diesmal Sebastian Prödl. Laut Koller hätten „Kleinigkeiten“ den Ausschlag gegen den Werder-Legionär gegeben: „Im letzten Spiel war Prödl vielleicht ein bisschen weniger aktiv im Spiel nach vorne. Wir haben einen Stamm von 23, da gibt es manchmal den einen oder anderen, der aus der Mannschaft genommen wird. Für die Färöer war das sicher eine gute Entscheidung. Ich habe aber natürlich auch mit Prödl gesprochen, wir haben die Spiele analysiert. Er wird seinen Weg weitergehen. Er ist einer, der die Kritik annimmt und versucht, die Dinge umzusetzen.“

Wer auch immer in Dublin auflaufen wird, Pogatetz glaubt, dass die ÖFB-Elf die richtigen Charaktere hat, um etwas mitzunehmen.

Dabei muss man auch nicht gleich so auftrumpfen wie Deutschland, das im Oktober einen 6:1-Kantersieg bei den Iren gefeiert hat.

Pogatetz: „Die Deutschen haben vorgezeigt, wie es gehen würde und die Schwächen der Iren aufgezeigt, aber Deutschland ist eben auch das Nonplusultra.“

Peter Altmann

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