"Wichtig ist, dass der Traum am Leben bleibt"

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Ob es das wichtigste Tor seiner bisherigen Karriere gewesen ist, sei schwer zu sagen.

„Ich glaube, der Elfmeter damals in Madrid war auch sehr wichtig“, meinte David Alaba, gewohnt bescheiden, über seinen Ausgleichstreffer zum 2:2 in Irland.

Sicher, die Partie in Dublin hatte nicht die Bedeutung eines Champions-League-Halbfinales, das Last-Minute-Tor des Bayern-Jungstars könnte für das ÖFB-Team in der WM-Qualifikation jedoch noch Gold wert sein.

Sich selbst wollte der 20-Jährige wie gehabt nicht in den Mittelpunkt stellen: „Natürlich ist es ein schönes Gefühl, dass ich das Tor schießen konnte, aber wichtig ist, dass wir einen Punkt mitnehmen konnten, und dass der Traum am Leben bleibt.“

„Bis zur letzten Minute daran geglaubt“

Alaba betonte: „Wir haben als Mannschaft wirklich bis zur letzten Minute daran geglaubt, haben uns immer gegenseitig gepusht.“

Aufgrund des Spielverlaufs dominierte bei den rot-weiß-roten Auswahlspielern nach Schlusspfiff die Erleichterung, dass es zumindest noch zu einem Punkt gereicht hat. Wenngleich bisweilen schon die Erkenntnis durchklang, dass mehr drinnen gewesen sei.

Bei aller Freude über den späten Ausgleich fand zum Beispiel Christian Fuchs: „Ich muss sagen, dass Irland mit dem Punkt sehr gut bedient ist.“

„Ehrlich gesagt war ich nach der 1:0-Führung sehr positiv gestimmt, dass wir das Spiel gewinnen können. Aber ich denke, der Ausfall von ‚Sladdi‘ hat uns irgendwo aus der Bahn geworfen“, meinte Marc Janko.

Pogatetz: „Enttäuscht, wie ich mich in dieser Szene verhalten habe“

Gemeint ist Zlatko Junuzovic, der sich nach 20 Minuten durch ein brutales Foul von James McCarthy eine Rissquetschwunde zuzog und vom Platz musste. Bis dahin hatte der Werder-Legionär, der mit sieben Stichen genäht wurde und zehn Tage ausfallen wird, ein überragendes Spiel abgeliefert und auch das Tor von Martin Harnik vorbereitet.

Wie auch die LAOLA1-Taktik-Analyse herausarbeitet, ist danach bis zur Pause der Faden gerissen – garniert mit denkbar unnötigen Gegentreffern durch individuelle Fehler.

Noch in Unterzahl, während Junuzovic versorgt wurde, verursachte mit Emanuel Pogatetz der routinierteste Österreicher einen Elfmeter an Shane Long, der so nie hätte passieren dürfen.

Entsprechend zerknirscht war der West-Ham-Legionär: „Ich bin enttäuscht, wie ich mich in dieser Szene verhalten habe. Ich dachte, dass noch ein Ire in der Mitte mitgelaufen ist, der dann einschussbereit steht, aber dem war nicht so, deswegen hätte ich im Nachhinein natürlich nicht reingrätschen müssen.“

Fehleinteilung beim zweiten Gegentreffer

Ein simpler Blick zur Mitte hätte gereicht, um zu bemerken, dass der irische Stürmer allein auf weiter Flur ist: „Dann hätte ich ihn nur stellen müssen. Es war dumm, wie der Elfmeter entstanden ist. Dafür muss ich natürlich gerade stehen.“

Jonathan Walters verwandelte den Strafstoß souverän und durfte sich auch bei seinem Kopfball-Treffer unmittelbar vor der Pause über ÖFB-Mithilfe freuen. Einerseits verlor Fuchs das direkte Duell, andererseits stand kein Österreicher am zweiten Pfosten. Dafür wäre Junuzovic eingeteilt gewesen, nach seinem Out stimmte die Absprache nicht.

So brachte man sich um die Früchte einer starken Anfangsphase und war nach Wiederanpfiff gezwungen, einem Rückstand hinterherzulaufen.

„Wir haben uns in der Halbzeit gesagt, dass wir weiter daran glauben, gegen das körperbetonte Spiel der Iren weiter dagegenhalten müssen. Gott sei Dank haben wir uns am Ende belohnen können“, meinte Alaba.

„Ab der 60. Minute haben wir ein Powerplay aufgezogen“

In der Tat steigerte sich die Koller-Elf im zweiten Durchgang zunehmend. „Ab der 60. Minute haben wir mehr oder weniger ein Powerplay aufgezogen und den Iren keine Luft mehr zum Atmen gegeben“, verdeutlichte Fuchs.

Während Pogatetz einen Elfmeter verursachte, blieb die Pfeife des kroatischen Schiedsrichters Marijo Strahonja bei einer strittigen Strafraumszene gegen ihn stumm.

„Der Elfmeter an mir hätte gepfiffen werden müssen, als mich mein Gegenspieler wirklich über zehn, 15 Sekunden festhält und dann auf mich drauffällt. Der Schiedsrichter hat es auch beobachtet, es aber komischerweise nicht für elfmeterwürdig empfunden. Das ist natürlich enttäuschend“, beschwerte sich der Steirer.

„David hat eine überragende Schusstechnik“

Darauf, dass der Referee eine harte Gangart der Iren durchgehen ließ, wollten sich die ÖFB-Kicker jedoch nicht ausreden.

Letztlich konnte man sich bei Alaba, der in den 90 Minuten davor nicht seinen besten Tag erwischt hat, bedanken, dass er die Bemühungen des gesamten Teams belohnte.

„David hat eine überragende Schusstechnik. Man darf aber keinen Einzelnen herausheben. Ich finde, dass die ganze Mannschaft sehr gut dagegengehalten hat. Wer dann das Tor macht, ist mir komplett egal, aber natürlich freut es mich für David, dass er den Ball so gut trifft“, meinte Fuchs.

„Man darf nicht vermessen sein“

So gesehen dominierte das lachende gegenüber dem weinenden Auge. Sich zu sehr über einen vergebenen Sieg zu ärgern, sei laut Pogatetz nicht angebracht:

„Man darf nicht vermessen sein. Sicher haben wir über weite Strecken das Spiel dominiert, weil wir einfach mehr Qualität hatten als die Iren. Man muss aber sagen, dass sie ihre Qualitäten gut ins Spiel gebracht haben. Durch Standards hatten sie schon das eine oder andere Mal gute Chancen, wo sie vielleicht noch ein Tor hätten erzielen können.“

Unter dem Strich überwog die Freude, in letzter Sekunde doch noch realistische Chancen auf Brasilien 2014 gewahrt zu haben.

Fuchs: „Die sechs Tore gegen Färöer und dieser eine Punkt können im weiteren Verlauf der WM-Qualifikation vielleicht noch Gold wert sein für uns.“

Peter Altmann

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