"Wir sind halt nicht die Deutschen"

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Es ist eine Frage, welche die ÖFB-Kicker wohl noch länger beschäftigen wird: Kann man mit dem 2:2 in Irland restlos zufrieden sein, oder wäre vielleicht doch mehr drinnen gewesen?

Aufgrund des Spielverlaufs mit dem Ausgleich in letzter Sekunde durch David Alaba schlug das Pendel in Dublin eher in Richtung ersterer Variante aus.

Das sah auch Martin Harnik so. „Aufgrund des zweiten Tors in der Nachspielzeit bin ich natürlich schon glücklich. Ich habe selten so viel Emotion in mir erlebt wie beim 2:2“, erklärte der Stuttgart-Legionär.

Nachsatz: „Ich glaube, ich war auch der einzige unter der Woche, der gesagt hat, dass ein Punkt in Irland gut ist. Das wurde anscheinend von den vielen Experten, die keine sind, belächelt. Jetzt schreiben sie wahrscheinlich alle, wie wertvoll dieser Punkt war und dass wir so die Chance gewahrt haben.“

„Haben die Iren zurück ins Spiel gebracht“

Bei aller Zufriedenheit konnte aber auch der 25-Jährige gemischte Gefühle nicht verbergen. „Wenn man das ganze Spiel betrachtet, glaube ich, waren wir schon die spielbestimmende Mannschaft und hätten auch mehr verdient gehabt.“

Harnik selbst hatte Österreich in Minute elf nach Vorarbeit von Zlatko Junuzovic in Führung gebracht – der Höhepunkt einer gelungenen Anfangsphase des ÖFB-Teams.

„Sladdi hat den Ball sehr gut erobert und dann die Übersicht behalten. Er hätte auch selbst schießen können, aber er hat mich gesehen. Aus dieser Position muss ich das Tor natürlich machen“, rekapitulierte die Offensivkraft.

Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Junuzovic baute die rot-weiß-rote Auswahl bis zur Pause ab. Die Entstehung der beiden Gegentreffer war Harnik dabei ein Dorn im Auge:

„Wir haben die Iren wieder zurück ins Spiel gebracht. Es waren zwei vermeidbare Tore. Der Elfmeter war sehr plump. Beim zweiten Gegentor haben wir den zweiten Pfosten nicht besetzt. Warum weiß ich nicht genau, aber normalerweise ist er besetzt. Dann geht der Ball auch nicht rein. So haben wir das schlechtere Team in diesem Spiel wieder in Front gebracht.

„Habe eine sehr engagierte Leistung geboten“

Und musste nach dem Wiederanpfiff dem Rückstand hinterherlaufen, ehe Alaba nach Pass von Harnik im letzten Abdruck doch noch für österreichische Glücksgefühle sorgte.

„Das macht er super. Aber das ist natürlich auch seine Stärke. Es wissen alle, wie gut er aus der Distanz schießt, er hat schon beim Aufwärmen einige reingehauen. Es kam natürlich ein bisschen Glück dazu, dass der Ball abgefälscht wurde. Wir haben alle an diesen Punkt geglaubt und haben ihn dann auch durch den Schuss von David erzwungen.“

„Man darf nicht vergessen, wo man herkommt. Wir sind immer noch Österreich. Die Ansprüche sind ja unglaublich groß – eigentlich zu groß. Wir haben in Irland gegen eine kampfstarke Mannschaft ein 1:2 noch einmal in ein 2:2 umgebogen. Das Positive überwiegt“, hielt Harnik fest und schätzte den aktuellen Ist-Zustand realistisch ein:

„Dass wir immer noch Fehler machen und nicht alles perfekt läuft, ist einfach so. Wir sind halt nicht die Deutschen, wir brennen hier kein Feuerwerk ab, sondern müssen uns alles hart erarbeiten. Das tun wir.“

„Müssen zu Hause gegen Schweden gewinnen“

Der ÖFB-Elf die Moral abzusprechen, wäre nach diesem Match ohnehin unglaubwürdig. Doch auch bezüglich der Qualität des Gebotenen, des Spielstils und des Systems sind Fortschritte unter Koller unverkennbar. Ob dieser Weg zur WM führt, wird sich weisen – neben den Iren ist vor allem mit Schweden beinharte Konkurrenz vorhanden.

Die Skandinavier gastieren am 7. Juni im Happel-Stadion, die nächste richtungsweisende Partie. Im Hinblick darauf ist Harnik mit der Ausbeute aus den beiden Begegnungen gegen die Färöer und in Dublin zufrieden:

„Vier Punkte waren das Minimalziel, das haben wir erreicht. Wir hätten natürlich gerne sechs Punkte geholt, aber es sollte einfach nicht sein. Wir haben die Chance gewahrt und müssen jetzt natürlich zu Hause gegen die Schweden gewinnen.“

Dies sei natürlich ein anderes Kaliber, aber zu Hause müsse man die Spiele für sich entscheiden, um zur WM nach Brasilien zu fahren.

Das wichtigste Rezept dabei: „Wir dürfen Schweden nicht so zu Toren einladen, wie wir es mit den Iren gemacht haben.“

Peter Altmann

Als einziger ÖFB-Akteur rückte der gebürtige Deutsche neu in die Startelf, er ersetzte Andreas Ivanschitz. Dabei lieferte er eine starke Performance ab, war auch abseits seines Treffers und Assists ein Unruheherd.

„Ich habe natürlich darauf gebrannt, weil ich gegen die Färöer krankheitsbedingt geschont wurde, was auch vernünftig war. Ich war froh, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen und habe meiner Meinung nach eine sehr engagierte Leistung geboten“, meinte der 35-fache Teamspieler.

„Die Ansprüche sind ja unglaublich groß – eigentlich zu groß“

Dabei fiel auf, dass er in Halbzeit eins immer wieder mit Philipp Hosiner rochierte und mit Fortdauer der zweiten Halbzeit noch mehr Freiheiten genoss.

Harnik versicherte, dass dies keine Vorgabe gewesen sei: „Das war nichts Abgesprochenes, da haben wir Narrenfreiheit vorne. Das 2:2 ist ja auch so entstanden, dass ich den Ball auf der linken statt auf der rechten Seite bekomme habe, ich habe auch die eine oder andere weitere Situation über links gehabt. Wir sind offensiv sehr flexibel, und das ist auch ein Vorteil.“

Unter dem Strich steht eine Vorstellung des Nationalteams mit zahlreichen Ups, aber auch einigen Downs, also vermutlich dem aktuellen Entwicklungsstand der Elf von Marcel Koller entsprechend.

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