Hinter der Fassade des Maestros

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"Absoluter Fachmann, aber darüber hinaus Mensch"

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Zehn nationale Meisterschaften, drei UEFA-Cup-Titeln sowie je einmal den Eurpapokal der Landesmeister und den Weltpokal.

Wenn Österreich am Dienstag (ab 20:15 Uhr LIVE auf ATV und auch via LIVESTREAM auf atv.at) auf Irland trifft, dann spielen die ÖFB-Kicker auch gegen einen der erfolgreichsten Trainer der Fußball-Geschichte.

Giovanni Trapattoni gilt schon jetzt als lebende Legende. In seiner langen Karriere hat es den 74-Jährigen bekanntlich auch einmal nach Österreich verschlagen. Zwischen 2006 und 2008 zog der Italiener bei Red Bull Salzburg die Fäden.

Rene Aufhauser war damals dabei. Der 57-fache Internationale wurde mit „Trap“ 2007 Meister, erlebte aber ein Jahr später auch eine der bittersten Niederlagen des Altmeisters mit – die 0:7-Heimpleite gegen Rapid.

Im LAOLA1-Interview spricht Aufhauser über die Arbeitsweise seines ehemaligen Trainers, dessen Wettvorwürfe zum eben angesprochenen Debakel und seine persönliche Zukunft beim FC Liefering. Das inoffizielle Farmteam von RB Salzburg liegt in der Regionalliga West momentan auf Aufstiegskurs.

LAOLA1: Giovanni Trapattoni hat über dich einmal gesagt: "Internationale Spieler sind für internationale Spiele. Und Aufhauser ist ein internationaler Spieler." Wie war dein persönliches Verhältnis zu ihm?

Rene Aufhauser: Aus der Zeit, als er bei uns war wirst du keine drei Spieler finden, die etwas Negatives über ihn sagen. Alleine das ist schon erstaunlich. Er ist ein absoluter Fachmann, aber darüber hinaus vor allem ein Mensch. Er hat jeden Spieler geschätzt. Ich glaube, das ist der Grund, warum er auch mit den großen Klubs so erfolgreich war. Er hat uns klar gemacht, dass die Mannschaft über allem steht. Das war sehr authentisch. Zwischenmenschlich hat es deshalb nie Probleme gegeben. Ich habe sehr viel Positives aus unserer gemeinsamen Zeit mitgenommen. Es kann sich sicher jeder Spieler, der später einmal Trainer werden will, von ihm eine große Scheibe abschneiden.

LAOLA1: Sein Umgang mit euch Spielern beruhte also vor allem auf Respekt?

Aufhauser: Absolut, aber ich will das gar nicht übertrieben darstellen. Er pflegte einen normalen, natürlichen Umgang mit den Spielern. In all seinen Jahren als Trainer hat er genügend Erfahrung gesammelt, um zu wissen, dass alle Profis im Kader wichtig sind. Es zählt eben nicht nur die Stammelf, sondern ein Trainer braucht in einer Saison auch die Nummer 18 oder 20 im Kader. Er hat es beherrscht, diese Spieler bei Laune zu halten. Das hat ihn über Jahre ausgezeichnet.

LAOLA1: Auf welche Dinge hat er im Training am meisten Wert gelegt?

Aufhauser: Auf die Frischheit der Spieler. Es durfte keine Müdigkeit aufkommen. Wir hatten fast jede Woche zwei Spiele. Also hat hat er großen Wert darauf gelegt, dass wir zum Match hin fit sind. Beim Training war er auch selbst immer mit dabei. Er hat trotz seines fortgeschrittenen Alters beim Aufwärmen mitgemacht. Das machte ihn in der Mannschaft sympathisch.

LAOLA1: Taktisch gilt er ja eher als defensiver Trainer-Typ.

Aufhauser: Na klar. Eine Meisterschaft gewinnt man einfach nur mit einer guten Defensive. Dieses Sprichwort bewahrheitet sich immer. Außerdem wollte er, dass die Mannschaft während einer Partie auf verschiedene Situationen selbst reagiert. Zum Beispiel sollten wir das Spiel selbst interpretieren, je nachdem welche Bedingungen – etwa von der Temperatur oder vom Platz her – vorherrschen. Manchmal muss man beispielsweise eben auf Kick and Rush setzen.

LAOLA1: Wenn du so zurückdenkst an die Zeit unter Trapattoni, was waren eure besonderen Stärken?

Aufhauser: Wir hatten damals eine besonders erfahrene Mannschaft. Er hat es verstanden aus 24 Profis, von denen geschätzt 18 Nationalspieler waren, ein Team zu formen. Das war sicherlich seine große Stärke.

LAOLA1: Kannst du dem ÖFB-Team vielleicht einen Insider-Tipp mitgeben, wie man eine Trapattoni-Mannschaft besiegt?

Aufhauser: Er wird die Iren sicherlich sehr gut auf Österreich einstellen und seiner Mannschaft viel Selbstvertrauen einimpfen. Außerdem glaube ich, dass er gar nicht so viel auf Österreich reagiert, sondern versucht, eher die eigenen Stärken forcieren. Zunächst ist er sicherlich einmal darauf bedacht, dass hinten die Null steht und nach Standardsituationen sind die Iren immer für Tore gut.

LAOLA1: Kommen wir zum Abschluss noch zu dir persönlich. Liefering führt die Regionalliga West momentan an. Wäre die Erste Liga noch einmal eine Herausforderung für dich?

Aufhauser: Ja, das ist sicherlich ein sportliches Ziel von mir. Ich will noch einmal Erste Liga spielen. Vor allem geht es mir aber darum, dass wir (gemeint ist Red Bull, Anm.) eine zweite Mannschaft in den Profifußball bekommen. Akademiespieler müssen in der zweiten Liga zum Einsatz kommen. Nur dort werden sie so weit gefordert, dass sie für die Bundesliga reif sind. Der Sprung aus der dritten Liga nach oben ist zu groß.

LAOLA1: Du bist 36 Jahre alt. Hast du schon Pläne für die Zeit nach deiner Karriere. Steigst du eventuell in das Trainergeschäft ein?

Aufhauser: Diese Überlegungen sind jetzt noch ein bisschen zu früh. Aber ich will auf alle Fälle im Fußball bleiben. Natürlich würde sich da eine Trainertätigkeit anbieten. Aber jetzt beschäftige ich mich noch nicht damit. Ich möchte einfach unsere Ziele erreichen und meine Karriere als Spieler verlängern.

LAOLA1: Last but not least noch etwas Kurioses: Trapattoni ließ zuletzt mit einer Aufsage aufhorchen, bei der er Salzburgs 0:7-Heimpleite gegen Rapid mit Wett-Manipulation in Verbindung brachte. Du warst damals nicht im Einsatz, aber könnte da irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein?

Aufhasuer: Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. In keinster Weise. Er wird das eben in dem Zusammenhang gesagt haben, weil er sich sonst keine Erklärung dafür vorstellen kann. Denn natürlich ist es ein Wahnsinn, dass der Erste gegen den Zweiten daheim 0:7 verliert. Aber ich persönlich schließe das absolut aus.

 

Das Gespräch führte Jakob Faber

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