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LAOLA1-Taktik-Analyse: Löw führt Constantini vor

Es war eine Machtdemonstration.

Deutschland führte Österreich beim 6:2-Sieg in der Arena „Auf Schalke“ regelrecht vor.

Das DFB-Team zelebrierte seine Überlegenheit in allen Belangen, vor allem aber auch auf der taktischen Ebene. 

  •  Startaufstellungen: Löws drei Änderungen

„Wir wollen ein ähnliches Konzept wie in Wien verfolgen. Die Deutschen werden ihr Spiel durchziehen, ihnen ist egal, was wir machen“, meinte Didi Constantini gegenüber dem „ORF“ vor dem Spiel. Eine Aussage, mit der der Teamchef schon vor dem Spiel ankündigte, was er falsch machte.

Bundestrainer Jogi Löw reagierte nämlich sehr wohl auf den nur knappen 2:1-Sieg aus dem Hinspiel. Erstens rutschte im Angriff durch die Verletzung von Gomez der beweglichere Klose in die Startelf. Zweitens nahm Lahm nach seiner Versetzung auf die linke Abwehrseite bei den Bayern nun auch in der Nationalmannschaft diese Position ein. Und drittens stellte der Ex-Austria-Coach sein System, wie schon gegen Brasilien, von einem strikten 4-2-3-1 auf ein 4-1-4-1 um. Drei Änderungen, die das Spiel entscheidend prägten.

Constantini vertraute auf ein flaches 4-4-2. Vorne agierte Harnik überraschenderweise auf relativ gleicher Höhe mit Arnautovic.

  • Österreich im Zentrum überfordert

Was in Wien noch gut funktionierte, ging diesmal ordentlich in die Hose: Die Kontrolle des Raums zentral vor der Abwehr.

Gelang Özil beim Hinspiel aufgrund der eng stehenden österreichischen Defensive kaum etwas, war er am Freitag mit zwei Toren und einem Assist der Mann des Spiels. Der Grund dafür: Löws Umstellung auf 4-1-4-1. Mit dem groß aufspielenden Kroos beschäftigte noch ein zweiter Deutscher die österreichischen Sechser. Dahinter durfte Schweinsteiger die Fäden ziehen, ohne von einem der österreichischen Angreifer entscheidend gestört zu werden.

Angesichts dieser deutschen Wucht im zentralen Mittelfeld schienen Baumgartlinger und Alaba zu zweit überfordert. „Wir wollten Schweinsteiger, Özil und Kroos zustellen. Das ist uns nicht gelungen, sie haben uns immer wieder aufgerissen und mit einfachen Spielzügen Tore geschossen“, stellte Harnik fest.

Die deutschen Angriffe begannen oft nach demselben Muster: Pass von hinten auf Özil oder Kroos. Einer der beiden spielt direkt zum aufgerückten Außenverteidiger. Dieser leitet über die Flügel den Angriff ein oder sucht mit den zentralen Mittelfeldspielern den Doppelpass.

Müller bot sich zudem an der rechten Flanke auch immer wieder für einen weiten Wechselpass an. Dadurch erzeugte er nicht nur offensive Gefahr, sondern drängte auch Schalkes Außenverteidiger-Ass Fuchs in eine defensivere Rolle, als ihm lieb war.

  • Konter funktionieren nicht

Zwei Tore dank einer nahezu perfekten Chancenauswertung täuschen darüber hinweg, dass beim ÖFB-Team auch offensiv nicht viel funktionierte. Gefährliche Konter, wie sie beim 1:2 in Wien vor allem über die starke linke Seite gefahren wurde, blieben großteils aus. Auch darauf bereitete Löw sein Team nämlich detailliert vor.

Durch Lahms Versetzung auf die linke Seite wurden die meisten Angriffe über den deutschen Kapitän aufgebaut. Rechts dagegen hielt sich Höwedes mit Vorstößen eher zurück. Die als gefährlichere ausgemachte linke Flanke des ÖFB-Teams war deswegen vor allem in der ersten Hälfte konsequent vor Konterangriffen geschützt. Zudem funktionierte im Vergleich zum Hinspiel auch das Pressing der Deutschen besser. Verlor das DFB-Team im Angriff einmal den Ball, wurde der österreichische Spieler sofort von mehreren Deutschen bedrängt.

Bei Österreich fehlte die Schnittstelle zwischen Offensive und Defensive. Ein Spieler, der mit präzisen und direkten Pässen nach vorne das oft zitierte schnelle Umschalten einleitet. Alaba versuchte sich zwar immer wieder in dieser Rolle, war jedoch allzu oft mit seinen defensiven Aufgaben beschäftigt. So wurden die Flügel kaum eingesetzt und die Stürmer mussten sich ihre Bälle selbst aus dem Mittelfeld holen, da sie vorne in der Luft hingen.

  • Die zweite Hälfte: Keine Reaktion von Constantini

An den Spielsystemen nahmen die beiden Trainer auch im Laufe der zweiten Halbzeit keine gravierenden Änderungen vor. Deutschland zog sich jedoch immer mehr in die eigene Hälfte zurück und gewährte dem ÖFB-Team nun mehr Platz. Dies schuf umgekehrt auch Raum für Konterangriffe der Löw-Elf. Nicht umsonst entstanden sowohl das 4:1 durch Özil (47.) als auch das 6:2 durch Götze (88.) infolge eines deutschen Gegenangriffes.

Österreichs Teamchef Constantini änderte auch in der zweiten Hälfe nichts an der Grundordnung seiner Mannschaft. Sein Wechsel (Hoffer für Royer, 73.) verpuffte wirkungslos, da sich am grundlegenden Problem, dem nicht funktionierenden System, nichts änderte.

  • Fazit: Konzept aus dem Hinspiel schlägt völlig fehl

Constantini ging schon mit falschen Vorannahmen in das Spiel. Eine Farce zu denken, der deutsche Bundestrainer würde seine Mannschaft nicht auf den Gegner einstellen. Letzlich waren Löws drei Änderungen gegenüber dem Hinspiel spielentscheidend: Der bewegliche Klose passte besser ins System, als der starre Gomez. Lahm konnte sich offensiv austoben, während rechts ein gelernter Innenverteidiger gegen Österreichs starke linke Seite absicherte. Und mit der Systemumstellung auf 4-1-4-1 rissen die Deutschen die Kontrolle im zentralen Mittelfeld eindrucksvoll an sich.

Constantinis Reaktion auf die taktische Unterlegenheit blieb aus. Stattdessen sah der Teamchef tatenlos zu, wie seine Mannschaft vor allem im zentralen Mittelfeld den Deutschen größtenteils hinterher lief. Der Plan, genauso wie in Wien zu spielen, ging aufgrund Löws Maßnahmen nicht auf.

Bleibt festzuhalten, dass ein Großteil der am Platz stehenden ÖFB-Spieler im Alltag der deutschen Bundesliga mit Schweinsteiger, Lahm und Co. mithalten können. Auf Nationalteam-Ebene müssen sie jedoch eine empfindliche und ebenso klare 2:6-Schlappe einstecken.

 

Jakob Faber

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