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Das Team hat Zukunft, der Teamchef auch?

Geknickt, fast ein wenig teilnahmslos lehnte Didi Constantini über weite Strecken der zweiten Halbzeit am Geländer neben der österreichischen Trainerbank. Resignation in Reinkultur.

Vorsichtig formuliert, hat das 2:6 in Deutschland die Jobsicherheit des österreichischen Teamchefs nicht gerade erhöht.

Weniger die Niederlage, sondern die Art und Weise, wie der WM-Dritte die ÖFB-Elf vorführte, ließ eine fassungslose rot-weiß-rote Delegation zurück.

Nicht selten hörte man auf der Heimreise von Gelsenkirchen nach Wien die insgeheime Erleichterung, dass das Ergebnis ob der deutschen Großzügigkeit beim Verwerten der Chancen nicht zweistellig ausfiel.

„Wenn ein Trainer nichts gewinnt, wird er entlassen“

Eines gleich vorweg: So sehr mancherorts im Vorfeld der Partie mit einem Abgang Constantinis im Falle einer Niederlage spekuliert wurde, der Tiroler bleibt auch nach dem Debakel im Amt.

Der 56-Jährige selbst schließt persönliche Konsequenzen aus: „Es ist immer dasselbe: Wenn ein Trainer nichts gewinnt, wird er entlassen. Mein Vertrag läuft bis 31. Dezember, und den halte ich ein.“

„Nichts gewinnen“ beschreibt den traurigen Sachverhalt recht treffend – abgesehen vom 3:1 gegen Lettland gingen sieben der letzten acht Länderspiele verloren.

Präsident Leo Windtner wiederum sieht weiterhin keinen Handlungsbedarf bezüglich seines leitenden Angestellten. „Die Situation ist unverändert“, gab der Oberösterreicher am Flughafen Münster zu Protokoll.

Außendarstellung des ÖFB? Nicht genügend

Der Verbandschef hat vor dem Aufeinandertreffen mit der Türkei am kommenden Dienstag im Ernst-Happel-Stadion vielmehr Rang zwei in der EM-Qualifikations-Gruppe im Blick, denn durch das überraschende 1:1 der Belgier in Aserbaidschan hat sich Österreichs nur fast hoffnungslose Ausgangslage am Freitag nicht gerade gravierend verschlechtert – drei Siege in den abschließenden drei Matches vorausgesetzt.

Constantinis Schützlinge wiederum schworen ihrem Coach nach dem Schlusspfiff die Treue. „Wir stehen alle hinter ihm. Das war heute überhaupt nicht seine Schuld, das war unsere Schuld“, erklärte David Alaba.

Diese Mannschaft hat Zukunft

Der frühere Feuerwehrmann vermittelt indes nur mehr bedingt den Eindruck, als gäbe es für ihn noch Rettung in höchster Trainer-Not. Oder klingt so ein Trainer, der nicht sein eigenes Ablaufdatum kommen sieht?

„Meine Bilanz ist nicht unbedingt gut. Wir haben mehr verloren, weil wir zu wenige Chancen verwertet haben. Auf der anderen Seite glaube ich, dass die Mannschaft sicher Zukunft hat, auch wenn es heute nicht so ausgeschaut hat. Ich glaube, wenn man sie zusammenlässt, dann wird etwas weitergehen.“

Dass diese Mannschaft Zukunft hat, glauben wohl die meisten in Fußball-Österreich. An jene des Trainers wohl nicht mehr ganz so viele.

Möglicherweise hilft, frei nach Windtner, nur noch ein Qualifikations-Wunder…

Peter Altmann

„Jetzt gilt die volle Konzentration der Türkei, denn so absurd es klingt: Wenn wir die Türkei schlagen, lebt die Chance. Da wäre es kontraproduktiv, jetzt Unruhe reinzubringen, auch wenn eine Niederlage in dieser Höhe keiner erwartet hat“, so Windtner.

Unruhe gab es in den letzten Tagen und Wochen ohnehin genügend. Die Außendarstellung des ÖFB war seit Anfang August zumindest ein „gefühltes 2:6“ – sei es wegen der „Tellerrand-Affäre“, der „Trottel-Affäre“ der Assistenztrainer Manfred Zsak und Franz Wohlfahrt oder Constantinis abgebrochener Pressekonferenz.

Sportlich trugen die Sticheleien zwischen Marc Janko und dem Teamchef im Vorfeld des Deutschland-Spiels kaum zur Ruhe bei. Der Kapitän nahm in der Arena AufSchalke wegen einer Adduktorenblessur auf der Tribüne Platz. „Ich glaube, bis Dienstag ist er wieder fit“, ließ Constantini wissen.

„Deutschland hat uns diesmal ernster genommen“

Wer auf positive Schlagzeilen durch eine couragierte Leistung gegen die Auswahl von Joachim Löw hoffte, wurde bitter enttäuscht. Erwies sich Constantinis Marschroute bei der 1:2-Heimniederlage gegen die Deutschen im Juni noch als durchaus gelungen, griff der Tiroler diesmal taktisch daneben.

Auch eine Reaktion auf die drückende qualitative und numerische Überlegenheit der DFB-Elf im zentralen Mittelfeld blieb aus. Plan A funktionierte nicht, Plan B gab es nicht.

„Ich glaube, dass uns Deutschland diesmal ernster genommen hat als in Wien. Dort haben wir besser ausgeschaut, als sie geglaubt haben. Diesmal ist es ihnen leider gelungen, dass ihnen alles aufgeht – mit unserer Mithilfe“, verwies Constantini darauf, dass Löw und seine Schützlinge offenkundig die richtigen Lehren aus dem Hinspiel gezogen haben.

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