"Lahm zählt sicher zu den fünf Besten der Welt"

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Er sei der „unscheinbarste Stammspieler“ im ÖFB-Team, ließ ein Medienvertreter Florian Klein unter der Woche während des Camps in Bad Tatzmannsdorf wissen.

Letztlich wohl mehrheitlich ein Kompliment, vor allem wenn man die Betonung auf „Stammspieler“ legt.

Auf neun Länderspiele hat es der Austrianer inzwischen seit seinem Debüt im Mai 2010 gegen Kroatien gebracht. In diesem Jahr verpasste er nur die beiden bitteren Niederlagen gegen Belgien und die Türkei, in denen das Nationalteam jeweils keine gute Figur gemacht hat.

„Man kann schon sagen, dass ich mir rechts hinten einen Stammplatz erarbeitet habe“, erklärt der Oberösterreicher selbstbewusst, der seine bisherige Performance im rot-weiß-roten Dress mit gemischten Gefühlen bewertet:

„Es waren sicher gute Spiele dabei, aber auch ein paar Partien, mit denen ich nicht zufrieden war – ein paar nicht sehr glückliche Aktionen.“

„Beweisen, dass ich der Richtige und Bessere bin“

Dabei spielt klein wohl auf seinen verschossenen Elfmeter an seinem 24. Geburtstag gegen Griechenland an, oder sein Blackout in den Niederlanden, als er mit einem unnötigen Handspiel einen Elfmeter verursachte – jene Szene, die ihm letztlich wohl die Teilnahme an den Matches gegen Belgien und in Istanbul kostete.

Der Stammplatz sei für ihn eine „super Sache, aber ich muss bei jedem Spiel beweisen, dass ich auf dieser Position der Richtige und Bessere bin.“

Härtester Konkurrent im Kampf um den Job als Rechtsverteidiger ist aktuell Ekrem Dag, der jedoch wie beim Heimspiel gegen Deutschland auch unmittelbar vor ihm im Mittelfeld zum Einsatz kommen kann.

Die nächste Bewährungsprobe für Klein ist das Deutschland-Spiel, wo eine Monsteraufgabe auf ihn zukommt, wird die linke DFB-Seite doch von gewissen Herren namens Philipp Lahm und Lukas Podolski (als Alternative stünde der hochveranlagte Andre Schürrle bereit) gebildet.

Neuinterpretation durch Lahm, Sergio Ramos und Dani Alves

Gerade Lahm hat für fast jeden Außenverteidiger aktuell so etwas wie Vorbildcharakter, da der Bayern-Star zur Weiterentwicklung dieser Position maßgeblich beigetragen habe:

„Er zählt auf dieser Position sicher zu den fünf Besten der Welt. Die Generation um Lahm, Sergio Ramos und Dani Alves hat die Außenverteidiger-Position generell ganz neu interpretiert. Die Entwicklung ist überall so, dass die Außenverteidiger mit nach vorne gehen und Druck erzeugen müssen. Dass die Außenverteidiger nur hinten stehen, geht heutzutage gar nicht mehr.“

Den Vordermann hinterlaufen, Gegenspieler ausspielen, Flanken schlagen, wenn möglich selbst abschließen – so charakterisiert Klein das kleine Einmaleins in der Vorwärtsbewegung.

„Man muss aber auch schnell wieder hinten sein, und das ist schon das Schwierige auf dieser Position, dass man erstens durch die große Laufarbeit physisch sehr stark sein muss und zweitens auch am Ball einiges können muss. Es ist eine vielseitige Position geworden, die mir recht gut liegt“, so Klein.

„Ich finde, dass Lahm seine besseren Spiele links gemacht hat“

Dass Lahm die Position ebenfalls gut liegt, ist unbestritten. Die große Frage beim DFB-Kapitän war in der jüngeren Vergangenheit, auf welcher Seite er effizienter zur Geltung kommt. Beim Hinspiel in Wien war der 27-jährige „Neo-Literat“ noch rechts postiert (und machte gegen David Alaba keine gute Figur), nachdem er bei den Bayern den Schritt zurück auf die linke Seite vollzogen hat, läuft er nun auch für Deutschland wieder dort auf.

„Ich finde, dass er seine besseren Spiele fast links gemacht hat, obwohl ich glaube, dass er lieber rechts spielt, weil es für einen Rechtsfuß dort natürlich besser ist, wenn man sich den Ball nach außen mitnehmen kann“, analysiert Klein, der gleichzeitig den Grund nennt, warum Lahm gerade im DFB-Dress auf links so gut zu Geltung kommt:

„Deutschland ist bei den meisten Spielen die dominierende Mannschaft und agiert offensiv. Da kann er in die Mitte ziehen und abschließen. Und den linken Fuß hat er ja auch nicht nur zum Stehen, mit dem kann er schon auch flanken.“

Wenn möglich, 2012 ins Ausland

Klein selbst hat sich als gelernter Mittelfeldspieler in der Viererkette inzwischen soweit stabilisiert, dass er im Sommer 2012, wenn sein Vertrag bei der Austria ausläuft, den nächsten Schritt in seiner Karriere wagen will:

„Mein Ziel ist natürlich das Ausland. Wenn möglich, möchte ich nächstes Jahr den Sprung schaffen. Dafür brauche ich gute Spiele – vor allem im Nationalteam, die zählen jetzt umso mehr, das sind die wichtigsten Partien, wo man sich empfehlen kann.“

Noch als LASK-Spieler wäre es einst beinahe zu einem Wechsel über die Grenzen hinaus gekommen, die Verhandlungen mit dem italienischen Serie-B-Verein Frosinone waren bereits sehr konkret.

„Man kann nie wissen, was genau richtig gewesen wäre, aber ich bin sehr froh, dass meine Entwicklung diesen Lauf genommen hat. Es war für mich im Nachhinein sicher der richtige Schritt, dass ich zur Austria gegangen bin, weil es im Hinblick auf das Nationalteam der bessere Weg war“, sieht sich Klein aus heutiger Sicht bestätigt, in Österreich geblieben zu sein.

Eine Wunschdestination hätte der 24-Jährige bei einem etwaigen Auslands-Transfer übrigens nicht: „Ob Italien oder Deutschland, es gibt viele Ligen, die mir taugen. Als Österreicher ist in erster Linie einmal wichtig, dass man überhaupt den Sprung in eine gute Liga schafft.“

„Dass andere Spieler mehr Aufmerksamkeit genießen, ist normal“

Spätestens dann würde Klein niemand mehr als „unscheinbar“ bezeichnen. Im Moment stört sich der eloquente Oberösterreicher jedoch ganz und gar nicht an dieser Einschätzung:

„Jeder Spieler braucht Aufmerksamkeit, aber dass im Nationalteam zurzeit andere Spieler mehr Aufmerksamkeit genießen, ist normal. Sie spielen bei besseren Vereinen, stehen mehr im Blickpunkt, die Medien sind mehr auf sie konzentriert. Das ist nicht immer ein Nachteil für mich, aber ich weiß selbst, was ich kann und dass ich ein guter Spieler bin.“

Gut, aber nicht so gut wie Lahm, der mit der Veröffentlichung seines Buches „Der feine Unterschied“ zuletzt für einen gewaltigen medialen Wirbel sorgte.

Was wohl Klein in einer Autobiographie über den Showdown in Gelsenkirchen schreiben würde?

„Dass wir hoffentlich gewonnen haben! Dann würde es natürlich einen ausführlichen Bericht über das Spiel geben“, lacht der Leider-Nein-Literat, denn: „Ich glaube nicht, dass ich schon mit 27 Jahren meine eigene Biographie schreibe.“

Peter Altmann

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