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Janko will keine "beleidigte Leberwurst" sein

„Also wenn ich in meiner Karriere eines gelernt habe, dann dass Trainer und Journalisten immer Recht haben.“

Sarkasmus der Marke Marc Janko. Der Grund ist leicht erklärt und klingt in den Worten des Holland-Legionärs so:

„Natürlich hofft man insgeheim immer, dass man zum Einsatz kommt, aber ich gehe derzeit nicht davon aus, dass ich spielen werde. Ich denke, das ist aus den Trainingseinheiten ersichtlich.“

Schon frühzeitig erkannte der 1,96 Meter große Goalgetter im ÖFB-Camp in Bad Tatzmannsdorf also, dass er beim EM-Qualifikations-Duell mit Deutschland die Hymne höchstwahrscheinlich nicht am Feld singen wird.

„Vor jedem Match eine Wundertüte“

Dementsprechend gefrustet wirkt Janko – aus seiner subjektiven Sicht nur allzu verständlich. Bei seinen Vereinen stets ein Torgarant, mutiert der 28-Jährige im Nationalteam zunehmend zu einem Kapitän ohne Amt. Denn das Gefühl, zu Spielbeginn auf der ÖFB-Ersatzbank zu sitzen, ist für den Niederösterreicher beileibe kein fremdes mehr.

„Es ist für mich vor jedem Ländermatch eigentlich eine Wundertüte“, beschreibt Janko die Ungewissheit, ob er zum Einsatz kommt oder nicht.

Dabei befindet sich der Blondschopf in Hochform. Fünf Tore in vier Meisterschaftsspielen für Twente Enschede sprechen für sich, insgesamt hält er bei acht Treffern in neun Pflichtspielen.

Bloß im Nationalteam will es bereits seit knapp zwei Jahren nicht mehr klappen. Das letzte seiner sieben Tore im ÖFB-Dress erzielte er im Oktober 2009 beim 1:3 in Frankreich.

Teamchef Didi Constantini hat bislang keinen Weg gefunden, den Hünen mit dem ausgeprägten Torriecher effizient in sein System einzubauen. Oder aus anderem Blickwinkel betrachtet: Janko fügt sich nicht zur Zufriedenheit des Tirolers in dessen System ein.

Ungewohnt scharfe Constantini-Kritik

Für seine Verhältnisse übte Constantini am Montag nämlich ungewöhnlich scharfe Kritik an der Laufbereitschaft des Strafraum-Stürmers, auch wenn er sie nicht als solche verstanden wissen will:

„Ich habe Marc erklärt, dass wir keine Mannschaft sind, die so viele Flanken von der Seite bringt und er mehr machen muss. Das ist keine Kritik, sondern Fakt, dass er sich einfach mehr bewegen muss. Er kann sich Torchancen auch selbst erarbeiten.“

Eine der denkbaren Aufstellungs-Varianten

Welchen elf Kollegen Janko in Gelsenkirchen zu Spielbeginn die Daumen drücken darf, kristallisiert sich nach den bisherigen Trainingseindrücken zunehmend heraus.

Die Viererkette vor Goalie Christian Gratzei steht mit Florian Klein, Franz Schiemer, Emanuel Pogatetz und Christian Fuchs. Als Sechser sind Julian Baumgartlinger und David Alaba gesetzt, im linken Mittelfeld dürfte Neo-Hannover-Legionär Daniel Royer sein Startelf-Debüt im Nationalteam geben.

Bleiben drei Positionen offen, wo im Training verschiedene Varianten geübt wurden. Martin Harnik, dessen Einsatz außer Frage steht, wurde sowohl wie zuletzt gewohnt im Zentrum als hängende Spitze als auch am rechten Flügel getestet. Rechts ist auch Marko Arnautovic ein Thema, Ekrem Dag wäre wie bei der 1:2-Niederlage in Wien die defensivere Option.

Hoffer: „Bin immer bereit für einen Einsatz“

An vorderster Front spricht viel für einen Einsatz von Erwin Hoffer, wobei auch Arnautovic in einer zentralen Rolle nicht auszuschließen ist.

Janko betonte in den letzten Wochen gebetsmühlenartig sein Verständnis dafür, dass die ÖFB-Elf nicht so spielbestimmend wie Twente in nahezu jedem Spiel auftreten könne und er folglich weniger Bälle bekommt. Gleichzeitig stellt er jedoch klar:

„Ich würde nicht sagen, dass man mit mir nur spielen kann, wenn man sich immer im Strafraum aufhält, das ist ja auch nicht der Fall. Es gab schon Länderspiele, wo ich das Gegenteil bewiesen habe. Es ist momentan ein bisschen eine schwierige Situation für mich, aber damit muss ich leben.“

„Die beleidigte Leberwurst zu spielen, nutzt nichts“

Für Janko sind die Zeiten, in denen Stürmer ausschließlich an ihrer Ausbeute gemessen wurden, vorbei: „Mittlerweile ist es nicht mehr so, dass Tore zählen, sondern es gibt auch andere Kriterien, die für viele Leute ebenfalls wichtig sind. Dem muss man sich stellen. Wie gesagt: Ich kann diese Entscheidung nicht ändern, probiere trotzdem positiv zu bleiben und möchte mein Bestes dazu beitragen, dass die Mannschaft erfolgreich ist.“

Auch in Phasen der persönlichen Enttäuschung sind die Qualitäten als Teamplayer gefragt. Wenn es in Gelsenkirchen nicht zu einem Einsatz reichen sollte, wolle er eben alles probieren, um gegen die Türkei in der Startelf zu stehen.

„Ich kann mich jetzt hinsetzen und die beleidigte Leberwurst spielen, aber das nutzt ja nichts“, streicht der frühere Salzburg-Kicker hervor.

Wie gesagt kennt Janko die aktuelle Situation, die sich sogar ein wenig wie ein roter Faden durch die Ära Constantini zieht, bereits. Schon im zweiten Länderspiel unter der Anleitung des Tirolers saß Janko in Serbien nur auf der Bank – und das als damals frisch gebackener Bundesliga-Torschützenkönig, der mit 39 Treffern Hans Krankls Allzeit-Rekord nur um zwei Tore verpasst hat.

Noch kein Gespräch mit Constantini

Persönlich mitgeteilt hat Constantini seinem Kapitän die drohende Reservistenrolle übrigens noch nicht: „Wir haben bisher noch kein Gespräch gehabt. Das wird vielleicht noch kommen, vielleicht auch nicht. Ich bin ein kommunikativer Spieler. Wenn der Trainer auf mich zugeht, freue ich mich. Wenn nicht, werde ich auf ihn zugehen. Aber im Endeffekt ist es auch keine große Sache, ich bin nicht das erste Mal in solch einer Situation. Deswegen habe ich da schon ein bisschen Routine drinnen.“

„Ich bin immer bereit für einen Einsatz. Ich muss im Training 100 Prozent geben und warten, wie der Trainer entscheidet“, erklärt Hoffer. Für den pfeilschnellen Angreifer spricht seine Konterstärke, schon beim Hinspiel im Happel-Stadion setzte Constantini auf den nunmehrigen Frankfurt-Legionär.

„Wir müssen einfach aus der kleinsten Chance ein Tor machen. Dann können wir auch in Deutschland bestehen und drei Punkte mitnehmen“, glaubt der 24-Jährige, der zuletzt beim 1:2 gegen die Slowakei als Joker den rot-weiß-roten Ehrentreffer erzielte.

Geduldsprobe in Frankfurt

„Jedes Tor tut gut, für Stürmer zählen nur Tore. Aber wenn wir in Deutschland gewinnen und ich kein Tor mache, freue ich mich genauso“, meint Hoffer, der bei der Eintracht noch auf sein erstes Erfolgserlebnis in dieser Zweitliga-Saison wartet und zuletzt nur von der Bank kam.

„Ich bekomme sicher wieder meine Chance. Ich kann mich nur im Training und in jedem Spiel, in dem ich eingewechselt werde, beweisen und Vollgas geben“, übt sich Hoffer in Geduld.

So konträr kann das Nationalteam-Leben also sein: Janko, beim Verein in Hochform, droht beim ÖFB die Bank. Hoffer, beim Verein mit Startschwierigkeiten, könnte ihn gegen Deutschland ersetzen…

Peter Altmann

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