LAOLA1-Einzelkritik zu Deutschland-Österreich

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Schon nach 20 Minuten ging die Welle durch die Arena AufSchalke. Das sagt wohl alles über die Kräfteverhältnisse im EM-Qualifikations-Duell zwischen Deutschland und Österreich.

Mit 6:2 schoss die DFB-Elf ihren Kontrahenten aus Österreich aus dem Stadion. Mehr als gute Moral und einige gute Szenen, nachdem die Partie längst verloren war, stand nicht auf der ÖFB-Habenseite – natürlich viel zu wenig.

LAOLA1 nimmt die Leistung der österreichischen Spieler bei diesem Debakel in der Einzelkritik unter die Lupe.

CHRISTIAN GRATZEI (9 Teamspiele/19 Gegentore)

Auweiah! Gerade in solchen Partien kommt es maßgeblich auf die Performance des Torhüters an, im Vorfeld war viel von einer notwendigen Ausnahmeleistung des ÖFB-Keepers die Rede. Die brachte Gratzei beileibe nicht. Vor allem das dritte Gegentor, als er die kurze Ecke aufmachte, ging klar auf seine Kappe. Zuvor vermochte er seine Mannschaft nicht mit dem einen oder anderen „Unhaltbaren“ im Spiel zu halten. So manche gute Parade im weiteren Spielverlauf kam zu spät.  

FLORIAN KLEIN (10/0 Tore)

Auf der offensiven Haben-Seite steht die wunderbare Flanke auf Arnautovic beim Treffer zum 1:3. Ansonsten meist in der Defensive gefordert und dort nur selten auf der Höhe des Geschehens – beim dritten Gegentreffer attackierte er etwa viel zu zögerlich, beim fünften kam er gegen Götze zu spät.

FRANZ SCHIEMER (20/4)

Seine verunglückte Kopfball-Abwehr vor die Beine von Özil beim ersten Gegentreffer war der Anfang vom ÖFB-Ende in dieser einseitigen Partie, wenig später beim 0:2 war der Salzburger wie das komplette Defensiv-Zentrum unsichtbar. Die deutsche Solo-Spitze Klose konnte munter mit seinen Hinterleuten kombinieren. Die Vielzahl der DFB-Chancen alleine der Viererkette, oder speziell der Innenverteidigung in die Schuhe zu schieben, wäre ob der mangelhaften Defensivleistung der gesamten ÖFB-Elf unfair. Denn dass Schiemer wie Nebenmann Pogatetz mehrmals in höchster Not klärte, sollte nicht unerwähnt bleiben.

EMANUEL POGATETZ (45/2)

Für ihn gilt Ähnliches wie Schiemer. Wie Özil beim 2:0 derart ungehindert durch die ÖFB-Innenverteidigung spazieren konnte, bleibt ein Rätsel. Wirkte unterm Strich eine Spur sattelfester als sein Nebenmann, beim Tor von Schürrle waren beide Innenverteidiger nicht im Bilde.

 

CHRISTIAN FUCHS (43/1)

Gar kein gutes „Heimspiel“ für den Schalker. Sein unmittelbarer Gegenspieler Müller war einer der ansehnlichsten Protagonisten im schwarz-rot-goldenen Angriffsreigen, der ÖFB-Kapitän hatte nur allzu selten Zugriff auf den Bayern-Star. Fuchs‘ Defensivverhalten beim vierten Gegentreffer, als er Özil einfach ziehen ließ, war sinnbildlich für einen verkorksten Abend.

EKREM DAG (7/0)

Der Besiktas-Legionär startete wenigstens den einen oder anderen Versuch im Spiel nach vorne – seine Flanke zu Beginn auf Arnautovic war die erste zählbare Offensivaktion, eine geblockte Hereingabe führte zum ersten ÖFB-Corner, ein Weitschuss läutete die annehmbare Phase in den letzten 15 Minuten vor dem Pausenpfiff ein. Defensiv wie alle Österreicher überfordert.

JULIAN BAUMGARTLINGER (15/0)

Die ÖFB-Elf agierte mit einem 4-4-2. Die Konsequenzen? Baumgartlinger und Alaba sahen sich im Mittelfeld-Zentrum mit Özil und Kroos konfrontiert, von weiter hinten schaltete sich in Jogi Löws 4-1-4-1-System auch noch Schweinsteiger immer wieder mit ein. Das ergab eine Überzahl, die das zentrale ÖFB-Duo nicht meistern konnte – gerade Özil hatte seine helle Freude mit den vorhandenen Räumen und belohnte seine Leistung mit zwei Treffern. Der defensiven Überbelastung nicht genug, hätten Baumgartlinger/Alaba in dieser offenkundig auf Konter angelegten ÖFB-Strategie auch den Spielaufbau einleiten sollen. Das funktionierte noch weniger. Fazit: Wie Alaba rannte sich Baumgartlinger die Seele aus dem Leib, herausgekommen ist denkbar wenig.

DAVID ALABA (12/0)

Beim ansehnlichen 1:2 in Wien führte der Bayern-Jungstar Vereinskollegen Lahm teilweise vor, trug immer wieder gefährliche Angriffe über den Flügel nach vorne. Diesmal musste das Ausnahmetalent jedoch aufgrund von Personalnot ins Zentrum rücken und wurde dort Opfer der taktischen Ausrichtung (siehe Baumgartlinger). Dass er nicht alles tat, um das österreichische Spiel anzukurbeln, kann man Alaba keineswegs vorwerfen. Im Gegenteil: Hatte dank immensen Laufpensums bei den wenigen Offensivaktionen immer wieder seine Beine im Spiel.

DANIEL ROYER (4/0)

Feierte sein Debüt in der Startelf. Ihm die Pleite anzulasten, wäre unfair, dennoch: Der Neo-Hannoveraner agierte farblos, war kaum in die seltenen Angriffe eingebunden – ein freches Solo, viel mehr kam nicht. Defensiv nur wenig Unterstützung für Fuchs gegen Müller.

 

MARTIN HARNIK (26/6)

Sehenswerter Treffer zum 2:4, mangelnde Effizienz konnte man dem ÖFB-Team an diesem schwarzen Abend ohnehin kaum vorwerfen. Auch sonst ging der Stuttgart-Legionär weite Wege, war gewohnt bemüht und gerade nach der Pause – als die Partie jedoch längst verloren war – an so ziemlich jeder guten ÖFB-Szene beteiligt. Kritik an der Defensivarbeit kann man auch Harnik nicht ersparen. Er kam kaum in die Zweikämpfe, störte somit den deutschen Spielaufbau zu wenig, eroberte kaum Bälle.

MARKO ARNAUTOVIC (12/5)

Bravo! Bei seinem Kopfball-Treffer zum 1:3 zeigte der umstrittene Rückkehrer seine Qualität. Bravo! Bei seinem wunderbaren Assist zum 2:4 von Harnik zeigte der umstrittene Rückkehrer seine Qualität. Soweit zum Positiven, denn bei diesen Szenen war das Spiel längst verloren. Die angekündigte Marschroute, die Deutschen früh zu stören, ist mit dem Werder-Legionär an vorderster Front nur schwer zu spielen. Dafür attackiert er viel zu zögerlich, seelenruhig konnte die DFB-Abwehr von hinten raus kombinieren. Klassischer Fall von unglücklich eingesetzt. Dennoch sei erwähnt, dass Arnautovic durchaus weite Wege ging – letztlich zwecklos.

ERWIN HOFFER (26/4)

 Zu kurz eingesetzt

 

 

 

Peter Altmann

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