…über persönliche High- und Lowlights in der WM-Qualifikation

Auf der einen Seite war sicherlich das Deutschland-Spiel zu Hause ein Highlight, wo wir sehr dominant aufgetreten sind. Und das mit dem Hintergrund, dass wir da noch nicht so lange zusammen waren. Die Enttäuschung war aber mit der Niederlage ebenso da. In Schweden hatten wir die beste erste Hälfte unter mir. In so einem wichtigen Auswärtsspiel so aufzutreten, war ganz stark. Aber die zweiten 45 Minuten und vor allem das 1:2 waren für mich und alle rundherum wie ein Todesstoß. Das sind Dinge, die man verarbeiten muss. Das Team ist aber auf den Färöer aufgestanden und hat gezeigt, dass es Charakter hat und Niederlagen verkraften kann. Dementsprechend war es wichtig, dort die drei Punkte zu holen. Die Spieler haben selber gemerkt, dass sie bei entsprechendem Fokus auf das Wesentliche ihre Möglichkeiten haben und noch mehr abrufen können. Diese Erkenntnis ist sicherlich auch sehr positiv.

…auf die Frage, ob das Positive nach dieser WM-Qualifikation überwiege

Gut, ich habe schon auch gerne Erfolg und der hat letztlich gefehlt, nämlich zumindest einmal in die Playoff-Spiele zu kommen. Das haben wir nicht erreicht. Auf der anderen Seite haben wir 17 Punkte für Österreich erzielt, was schon länger nicht mehr der Fall war. Bei den Quali-Spielen hat die Mannschaft gezeigt, dass Österreich da ist. Man konnte das Vertrauen haben, dass die Spieler ihr Potenzial in solchen Partien abrufen. Das hat im Nachhinein auch viel Spaß gemacht.

…über das, was in Zukunft anders gemacht werden kann

Es gibt keine anderen Möglichkeiten, als dass sich das jetzt einschleift. Du kannst die Spieler im Klub besuchen und das eine oder andere per Video mitteilen, aber das gestaltet sich auch schwierig. Es ist eine sehr individuelle Sache. Im theoretischen Bereich kann man dem Spieler etwas vermitteln, aber in der Praxis die Fehler unter Druck vor 50.000 Zuschauern oder bei geistiger Müdigkeit nicht zu machen, hat einfach auch mit Wiederholung zu tun. Das ist im Training einzuüben, um das Bewusstsein zu bekommen. Da gibt es einfach die Zeit, die man gemeinsam hat und in der man die Fehler anspricht und den Spielern diese veranschaulicht. Schlussendlich muss der Spieler das auswendig lernen.

…über das Muss, die EM-Qualifikation 2016 zu schaffen

Ich wei0 auch nicht, warum das ein Muss ist. Vielleicht, weil mehr Teams dabei sind. Aber man war schon lange nicht mehr dabei und das ist natürlich auch eine Erfahrung, die man sammeln muss. So etwas schweißt die Mannschaft und den ganzen Verband zusammen. Das geht aber auch nicht nur mit Sprechen. Das muss man am Platz zeigen.

…über das, was für eine erfolgreiche EM-Qualifikation 2016 spricht

Das Team, die Mannschaft. Es ist sicher Erfahrung, mit der du wieder weiterkommst. Ich denke, man muss auf diesem Weg weitergehen, die Spieler müssen sich weiterentwickeln und es müssen weiter junge Spieler hochgezogen werden. Da geht es um das Kennenlernen der Philosophie. Dementsprechend muss alles noch professioneller werden, dann hat man die Möglichkeit, so eine Endrunde zu erreichen. Wir hatten bei dieser WM-Qualifikation auch eine schwierige Gruppe, mit Deutschland, Schweden und Irland gleich drei EM-Teilnehmer. So viele hatte keine andere Gruppe. Von daher gibt es auch die Hoffnung, dass man etwas mehr Glück bei der Auslosung hat und etwa nicht immer gegen Deutschland spielen muss.

…über seine persönliche Bilanz nach zwei Jahren als ÖFB-Teamchef

Sie fällt sehr positiv aus. Ich habe angefangen und es gab ein bisschen Gegenwind. Auf den Färöer hat man gesagt, dass da viel Wind weht, in Wien war er eigentlich stärker als dort. Es ist aber so, dass ich weiß, was ich kann und wie ich mit einer Mannschaft umgehen muss, was ich vermitteln kann. Daher hatte ich keine Angst, dass das nicht gelingt. Ich habe auch von Anfang an gesagt: Lasst mich mal arbeiten und dann sehen wir weiter. Die Mannschaft hat mich unterstützt, der ganze ÖFB war mit dabei und so habe ich versucht, das Ganze nach vorne zu bringen. Die zwei Jahre waren für mich extrem positiv. Das habe ich alleine schon gemerkt, wenn ich auf der Straße oder in den Stadien unterwegs war, die Leute waren sehr positiv. Im ersten Jahr war vielleicht noch sehr viel Raunzen mit dabei, das hat sich dann gelegt und es gab Daumen nach oben. Das Raunzen war weg, das war sehr positiv.

 

Bernhard Kastler

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