Taktik-Analyse: Endlich hässlich gewonnen

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Schön war es nicht, aber am Ende steht ein Sieg.

Das ÖFB-Team tat sich gegen engagiert aufspielende Tschechen schwer. Die lange Saison war den Kickern anzumerken, dazu kamen Unsicherheiten und Abstimmungsfehler.

Dennoch reichte es letztlich für einen vollen Erfolg. Auch, weil Marcel Koller die Schwächen seiner Anfangsformation erkannte und im Laufe des Spiels richtig reagierte.

4-1-4-1 spielt Tschechien in die Karten

Denn das überraschend aufgebotene 4-1-4-1-System funktionierte überhaupt nicht. Tschechien bespielte die Halbräume zwischen Stefan Ilsanker und den beiden Außenverteidigern hervorragend.

Immer wieder wurden auf den Flügeln Überzahlsituationen geschaffen. Die beiden Flügelspieler zogen nach innen, die Außenverteidiger sprinteten die Linie entlang und Josef Husbauer bot sich für Kombinationen an.

Den Spielmacher der Tschechen bekamen die Österreicher genauso wenig in den Griff wie die Nummer sechs, Lukas Vacha. Für beide fühlte sich in den ersten 30 Minuten niemand zuständig.

Aufstellungen in Hälfte eins: Tschechiens 4-2-3-1 dominiert gegen das österreichische 4-1-4-1. Insbesondere in den Halbräumen hinter Ivanschitz und Junuzovic ist das ÖFB-Team verwundbar.

Zuordnungs-Probleme in der Zentrale

Während Husbauer halblinks und halbrechts reichlich Lücken vorfand, konnte Vacha ungestört von hinten das Spiel aufbauen. Weder Marcel Sabitzer noch einer der beiden zentralen Mittelfeldspieler hinderte ihn daran. Ebenso fand Tomas Horava infolge der Zuordnungs-Probleme in der ÖFB-Zentrale immer wieder viel Platz vor, so zum Beispiel bei seinem Tor zum 1:1.

„Wir haben in der ersten Halbzeit ein defensiveres System ausprobiert. Mit dem 4-1-4-1 wollten wir erst im Mittelfeld pressen. Das sollte uns flexibler machen. Aber leider ist das nicht so gut gelungen“, meinte Sebastian Prödl nach der Partie.

System-Umstellung stärkt die Defensive

Auch Koller sah die Probleme seiner Mannschaft. Also stellte der Teamchef sein System um. Um Solo-Sechser Stefan Ilsanker zu unterstützen, nahm Andreas Ivanschitz schon vor der Pause eine tiefere Rolle ein. Damit wurde die Defensive stabilisiert.

Mit der Einwechslung von Julian Baumgartlinger gelang dies noch besser. Die Umstellung auf 4-2-3-1 nahm dem tschechischen Angriffswirbel etwas den Wind aus den Segeln.

Aufstellungen in Hälfte zwei: Österreich stellt auf 4-2-3-1 um mit Baumgartlinger als tieferem der beiden Sechser, bei den Tschechen spielt der eingewechselte Kolar auf der Zehn, Husbauer rückt auf die Achter-Position.

„Nach der Pause haben wir auf unser altbewährtes System mit Offensiv-Pressing umgestellt. Da hat man gleich gesehen, dass wir wieder aktiver wurden und enger am Mann standen“, konstatierte Prödl.

Wie schon gegen Island funktionierte das Forechecking aber auch diesmal nur bedingt. Aufgrund von Abstimmungsschwierigkeiten konnten die Tschechen das österreichische Pressing einige Male ausspielen. Infolgedessen ergaben sich Möglichkeiten, wie jene von Kolar (51.), die Almer im Eins gegen Eins entschärfte.

Im Angriff gibt es Schonkost

Spielerisch hatte das ÖFB-Team in Olomouc nur Schonkost anzubieten. Das lag einerseits am aggressiven Forechecking der Gastgeber, das in der ersten Hälfte nur einmal erfolgreich umspielt werden konnte – beim Treffer zum 1:0.  

Andererseits prägten aber auch viele Fehlpässe das Angriffsspiel der Koller-Elf. Mit der Einwechslung Baumgartlingers gewann der Spielaufbau etwas an Sicherheit. 

Zudem wurde auch Marko Arnautovic spielfreudiger. Ähnlich wie gegen Island war er nach der Pause die Hauptanspielstation im Angriffsspiel. Den Siegtreffer leitete der Stoke-Legionär mit einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte ein.

In der Schlussphase musste Österreich noch einmal heftig um den Sieg zittern. Doch letztlich konnten die hohen Bälle der Tschechen nichts mehr ausrichten und es blieb beim 2:1.

Fazit: Das ÖFB-Team übt die Flexibilität

Seit dem Ende der WM-Qualifikation versucht Koller, dem ÖFB-Team Flexibilität einzuimpfen. Die Mannschaft soll nicht nur ein hohes Angriffspressing spielen können, sondern auch in der Lage sein, weiter hinten zu attackieren, um im Bedarfsfall auch „hässliche Siege“ einfahren zu können.

Gegen Tschechien wurde diese defensivere Ausrichtung genauso getestet, wie das ungewohnte 4-1-4-1-System. Das ging in der ersten Hälfte aufgrund der tschechischen Dominanz zwar in die Hose, der Endzweck wurde mit dem Auswärtssieg in Olmütz aber erreicht.

„Wir wollten ergebnisorientiert spielen, das ist uns gelungen“, meinte Gold-Torschütze Baumgartlinger nicht umsonst und Zlatko Junuzovic fügte hinzu: „Auch wenn es von der Leistung her nicht die beste war, ist es wichtig zu merken, dass du auch dann gewinnen kannst.“

Natürlich kann der Erfolg aber nicht über die gezeigten Schwächen hinwegtäuschen. Die Zuordnungen im 4-1-4-1 gegen das fluide System der Tschechen funktionierte nicht. Hinzu kamen Abstimmungsschwierigkeiten im Pressing und spielerische Probleme.

Vor dem nächsten Spiel gegen Schweden wartet auf Koller und sein Team also viel Arbeit.

 

Jakob Faber

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