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"Verantworte Ivanschitz-Einberufung zu 100 Prozent"

Zweieinhalb Jahre, also während der gesamten Teamchef-Ära von Didi Constantini stellte sich Fußball-Österreich die Frage, wann Andreas Ivanschitz in den Kader des Nationalteams zurückkehren wird.

Nun kennen wir die Antwort: Im Spiel eins nach Constantini.

Die Einberufung des früheren ÖFB-Kapitäns ist die spektakulärste Personalie im von Interims-Coach Willi Ruttensteiner nominierten 23-Mann-Aufgebot für die beiden abschließenden EM-Qualifikationsspiele in Aserbaidschan und Kasachstan.

Dazu kommen mit dem Admiraner Philipp Hosiner und Wiener-Neustadt-Goalie Jörg Siebenhandl zwei Akteure, die dem ÖFB-Kader erstmals in ihrer Karriere angehören – Letzterer vor allem wegen der Verletzungs-Misere auf Torhüter-Ebene.

„Ivanschitz gehört zu 23 besten Spielern Österreichs“

Ansonsten vertraut Ruttensteiner weitestgehend jenen Spielern, auf die bereits Constantini gesetzt hatte. Sebastian Prödl kehrt nach längerer Verletzungspause zurück, der Rapidler Christopher Trimmel verdiente sich seine Einladung mit guten Leistungen in der Bundesliga.

Ivanschitz könnte am 7. Oktober in Baku sein 50. Länderspiel für Österreich bestreiten. Die Rückkehr des Mainz-Legionärs kommentiert Ruttensteiner wiefolgt: „Für mich ist er unter den besten 23 Spielern Österreichs. Deswegen wurde er einberufen.“

Eine der ersten Amtshandlungen Constantinis war es im Frühjahr 2009, den Burgenländer aus dem Nationalteam zu verbannen. Es entwickelte sich eine Geschichte voller Missverständnisse, die eine Rückkehr zu einem späteren Zeitpunkt letztlich verhinderte.

So behauptete der Tiroler unter anderem, Ivanschitz habe eine Stammplatzgarantie gefordert, was dieser jedoch entschieden dementierte. Wohl darauf bezugnehmend stellte Ruttensteiner klar:

„Es gibt in keinster Weise einen Freibrief. Die Leistung beim Verein und in der Vorbereitung zählt. Ob er unter den ersten Elf sein wird, entscheidet das Trainer-Team – sonst niemand.“

„Verantworte Ivanschitz-Einberufung zu 100 Prozent“

Dass die Augen während der eineinhalb Wochen dauernden Zusammenkunft auf Ivanschitz gerichtet sein werden, liegt auf der Hand. Der Interims-Teamchef versucht daher, für den Rückkehrer keinen zu großen Druck aufkommen zu lassen, indem er betont:

„Das Risiko bei diesen zwei Spielen ist für alle groß – das ist im Trainergeschäft nunmal so. Wenn wir dort gute Spiele machen, ist es in Ordnung. Wenn wir uns nicht ordentlich präsentieren, ist das Risiko, kritisiert zu werden, hoch. Aber ich denke, hier geht es um das Übernehmen von Verantwortung – und ich verantworte die Einberufung von Ivanschitz zu 100 Prozent.“

Selbiges gilt Andreas Ibertsberger, der bei Hoffenheim noch auf seinen ersten Saison-Einsatz wartet: „Rein qualitativ ist er diesmal für mich nicht in Frage gekommen.“

Comeback von Spry

Ebenfalls sein „Comeback“ im Kreis des A-Teams feiert Conditioning Coach Roger Spry, der von Constantini nach dessen Amtsantritt abmontiert wurde und seither das U21-Team fit machte. „Für mich ist er einer der Besten in Europa“, lobt Ruttensteiner, der im Hinblick auf das Kunstrasen-Spiel in Kasachstan kommende Woche einen Testlauf in Gratkorn einschieben will.

Das ÖFB-Aufgebot bereitet sich ab kommenden Montag in Bad Tatzmannsdorf auf die beiden Partien vor, ehe der rot-weiß-rote Tross am Donnerstag in Richtung Osten abhebt.

„Wir haben ganz genau überlegt, wie wir in Defensive und Offensive spielen sollen. Wir haben zwar nur wenige Tage Zeit, aber ich erachte es als möglich, die Grundprinzipien an Nationalspieler weiter zu geben, eben weil es Nationalspieler sind. Sie müssten diese Grundprinzipien verstehen, und das werden sie auch“, erklärt Ruttensteiner bezüglich der geplanten Spielanlage.

„Glaube nicht, dass neuer Teamchef diese beiden Spiele machen will“

Auf die leichte Schulter dürfe man die beiden Kontrahenten jedoch nicht nehmen. Aserbaidschan rangiert in der Tabelle nur einen Zähler hinter Österreich, es geht also auch um die Verteidigung des vierten Gruppen-Platzes.

„Es ist wichtig, dass alle Beteiligten wissen, dass diese Gegner Respekt und eine hervorragende Einstellung verdienen. Vor allem das Team von Berti Vogts hat in vielen Spielen bewiesen, dass sie ein gleichwertiger Gegner sind“, warnt Ruttensteiner, der sich bezüglich der Bestellung eines neuen Teamchefs zugeknöpft gab.

Nur für den Fall, dass der neue ranghöchste Trainer des Landes noch in dieser Woche gefunden wird und schon in Baku und Astana die Zügel in der Hand halten wolle, gibt es eine klare Vorgehensweise:

„Ich habe beim ÖFB schon deponiert: Sollte ein neuer Teamchef präsentiert werden, und er diese beiden Spiele machen wollen, ist es für mich überhaupt kein Problem, wieder in meine Funktion als Sportdirektor zurückzugehen. Ich glaube nur nicht, dass jemand diese zwei Spiele machen will.“

Peter Altmann

Ivanschitz ist der einzige jener Akteure, die sich unter Constantini freiwillig oder unfreiwillig aus dem Nationalteam verabschiedet haben, der zurückkehrt. Der 27-Jährige muss aber beileibe nicht der Letzte sein.

Einerseits wurde von Seiten des ÖFB Kontakt zu György Garics aufgenommen, der nach seinem Kreuzbandriss unmittelbar vor einem Comeback vor Bologna steht, nach seiner langen Verletzungspause jedoch naturgemäß kein Thema für eine sofortige Nationalteam-Rückkehr war.

„Probleme mit Stranzl bereinigt“

Andererseits traf sich Ruttensteiner mit Martin Stranzl, der 2009 nach Differenzen mit Constantini seinen unwiderruflichen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt hatte. So unwiderruflich klingt diese Entscheidung inzwischen nicht mehr.

Ruttensteiner: „Ich habe Martin Stranzl vorige Woche besucht. Wir haben in einem vernünftigen Gespräch alle offenen Punkte und Probleme – auch seine Kritik an meiner Person – besprochen und ausgeräumt. Die Situation ist bereinigt, es ging bei diesem Termin jedoch nicht um eine Einberufung für Aserbaidschan und Kasachstan.“

Bezüglich einer Rückkehr des Gladbach-Legionärs überlässt der Oberösterreicher die Entscheidung also seinem Nachfolger: „Eine mögliche Einberufung, ob er wieder für die Nationalmannschaft spielt, obliegt dem neuen Teamchef.“

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